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Der Israelit · 1868-08-19 · Heft 34 (19.8.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 34 (19.8.1868)
Date
1868-08-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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€35 Jüdin, als jüdische Gattin und jüdische Mutter kenne, und ob sie Willenskraft, Ausdauer und Religionsliebe genug besitze, um so manchem Gifte der Bücherwelt ein Gegengift bieten zu können — darum kümmert sich fast Niemand, danach fragt fast Keiner, denn das wäre eine Frage, die dem modernen Jahrhundert nicht entspräche. Man sieht jetzt lieber, wenn die jüdische Jungfrau die Geschichte der christl Kirche genau kennt, als wenn sie in der jüd. Geschichte zu Hause ist. Und doch ist es gerade diese, in welcher die Jüdin, wenn nicht mehr, doch wenigstens ebensoviel als in der Bibel zu Hause sein muß, will sie anders dem nachkommenden Geschlechts diejenige Liebe und Anhänglichkeit zur Religion einprägen, die Stich hält in bösen und ganz besonders in guten Tagen. Denn unsere Geschichte hört nickt, wie die der andern Völker, mit dem Untergänge des Staates aus, sondern beginnt vielmehr erst mit diesem, seinen inneren Gehalt zu entwickeln, seine Geistes- und Herzensvorzüge hervortreten zu lasten. Wo gibt's nur ein Volk, das nach dem Untergange seines Staatenlebens und seiner Sprache als lebendiger Umgangssprache, noch einen solchen Schatz tiefen Wissens und gründlichen Forschens in das Gewand einer bereits todten Sprache kleidete wie Israel? Welches Volk hält einen Vergleich aus an frommer Hingebung in den Tagen grausamer Verfolgungen? Um aber alles dies genau kennen zu lernen, muß man Israels nachbiblische Geschichte kennen, ja zu studiren suchen. Und wie es ohne Geschichtskenntniß keine wahre Bildung gibt, so gibt es ohneKenntniß der Geschichte seines Volkes keine Religionsbildung, Religionsliebe und Religionswärme und Religionsanhänglichkeit. Denn die Geschichte unserer nachbiblischen Vergangenheit beweist eben, daß w>r Stand gehalten haben in den schrecklich - finstern Verfolgungsnächten ganzer Jahrhunderte, und ist es nun unsere Aufgabe, zu beweisen, daß wir es auch verstehen, Stich zu halten in den immer Heller und Heller werdenden Tagen der allgemeinen Humanität und der Emancipation unseres Stammes, damit es uns nicht ergehe, wie dem Säugling einer Schwarzen, der, wie alle Kinder, weiß zur Welt kommt und erst durch die Lichteindrücke der Sonne dunkel und zuletzt schwarz wird. Ach, wie Manchem wird durch eine mißverstandene Aufklärung der beseligende Glaube getrübt und zuletzt ganz entrissen, ohne daß ihm Besseres, Heilsameres dafür geboten wird! Denn die Wissenschaft mit ihrem Lichte ist oft nur die Wolkensäule auf unserer Reise durch die Wüste dieses Lebens bei Tage, d. h. in den Punkten der Philosophie, die Jedem klar sind; kommen aber diejenigen Gegenstände derselben, die von jeher die Streitpunkte der größten Philosophen ausmachten, da muß die Feuersäule des Glaubens uns leiten und gar oft von den mißverstandenen Lehren der Bildung und Aufklärung und deren Schlacken uns läutern. Früher kostete man reichlich von dem Manna, wovon es heißt: D-u*n rrrv 'S nsid Vd by 'S und nahm an Geisteswie an Herzens- und Willenskraft zu in dem Maße, in welchem man davon genoß 'S ns ribis; jetzt hingegen, wo man von Allem, was nur Kunst und Wissenschaft heißt, nascht und in der Regel nichts davon gründlich in sich aufnimmt, die Religionswissenschaften hingegen kaum versucht, und sich dennoch ein maßgebenderes Urtheil darüber zutraut, als unsere mit denselben ausgewachsenen und dabei alt gewordenen Vorfahren: — jetzt ist es an der Zeit, daß der Religionsunterricht ein durchaus anderer werde und sich nicht mehr auf die paar Stunden wöchentlich beschränke, die ja großentheils dem schon durch Unterricht in andern Fächern abgespannten Kindesgeiste mechanisch ertheilt werden. Wenn schon das Haus mit der Schule Hand in Hand gehen soll und muß, so findet diese Regel bei dem Religionsunterrichte noch mebr ihre Anwendung. Aber dann ist es nothwendig, daß die jüd. Mutter, wenn sie dem Religionslehrer vor dem Schulpflichtigkeitsalter vor- und während desselben getreulich Mitarbeiten will, selbst mehr vom Judenthum und seiner beiligen Sprache erfahre, als bisher. Dann genügt ein bloßes hebr. Lesen, ein wenig bibl Geschichte nach Bndinger oder einem andern Lehrbuche, verbunden mit ein wenig Katechismus der israel. Glaubens- und Pflichtenleüre nicht mehr, welcher ganze Kram schon von der Jungfrau wieder vergessen wird, so daß die Frauen kaum mehr hebräisch lesen können. Dann muß das israel. Mädchen, gleich dem Knaben, tpoin und zwar mir Auswahl lernen; dann muß es von der Grammatik durch Lösung practischer Uebungsaufgaben, wie sie etwa Ahn's franz. Uebungsbuch für die franz. Sprache gibt, jedoch mit dem Unterschiede, daß in dem betreffenden Uebungsbuche nur bibl. Wörter und zwar die nicht zu häufig vorkommenden — denn diese prägen sich schon durch den östern Gebrauch ein — verwendet und durch Uebung eingeprägt werden, so viel und so gründlich lernen, daß in ihm der Trieb und der Wissensdurst nach Bibel- und Relizionskenntniß rege gemacht wird und stets rege bleibt und es sich immer tiefer hineinlebe in das hebr. Element und die jüd. Auffassungsweise der geoffenbarten Lehre. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpuu- -enzeu. Deutschland. □ München, 6. Aug. Professor Brentano, der, wie bereits mitgetheilt (s. Israelit Nr. 27) vom hiesigen Magistrate zum Director der hiesigen Handelsschule mit einem Gehalte von 2700 fl. berufen worden ist, hat nun auch von der kgl. bayr. Staatsregie-

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