Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1868)
- Date
- 1868-08-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Rr. 34 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 14. August. Heute hatten wir die Freude, Herrn Moses Hymann aus Cincinnati und dessen würdige Gattin bei uns zu sehen. Der erstere kehrt von seiner Pilgerreise nach dem heiligen Lande in die Heimath zurück. Unsere Leser w?rden sich erinnern, daß dieses würdige Ehepaar in Amerika umherreiste und milde Gaben für die Armen des heiligen Landes im Betrage von 15,000 FrS. sammelte. Herr Moses Hymann hat nun in Begleitung seines Sohnes diele Spenden selbst nach dem heiligen Lande gebracht und sie dort persönlich vertheilt, damit der Würdige und wahrhaft Bedürftige nicht verkürzt werde. — Jetzt hat er die so lange in Europa verweilende Gattin wieder abgeholt, um mit ihr gemeinsam die Rückreise anzutreten. Möge der Gott Israels sie geleiten und sie glücklich und gesund der Heimath wieder zuführen. Aus Unterfranken. Nichts ist geeigneter, alle Waffen der destructiven Richtung innerhalb des Judenthums abzustumpfen und ihren Verlockungen und ihren Verführungen Thür und Thor zu versperren, als die Verbreitung der Kenntniß der Urquellen des Judenthums. Denn, wer fähig ist, aus jenen reinen Quellen zu schöpfen und das Judenthum nicht nach dem Zerrbilde beurtheilt, welches so manche Producte der neuern jüdischen (?) Literatur von demselben geben, wird bei nur einigermaßen gesundem Verstände bald zu der Einsicht gelangen, daß ein modernes Judenthum in dem Sinne, wie es die Apostel der Zerstörung predigen, ebensowenig denkbar ist, wie ein viereckiger Kreis oder ein spitzwinkliges Rechteck, da die Herren Reformatoren, allen Principien sowohl, als auch der Geschichte des Judenthums Hohn sprechend, nur durch Jnconsequenz den gänzlichen Bruch mit letzterem vermeiden können. Mit wahrhafter Freude wird daher jeder aufrichtige Bekenner des wahren Judenthums die Fortschritte wahrnehmen, die das Thoraftudium in neuester Zeit in Deutschland gemacht hat, und das Bestehen einer Schule, in welcher der Unterricht in der alten jüdischen Literatur den ersten Rang einnimmt und deren Pforten jedem Wissensdurstigen stets geöffnet sind, wo er eintreten, sich mit Kenntnissen bereichern und soweit ausbilden kann, bis er die Fähigkeit erlangt hat, selbstständig aus den Segen sprudelnden Quellen der Gotteslehre zu schöpfen, ist ein wichtiges Factum, welches das orthodoxe Judenthum zu jeder Zeit mit Interesse beobachten wird und dessen Eiuzelnheiten ihm nicht gleichgiltkg sein können. Ich will daher heute Ihren geschätzten Lesern die israel. Talmud- und Präparandenschule zu Höchberg vor Augen führen, wo sie recht viel Erfreuliches wahrnehmen werden. Mehr als zwei Decennien besieht schon diese Anstalt, deren Tendenz und ganze Einrichtung den Stempel des Heiligen an sich tragen und auf Jeden den wohlthuendsten Eindruck machen. Gleich einem schattenreichen, mit köstlichen Früchten beladenem Baume, unter dessen grünes Dach der müde, schmachtende Wanderer tritt, Kühle und Erholung, Labung und Erfrischung suchend und findend, und dann erquickt und neugestärkt seine Reise wieder sortsetzt — so ist diese Anstalt ein gesegneter Punkt, der den nach dem Gottesworte lechzenden Jüngling anzieht, ihm eine Fülle geistiger Nahrung reicht, durch Mittheilung der göttlichen Wahrheit in Lehre und Erziehung sein Gemüth erhebt, seinen Verstand bildet, sein Herz veredelt, ihn stärkt und zum Gange durch das Leben mit Kraft ausrüftet, jeglicher Verlockung und Verführung zu widerstehen. Obgleich die Schule zumeist von Solchen besucht wird, die sich dem Lehrfache widmen, so ist doch auch die Zahl der Jünglinge jedes andern Berufes nicht geringe, die daselbst nicht nur die vollständige Kenntniß der hebräischen Sprache sich angeeignet haben, sondern auch die Reife und die Fähigkeit erlangten, sich in das Meer des Talmuds zu wagen und die herrlichsten Perlen aus demselben hervorzuholen. Bei dieser Gemeinnützigkeit ist es denn kein Wunder, daß die Anstalt durch allgemeine Theilnahme immer mehr erstarkt und ihre Blüthe in steter Zunahme begriffen ist. Gegenwärtig wird sie von zwanz i g Zöglingen aus Bayern und andern deutschen Ländern frequentirt und außer dem Vorstande, Herrn Ortsrabbiner LazaruS Ottensoser, wirken noch zwei Lehrer an derselben. Reben dem Hebräischen erhalten die Schüler auch einen gründlichen, den Anforderungen der Jetztzeit entsprechenden Unterricht in den außerjüdischen Fächern, und obwohl die jüd. Lehrgegenstände den größer« Theil der Tageszeit in Anspruch nehmen, so sind dennoch die Leistungen der Anstalt, was die deutschen Gegenstände betrifft, denen anderer Präparandcnschulen keineswegs nachstehend, was nur dadurch zu erklären ist, daß der Geist des Fleißes und der Ordnung, der in der Schule waltet, auf die Schüler den wohlthätigsten Einfluß ausübt, sie beseelt und anspornt, mit verdoppeltem Nfer an ihre Arbeit zu gehen und so den vom Staate und von der Gesellschaft an sie gestellten Anforderungen Genüge zu leisten, ohne ihre Hauptauf-