Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1868)
- Date
- 1868-08-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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652 und der alte Jude schickt sich an, seine göttliche Braut würdig zu empfangen. Was thut nun der neue Jude, ona »m m«n nnw ne^ mson nbtt. Dieses sind die Gebote, die der Mensch ausübe und durch sie lebe. Lehre und Leben dürfen nicht in Widerspruch sein, die Lehre muß sich dem Leben accomodiren, überall jene diesem weichen, folglich können wir nicht bei den großen Ansprüchen, die das jetzige Leben an uns macht, den 7. Theil unserer Geschäftsthätigkeit der göttlichen Lehre opfern; wir wissen uns im Zusammenhang mit Gott, bethätigen uns als Bekenner seiner Lehre, wenn wir auch den rar den 6 Wochentagen gleichstellen, daS Leben ist höher als die Lehre. '5'Q' riD^n DOtyn1 innstf« o*t. Siehst du jenen alten Juden, kaum hat er sein frugales Mahl verzehrt, schickt er sich an dem göttlichen Spender alles Guten für die genossenen Speisen zu danken, zuvor aber mit wehmüthiger Erinnerung an das verlorene religiös nationale Judenthum „daS vorgeschriebene Absagen" 5D3 nnru by mit echter Inbrunst recittrenb; ist hingegen von Freuden sein Herz erfüllt, fühlt er sc h von Wonne durchdrungen, sei es durch die religiöse Feier der Sabbate und Feiertage, oder durch glückliche Familienereignisse, dann gedenkt er wonniglick der Zukunft Jerusalem's; des Centrums des jüdischen Glanzes und dessen erhabener Würde und freudig erschallen die lieblichen Töne des nftyon w, so der alte Jude. Und der neue Jude, der auch Bekenner des Judenthums sich nennt? Mit sehnsuchtsvollem Gefühle nach einem Lande, das wir nicht kennen, unser Leben zu verkümmern und dadurch den uns vom Schöpfer alles Guten dargereichten Freuden zu entziehen, die schönste Jahreszeit mit Trauer und Fasten um ein verlorenes Gut hinbringen, wäre das nicht eine Undankbarkeit gegen Gott, der uns doch nicht zur Trauer geschaffen hat? Die Freuden des Leben genießen ist eine gebieterische Forderung des Daseins, nur Unzufriedenheit mit dem Schicksale ist es, wenn wir in Trauer und gedrückt einherwandeln. Die uns auferlegte Bestimmung mit Ergebenheit hinnehmen, und freudig sich seinem Gotte hinwenden, ist echter Gottesdienst. Darum lasse man fahren jede Trauer, unsere Aufgabe ist das Leben zu genießen. Die Emancipation, wie die schriftliche ausgesprochene Gleichheit sind die Messias des Judenthums und die Residenzen der Fürsten, die neue Jerusalem, wohin der Jude zu wallen hat. Wer ist nun der wahre Jude, der alte oder der neue? Sollen wir etwa das Bild noch weiter fortführen und zeigen, wie der alte Jude das '.°i ’iyio feiert und der neue Jude dieselben geringschätzt, und statt eines n""» als Abschluß seiner Rechnungen mit Gott, das bürgerliche Neujahr, als Abschluß seiner Rechnung mit seinen Creditoren feiert. Wir wissen wohl, wer der wahre Bekenner des Judenthums und der Träger der göttlichen Lehre ist. Doch Herr Ph. ist anderer Ansicht, für ihn haben die neuen Juden mit ihrer unreligiösen Lebensweise die wahre religiöse Anschauung und dieser entsprechend soll der Gottesdienst fein. Was aus solchen gefälschten Prämissen folgen kann, das ist unö zur Genüge bebekannt. Nicht Polemik war der Zweck unserer Entgegnung, daher wir uns auch nicht um die Gestaltung des neuen Gottesdienstes weiter umzusehen haben. Unsere Aufgabe war nur, jenen Jüngeren, die noch immer auf die Worte ihres Meisters schwören, zu zeigen, mit welchen trügerischen Waffen derselbe kämpft Die neue Rabbinerversammlung wird gleich ihrer Vorgängerin das Zeitliche segnen. Man wird Zusammenkommen, sprechen, toasten, und befriedigt heimkehren und das Endresultat Dnna« »jni non. Altona, njctr rwn ~not>. E. Munk. HeitungSnachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M, im August. Ein „Aufruf zu einer iLynagogen-Feier und Errichtung eines Ehrengedäcktnisses für I s r a e l I a c o b s o n zu dessen ersten Säcularfeier am 17. October 1868" wird von S. L. Liepmannssohn zu Horn bei Erwitte verbreitet. Am 17. October 1868 sind es 100 Jahre, daß Israel Jacobson zu Halberstadt geboren wurde, und daß diesem Israel Jacobson, dem Gründer des Jacobstempel zu Seesen, des ersten Tempels, der eine Orgel in seinen Mauern barg, ein Ehrengedächtniß in Israel errichtet werde, bestehend in der Gründung eines Fonds für „eine Unterstützungscasse für kranke oder altersschwache Lehrer oder unversorgte Lehrerwittwen und Waisen, die auch womöglich Zuschüsse zur Aufnahme eines Religionslchrerö leistet", schlägt Herr Liepmannssohn seinen Glaubensgenossen vor. Es ist kein beneidenswerthes Geschäft, einen Mann, den man als Menschen alle Ursache zu schätzen hat dessen Character makellos gewesen, der nur den Fehler gehabt, jüdischer Eonsistorialpräsident gewesen zu sein, nach seinem Tode noch einer Kritik zu unterziehen, die man, ohne von den Umständen herausgefprdert zu sein, lieber unterlassen hätte. Andererseits ist es auch nicht angenehm, einem an sich verdienstlichen und löblichen Vorhaben entgegentreten zu müssen, ja sogar warnen zu müssen vor einem Unternehmen, das unter normalen Verhältnissen von allen Seiten gefördert zu werden verdiente. Doch wo Principien in Frage kommen, wo das nach den Zeitanschauungen allgemein „menschlich" Gute mit dem jüdischen Principe im Conflict liegt, wo das Princip gefährdet wer-