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Der Israelit · 1868-08-19 · Heft 34 (19.8.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 34 (19.8.1868)
Date
1868-08-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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642 gäbe, das Thorastudium, allzusehr zu beeinträchtigen. Die am 3. 4. und 5. August vom Herrn Distrietsrabbiner S. B. Bamberger und von einer königlichen Prüfungscommission abgehaltene JahreSprüsung lieferte, wie immer, auch dieses Jahr den glänzendsten Beweis für die enormen Leistungen der Anstalt. Seit dem Anfänge dieses Schuljahres, also in einer Zeit von kaum zehn Monaten, haben die Schüler außer dem von der Regulative Vorgeschriebenen in deutscher Sprache, Aufsatz, Arithmetik, Geographie, Geschichte, Naturkunde u. s. w. von jüdischen Fächern noch gelernt : Den ganzen Pentateuch, zum großen Theil mit dem Commentar Raschids, alle historischen Bücher der Propheten uud Hagiographen, Mischna Seder-Sera'im vollständig mit Barünora'S Commentar, achtzig Folien aus den Talmudtractaten Pesachim und Bezah, die rituellen Vorschriften über Gebete, Segenssprüche, Zizith, Tephillin, Sabbat und a. m. nach „Chaje Adam," hebräische Grammatik und hebräischen Stil. Hierbei darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Schule ihre Wirksamkeit nicht bloß darauf beschränkt, eine gute Jahresprüfung zu erzielen, sondern vielmehr ihre eifrigsten Bemühungen und Bestrebungen darin setzt, durch eine echt jüdische Erziehung, sowie durch gründlichen wissenschaftlichen Unterricht Geist und Herz zu bilden und zu veredeln, Liebe und Begeisterung für das Judenthum zu erwecken und einzuflößen, auf daß die Schüler einst, wenn sie ins practische und berufliche Leben eintreten, auch dort alle Prüfungen glänzend bestehen und im Stande seien, allen Stürmen, die auf ihre Religiösität eindringenj, siegreich Trotz zu bieten; daß sie den frommen jüdischen Geist, worauf die Anstalt basirt, das geheiligte jüdische Leben und die ehrwürdige jüdische Sitte aus den engen Räumen der Schule auf den Markt des öffentlichen Lebens hinaustragen und überall verpflanzen und verbreiten. Die Seele aller dieser Bestrebungen aber ist der trotz des vorgerückten Alters im Dienste Gottes noch jugendlich rüstige Gründer und Vorstand der Anstalt, Herr Rabbiner L. Ottensoser, der mit seltener Umsicht und Energie den Fleiß, die Sittlichkeit und Religiösität der Zöglinge bewacht und keine Gelegenheit unbenutzt läßt, den Schülern erhabene Lehrm, moralische Sentenzen und wahrhafte Gottesfurcht einzuprägen und einzuimpfen. — Alle Achtung vor einem solchen Manne, der in einem unscheinbaren Wirkungskreise dennoch so Vieles und Großes für das Judenthum leistet! Cassel, den 11. August. Ihre Leser werden bereits wissen, daß Herr Or. P h i l i p p s o n aus Bonn eine Rabbinerversammlung hierher berufen hat, welche den Zweck haben soll, den öffenüichen Gottesdienst zu reformiren. Vor länger als zwanzig Jahren haben solche Rabbinerversammlungen in Braunschweig, Breslau und Frankfurt a. M. getagt und glänzend Fiasco gemacht; auch vor drei Jahren wurde ein solch* todtgeborenes Kind in Frankfurt a. M. unter dem ärztlichen Beistände des Herrn Raphael Kirchheim zur Welt gebracht — und dieses Jahr hat Cassel das Glück, die B’oinD*) tagen zu sehen. Die Versammlung wurde heute von Herrn Landrabbiner Dr. Adler eröffnet; der Redner scheute sich nicht, ßen Namen Gottes und dessen Segen anzurufen für „diese" Versammlung; es ist das alte Lied, das schon Korach sang und auf das bezugnehmend Moscheh später sagte: '"J DJ Qn”n onDD, Widerspenstig empört ihr euch gegen Gott, Seinen Namen dabei im Munde führend, vorgebend, daß ihr für Gott wirken wollet. Nach Herrn Adler nahm Philippson das Wort: „Die Wahrheit breche sich — Bahn; das Schiff, auf dem er und seine Genossen fahren, würde im nächsten Sturm zu Grunde gehen; deßhalb Verbesserung am öffentlichen Gottesdienst, d. h. Einführung des Philippson'schen Gebetbuches, damit es aufhöre, Maculatur zu sein. Viele Rabbiner wären gern noch gekommen — allein sie fürchteten sich, sich offen zu Ph.'s winan zu bekennen." Von den 20 anwesenden Personen wurden nun drei Präsidenten erwählt, nämlich Adler, Philippson und Aub aus Berlin; die übrigen 17 waren darob verstimmt, ein Jeder darüber, daß nicht er Präsident geworden. Der einzige Anwesende von einiger Bedeutung, Dr. Geiger aus Frankfurt a. M., stellte nun den Antrag, die Versammlung nur als eine Vorversammlung zu betrachten; dagegen nächstens eine andere zu berufen, in welcher die Möglichkeit vorhanden, daß er selbst zum Präsidenten erwählt würde. Da nun die anderen 16 ebenso dachten, so wurde der Antrag acceptirt. Wie verlautet, wird die Versammlung sich nicht auf die Reform des Gottesdienstes beschränken, wiewohl dieser ganz radical beschnitten werden soll; so will vr. Rothschild aus Alzey den Antrag auf Einführung eines siebenjährigen Cyclus beim Thoravorlesen stellen. Vr. Joel aus Breslau wird für das Einsegnen der männlichen Kinder durch den Rabbiner als Ersatz für die Beschneidung sprechen. Oip' rrdt mi nan nsim nay «ny, Sie werden rathen, und es wird zerstört werden, sie werden reden, und es wird keinen Bestand haben, denn mit uns ist Gott! — Aus Weftphalen. Die „Zeitung des Judenthums" und andere jüd. Blätter brachten kürzlich einen Bericht über die am 20. und 21. Mai c. zu Dortmund in Weftphalen abgehaltenen Conferenz deS Vereins israel. Lehrer für Rheinland und Weftphalen vom Vorsitzenden derselben, dem Lehrer Blumenau in Bielefeld. Wir erfahren aus diesem Conferenzberichte zu- *) Einreiher und Zerstörer.

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