Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1868)
- Date
- 1868-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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651 Aim, ohne Weiteres aufhebkn, verbotene Speisen und Getränke erlauben, die hochheiligen Ehegesetze «bändern wollen w. k. Weitere practischc Folgen als daß sie einigen inaskirten Herren die Larve vom Gesicht gerissen, wird diese Versammlung nicht haben. Der öffentliche Gottesdienst. in. Die religiöse Anschauung. Das erste Axiom zur Verehrung Gottes, das religiöse Bedürfniß, welches allein als das entscheidende und berechtigende Motiv in der Gottesverehrung, dem öffentlichen Gottesdienst gelten sollte, zeigte sich also, nach dem Wortlante des Verfassers selbst als eine Negation, mit der also nichts Positives producirt werden konnte, vielmehr erwies sich dies entscheidende Axiom als ein echter negativer Factor, der alles Positive in seiner Negation umgestaltet und daher in seinem Nichts nie zur Positivität gelangen konnte. Der Verfasser hat nun einen anderen Factor aufgesunden, die religiöse Anschauung nämlich solle ihm nicht nur große Hilfe leisten zur Produktivität, sondern ihn sogar zum edlen Märtyrer erheben, der für die neue gewordene Anschauung den Kampf gegen das Alte, Starre, Stabile nothwendig unternehmen muß. Glückliches Zeitalter, was das Judenthum seit Jahrtausenden seines Bestehens nicht zu erreichen vermochte, wurde ihm gegenwärtig zu Theil ES lcbten die Juden bisher nach dem Ex-Rabbi in dem Wahn: „ daß „man sich durch das vorgeschriebene Absagen der Ge- „bete rin Verdienst erwerbe, womit man selbst sittliche „Fehler verdcckt, daß die Beobachtung der Form das „erste und unumgänglich Erforderniß sei." In diesem Wahne lebten die Juden bis zur jetzigen Zeit. „Bon „diesem Gedanken ist das gegenwärtige Geschleckt „(nyi *n) abgekommen und an dessen Stelle hat sich „die Anschauung gesetzt, daß wir durch Gebet und „Gottesdienst im Zusammenhang mit Gott- -uns befestigen und stärken, ferner daß wir im Gebet und Gottesdienst unser Verhältniß als Leken- ,^r des Judenthums, als Träger der Gotteslehre „*m Neuen betätigen und kräftigen, unsre Ueber- »Zgungstreue stählen und den Inhalt wieder in uns »Nehmen." So weit der R. d. oll. Z. d. I. — Deichte,, wir uns diese schroffen Gegensätze, womit der erfasste die vergangene und jetzige Zeit characterisirtgenauer und zwar sine ira et Studio mit ruhi- 8/ln nte, trotzdem wir alle Ursache zur Empörung über fe lügenhafte, ein cm Eisenmenger würdige Behanplr^ haben. Betrcckten wir nnS jenen alten Juben, d sich durch's Absagen der vorgeschrrebenen Gebete ein Verdienst erwerben, und den neuen Juden, der nach den Worten des Verfassers durch Gebet und Gottesdienst im Zusammenhang mit Gott sich befestigen und stärken will. Ein starker Schneefall hat in der Nacht die Straßen ungangbar gemacht, noch weht ein starkes Schneegestöber, der Hauch wird zum Reif a» der Lippe, eö graut nun der Morgen, und siehe, jener alte Jude erhebt sich schnell vom Lager cn1?*« rarp -ot nwm dankt Gott für das Wiedererwachen, eilt schnell in das Gotteshaus, um dort seinem Gott für die Erneuerung des Tages zu danken, den Schöpfer alles Seins als Herrn und Leiter aller irdischer Lebensmomente anzuerkennen und zu preisen, Ihn als Gott Israels, der die Heiligkeit der Sitten durch seine göttliche Lehre als Basis seines Lebens zuertheilte, zu verehren und von Ihm Hilfe und Starke für das neue zu beginnende Tagewerk zu erflehen. So verbringt die erste Stunde des Tages ver alte Jude. Wo finden wir während der Zeit den neuen Juden mit seiner verbesserten religiösen Anschauung. DJ'-nwzh tno arnoan Seid sehr bedacht für euer Leben, lehrt uns die heilige Lehre. Als Träger der göttlichen Lehre wäre es also nur eine Verkennung der erhabenen, menschlichen Bestimmung wenn wir bei solchem stürmischen Wetter unser weiches Lager verlassen sollten, uns der rauhen Witterung auösetzen, in dem kalten uns durch - frieren lassen, und so eine Zerstörung unserer Gesundheit selbst herbeiführen. Nein! das verlangt der liebe Gott von uns nickt, Blödsinn nur hat eine solche Institution geschaffen. Im Zusammenhang mit Gott wissen wir unö und kräftigen unsere Gesinnung, wenn wir uns auf unserem Lager ausruhcn, und solange in unserem Bette verweilen, bis eine warme Temperatur das Zimmn durckzieht und der heiße Mocka mit der frischen Sahne uns erwartet, sobald wir die Ruhestätte verlaffen »nd zum neuen Tageswerke uns anschicken cmDEW Das Leben vor Allem. mnpb pDt&n dp ret "vo; lautet das 4. Gebot der rtn':~n mery. Mit rastloser Thätigkeit arbeitet jener alte Jude die ganze Woche hindurch, keine Mühe, keine Sorge drückt seinen Muth nieder, vertrauungsvoll erhebt er sein Auge zu Gott und ruft bei jeder neuen ihn entgegentretenden Lebensqual und Mühe „Gott wird helfen" und arbeitet so rüstig fort; in seiner Thätigkeit aber hat er einen Zielpunkt, der ihn in all seinem Thun und Lassen bestimmt, es ist der na». Jeder Gewinn erfreuet ihn, weil er dadurch vergnügt mit seiner Familie den rctp verleben kann. Jede noch so schwere Arbeit und drückende Sorge macht ihn nicht mnthlos, der rov stärkt und hebt seinen Muth. Kommt endlick) der 6. Tag heran, eilends werden die täglichen Beschäftigungen so weit als möglich beendet, der noch so reichliche Gewinn, welcher ihm winkt, wird mit Geringschätzung zurückgewiesen, denn .der Sabbat naht,