Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1868)
- Date
- 1868-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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tet ist, dessen Devise ist, im Geiste Jacobsons zu wirken, und'Gemeinden mit Lehrern seines Geistes und seiner Richtüng zu versvrgen? Nimmcrmshr! Daß Herr L. über das orthodoxe Element im Judenthume nicht mit als Factor in seine Rechnung gezogen, ein Element, das im Gesammljudenthume Gottlob noch schwer in's Gewicht fallt, daß er einer ansehnlichen Menge durch seinen Aufruf vorweg den Anschluß unmöglich gemacht, daS ist die Klippe, an dem das ganze Vorhaben scheitert. S. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 12. Aug. In der gestrigen Abendsitzung des Wiener Gemeinderathes rügte Steudel abermals die gesetzwidrige Erschwerung des Religionswechsels durch den Magistrat. Der Vicebürgermeister Dr. Felder gab zu, daß eine einfache Meldung genüge und versprach Abhilfe. Bis jetzt haben in Wien fast nur Israeliten, welche in früheren Jahren, um das AufenthallSrecht in Wien zu erlangen, sich hatten taufen lasten, von der bezüglichen Bestimmung des interconfestionellen Gesetzes Gebrauch gemacht, um zu der Religion ihrer Väter zurückzukehren. Es gab dieß zu dem Börsenwitz Anlaß: „Alles geht in die Höh", nur die Getauften gehen zurück!" Prag, 14. Aug. In dem böhmischen Marktflecken Lipa vollzog unlängst der Rabbiner zum ersten Male eine Trauung in tschechischer Sprache. Böllerschüste (io meldet die „Presse") ertönten von den umliegenden Höhen, begeisterte Slavarufe wurden dem glücklichen Paare zu Theil und der Rabbiner ward unter dem Rufe: „Hoch die jüdische Nation!" zu seinem Wagen geleitet. Ikaitditz. Vor einigen Jahren wurde einem Vater sein Kind, welches die christliche Amme getauft hatte, entrissen, und alles Wehklagen der Eltern sowie alle Beschwerden waren vergeblich. Jetzt nach dem neuen confeffionellen Gesetze erlangte der Vater ohne große Anstrengung die Rückgabe seines Kindes und die Freude im Familienkreise war eine unbeschreibliche. DaS Kind , ein Knabe, ward in den Bund Israels ausgenommen. Lemberg. In Lemberg wurde eine Taubstummenanstalt für isr. Kinder eröffnet. Beträchtliche Summen wurden für diesen edlen Zweck gezeichnet. Pesth. Der Uebertritt von der katholischen Religion zur jüdischen wird immer häufiger, ebenso wie die Verheirathung solcher Konvertirten in Bethausern zu Pesth. Vor Kurzem erst hatten wir einen solchen Fall zu verzeichnen und neuerdings ist ein ähnlicher mit Variation zu registriren. Ein Herr Müller, als Jude geboren, ließ stch später taufen und , bekannte sich seit den letzten fünfundzwanzig Jahren j zum katholischen Glauben. Vor einigen Wochen trat; er nun wieder zum Judenthum über und wird am nächstkommenden Sonntag mit einem Judenmädchen sich trauen lassen. Die Trauung wird diesmal in Neupesth stattstnden. Holland.! Amsterdam. Herr H. Wolff wurde zum stellvertretenden Secretär im Ministerium des Innern ernannt. (Weekbl.) Frankreich. \ Paris. Ein schrecklicher Brand, welcher in! der Nacht auf den 9. August in der Straße Saint- Antoine aus gebrochen ist, hat einer ganzen israelitischen Familie, bestehend aus fünf Mitgliedern, das Leben gekostet. Die armen Leuten wurde während des Schlafes von den Flammen überrascht. N u ß l a n d u n d P o l e n. j Moskau. Herr S. Palikaw von hier, von j dem wir erst jüngst berichtet, daß er auf eigne Kosten eine Synagoge dahier erbauen läßt, hat vor seiner Abreise nach dem Bade eine Summe von 3000 j Rubel zurückgelassen, die während seiner Abwesenheit \ unter die Armen vertheilt werden sollen. Da die Klaj gen seiner armen Glaubensgenossen ihm nicht im Bade j zu Ohren kommen könnten, so sorgte dieser edle Mann! nun zum Voraus für die theilweise Linderung ihres ß Elends. (Libanon.) j Warschau. Der „N. fr. Pr." wird berich- "< tet: Der Gouverneur, Regrerungsbeamte in Grodno, Liltbauen, strafte einige jüdische Hauseigenthümer wegen Unreinlichkeiten, aber das allern genügte nicht dem; Gouverneur, sondern alle Hauseigenthümer jüdischen . Glaubens, ob schuldige oder unschuldige, mußten je £ 10 Rubel Strafe bezahlen, so daß 1500 Rubel entfielen. Tie Juden wendeten sich an den Statthal-; ter Kaufmann, und eine jüdische Deputation von 6 Bürgern begab sich nach Wilna, um das Gesuch dem 1tStaitfyalter $u überreichen. Dieser theilte die Beschwerden dem Gouverneur von Grodno mit, welcher die Depum tatton zu 25 und alle anderen jüdischen Hauseigenthümer zu 10 Silberrubel Strafe dafür zahlen ließ. Nach der \ doppelten Strafe begaben sich die Juden zum Minister des Innern. Dieser schickte das Bittgesuch an den Statthalter Kaufmann und der wieder an den s Gouverneur von Grodno, welcher die Deputation zum - zweiten Mal zu 25 und die Eigenthümer zum drit-