Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1868)
- Date
- 1868-08-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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628 dieses Mal in ihren ernsten Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen in jeder Beziehung befriedigt werden. Vor allem wäre zu wünschen, daß es dem Director, dem sich in M. ein weites Feld der Thätigkeit eröffnet, vergönnt sein möge, durch Heranbildung tüchtiger, wahrhaft frommer, für dasJudenthum und seine geheiligten Institutionen begeisterten und mit einem Schatz von Kenntnissen rjffnpn umiro ausgerüsteter Lehrer, die Anstalt, für deren Existenz wir als früherer Zögling derselben, jeder Zeit mit aller Kraft und Entschiedenheit eingetreten sind, wieder zu ihrem früheren Glanze und Ansehen zu bringen und das bei sehr vielen Gemeinden gesunkene Vertrauen zu derselben und zu den in den letzteren Jahren aus ihr hervorgegangenen Lehrern wieder zu heben und zu kräftigen. Denn es ist, leider! eine nur zu bekannte, sogar sprichwörtlich gewordene Thatsache, daß an dem religiösen Verfalle in Westphalen die M.si'chen Lehrer einen nicht kleinen Theil der Schuld tragen. Wie können auch Männer, die, wir kennen leider mehrere solcher, nicht im Stande sind, ohne Hilfe einer Uebersetzung die mm zu übersetzen; Männer, denen unpunktirte Texte terra ineo^nita und Judenthum und seine Institutionen böhmische Dörfer sind, als Lehrer fungiren? Wie können Männer, die, — auch solche sind uns, leider, mehrere bekannt, am p"ty Karten spielen, kegeln, heimlich und auch öffentlich schreiben und rauchen, Lichter anzünden und Feuer anmachen und am im rvjyn heimlich und öffentlich Speisen und Getränke genießen, als Leiter, Lehrer, Erzieher und Bildner der Jugend und auch der Erwachsenen angestellt werden? — Auf solche Führer ist das Wort des Propheten anwendbar: ins' Iod “pnnnn: -poina. Man macht uns zwar von verschiedener, besonders neologer Seite die bittersten Vorwürfe darüber, daß wir uns unterfangen, derartige Uebel- und Mißstände aufzudecken, die Lehrer anzugreifen und Westphalen in religiöser Beziehung in Verruf zu bringen. Wir haben auf diese und ähnliche Jnvectiven, auf die wir von vorn herein gefaßt waren, nur die eine Antwort: Uebel- und Mißstände müssen ausgedeckt und dargelegt und zur Kenntniß derjenigen gebracht werden, die die Macht, ihnen aufzuhelfen, in Händen haben. Geschieht dieses dennoch nicht, dann — haben wir unsere Pflicht gethan. — Gebe Gott, daß es sich bessere! O. M. R. L. Österreichischer Kaiserstaat. Marienbad, im Ab £628. Ein geistreicher wie durch seine sociale Stellung ausgezeichneter Galizier frug mich jüngst auf der Promenade: „Warum hat der liebe Gott es wohl so eingerichtet, daß nur einzelne Gegenden mit Heilquellen versehen sind und andere dies herrliche Gut entbehren müssen?" Nun, sagte ich, da Sie die -r'wp nur wegen des pvvn fragen, was haben Sie für eine Antwort? Sehen Sie, sagte er, hier finden sich nun Leute aus allen Weltgegenden und von allen Richtungen zusammen, und die Muße, welche ihnen das Badeleben gewährt, gibt ihnen umsomehr Gelegenheit zum Ideenaustausch. Man kehrt nicht blos gekräftigt an Körper, sondern auch bereichert an Erfahrungen und Anschauungen zurück, lernt das Gute auch an denjenigen achten, die uns sonst ferne stehen, und andererseits die besseren Einrichtungen der Heimath um so höher schätzen. In der That sind unter den hiesigen Badegästen auch die D’T/T stark vertreten, und auch an Rabbinen, die durch ihre sitzende Lebensweise wohl besonders auf die hiesigen Quellen angewiesen werden, fehlt es nicht. Besonderes Interesse erregt der Rabbiner Natonek aus Ungarn. Dieser Mann hatte, getrieben von einem in jetziger Zeit seltenen Eifer für unsere nationale Wiederherstellung, Amt und Stellung verlassen, um für die Colvnisation Palästinas aw thätig zu sein. Er hatte in dieser Angelegenheit viele Reisen gemacht und ward auch von der „Alliance Israel." in Paris unterstützt, erkrankte aber vorigen Sommer in Constantinopel am gelben Fieber, wurde zwar hergestellt, verlor aber, in Folge zurückgebliebener Schwäche, die Sprache, und ist jetzt nun hier, um durch Gebrauch der hiesigen Quellen Stärkung zu finden. Die Sprache hat sich wieder etwas gefunden, doch ist der Mann bedauernSwerth. Kömmt er auf Israels Hoffnungen und Zukunft zu sprechen, so ersetzt der glühende Eifer, welcher ihn beseelt, die fehlende Kraft und die Worte fließen mit wahrer Begeisterung aus seinem Munde, bis Erschöpfung ihn wieder verstummen läßt. Möchten edle, wohldenkende Israeliten sich des so hart Geprüften annehmen! Vor einigen Wochen starb hier ein zur Kur anwesender Berliner Jude. Da hier kein Begräbnißplatz für Israeliten ist, so sollte die Leiche nach Berlin überführt und zu dem Zwecke nach dem nächsten Bahnhofe gefahren werden. Der dazu bereit gestellte Wagen — ein wahres Lumpensammlergespann — erregte die Indignation aller zur rv6 Anwesenden, und wenn nun auch auf den Einspruch derselben ein passenderes Fuhrwerk herbeigeschafft ward, so war doch damit ein Zeugniß gegeben für etwaige ähnliche Fälle V'i, eine würdigere Bestattung zu ermöglichen. Eine Sammlung unter den jüdischen Badegästen brachte etwa 300 fl. ein, wofür ein Leichenwagen angeschafft werden sollte. Nachdem jedoch von einzelnen Seiten darauf hingewiesen worden, daß doch ein nnzipn n'2 das erste Erforderniß sei, richtete die hiesige in Prag domicilirte israel. Spitalverwaltung an den hiesigen Grundherrn, „das Geiftl. Stift zu Toepl," das Gesuch, einen Platz zum israel. Leichenacker anzuweisen. Von dem Stifte