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Der Israelit · 1868-08-26 · Heft 35 (26.8.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 35 (26.8.1868)
Date
1868-08-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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655 ten Mal zu 10 Silberrubel Strafe zahlen ließ. Die verzweifelten Juden wendeten sich nun an den Kaiser selbst und stellten ihre Noth eindringlich vor. Der Kaiser verlangte vom Gouverneur eine Erklärung. Dieser befahl zum vierten Male die Strafe von je 25 und 10 Silberrubel zu zahlen und zwang alle Bürger der Stadt in einer Adresse für seine Wohlthaten, ihm zu danken, zum Ehrenbürger der Stadt Grodno ihn zu ernennen und diese Adresse sollte ihm als Nechtfertigung beim Kaiser dienen. Doch die Juden haben dabei den Kopf nicht verloren, begatun sich nach Petersburg und erzählten, wie die Adresse zu Stande gekommen, der Gouveernenr hatte nämlich alle Bürger berufen, das Gebäude und die Kanzlei mit Kosaken umstellt, zum Unterschreiben der von ihm abgefaßten Adresse gezwungen und die Widerstrebenden mit Knutenhieben bedroht. Palästina. Jerusalem. Professor vr. Petermann, der bisherige Conful für die norddeutschen Bundesstaaten in Jerusalem, wird nächstens wieder nach Berlin zurückkehren. An seine Stelle soll, wie man hört, der berühmte Reisende Gerhard Rohlss kommen. Jedenfalls wäre derselbe die geeignetste Persönlichkeit zu diesem Posten, da er durch seine Reise in Asien und Afrika mit den Sprachen und Sitten der Völker im Orient bekannt ist. (Hamagid.) Australien. Hobart Town (Insel Van Diemensland). Wir haben schon früher Gelegenheit gehabt, mitzntheilen, daß der bisherige Rabbiner in Hobart Town, Herr Goldreich, eine Rabbinerstelle in Ballarat übernehmen wird. Heute liegen uns die von befreundeter Hand uns zugeschickten Nummern von 28. Mai und 3. Juni der in Hobart Town erscheinenden Zeitung „The Mercury“ vor, aus denen wir entnehmen, daß am vergangenen Wochenfeste Herr Goldreich seine Abschiedsrede gehalten, bei welcher Gelegenheit von Seiten des Vorstandes der isr. Gemeinde an ihn eine sehr schmeichelhafte Adresse gerichtet wurde. Vor seiner Abreise veranstalteten dessen zahlreichen Freunde ein Festmahl, wobei ihm eine prachtvolle goldne Uhr als Andenken überreicht wurde. Die kurz vor dessen Abreise stattgehabte Prüfung in der Religionsschule lieferte ein glänzendes Resultat. Sein Nachfolger in Hobart Town ist Herr Stone.! Feuilleton. | ^ater und Sohn. Drittes Capitel. Are Waise. j WaS ich in Nachstehendem zu erzählen gedenke, habe ich nicht im Zusammenhangs erfahren; Bruchstückweise hat es mir Jsak Rosenstrauß, oft unter heißen Thränen, berichtet; Anderes habe ich aus den Erzählungen seines Sohnes ergänzt. Das Alles veranlaßt mich, Rosenstrauß nicht als Erzähler einzuführen, sondern die ganze merkwürdige Geschichte objectiv mitzutheilen. In dem Städtchen P., im russischen Litthauen, lebte ein braver, frommer Mann, Namens Abraham Rosenstrauß, der sich und die Seinen in redlicher Weise durch einen Handel mit Schnittwaaren ernährte. Sein Weib Channah hatte ihm acht Kinder geboren, von denen der älteste Sohn, Jtzele (Jsak) zur Zeit des Beginnes dieser Erzählung elf Jahre alt war. Jtzele war ein Jllui, das heißt ein äußerst befähigter Knabe, welcher zu den stolzesten und schönsten Hoffnungen berechtigte. Der fromme Abraham gedachte denn auch das Glück zu haben, dereinst seinen Sohn zu einem berühmten Rabbinen erwachsen zu sehen, und hatte für die Ausbildung desselben die größte Sorgfalt gehabt. Die besten Melamdim (Lehrer) mußten den jungen Jtzele unterrichten, der Deinerseits die glänzeudsttn Fortschritte machte. Einen Tractat des babylonischen Talmuds nach dem andern lernte er auswendig, die subtilsten Fragen warf er aus und gab die > treffendsten Antworten. I Es war im Jahre 1831; ein furchtbares Gespenst | durchzog damals Europa, das seitdem häufig wieder-! kehrte und überall Schrecken verbreitete. Die asiatische | Cholera verheerte Städte und Länder; umsonst hatten! die Fürsten einen Cordon geschlossen, um das Eindrinj gen der schrecklichen Krankherr abzuhalten, umsonst hatte! man allerlei Vorsichtsmaßregeln getroffen; die fürchterj siche Krankheit zog von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Auch in Litthauen wüthete sie heftig, am Heftigsten in dem Städtchen P. Schrecken hatte die ganze Bevölkerung ergriffen; Männer und Frauen, die gesund umherwandelten, waren nach wenigen Stunden todt. Auch Abraham Rosenstrauß erkrankte; er hatte noch so viel Zeit, seine Familie um sich zu versammeln, seine weinenden Kinder zu segnen, von seiner jammernden Frau Abschied zu nehmen — da starb er. Eiligst wurde seine Leiche bestattet, und nieder auf die Erde setzte sich die unglückliche Wittwe, von deren acht Waisen noch keine verpflichtet war, den Tod des Vaters zu betrauern, von denen die jüngste erst zwei Jahre zählte. Am sechsten der sieben Trauerlage sollte den unglücklichen Kindern neues, schweres

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