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Der Israelit · 1868-08-12 · Heft 33 (12.8.1868) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 33 (12.8.1868)
Date
1868-08-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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629 ist nun der Bescheid ergangen, daß ein Begräbnißplatz für Israeliten nahe dem katholischen Kirchhofe angewiesen werden solle, wohingegen von jeder israel. Leiche eine bestimmte Abgabe an das Stift gezahlt werden solle. Dieser Modus erregt gerechtfertigtes Bedenken und wir können nicht umhin, den löbl. Vorstand zu Prag auf das Bedenkliche einer solchen Ueberweisung aufmerksam zu machen. Nicht allein, daß jeden Augenblick diese zurückgenommen werden kann, scheint es uns auch dem jüdischen Geiste zuwider, von jedem Begräbniß eine Abgabe an das Stift zu geben. Es dürfte sich doch ermöglichen lassen, einen Begräbnißplatz als unbedingtes Eigenthum zu erlangen, wenn auch gegen eine feststehende Summe. Von den hier wohnenden Juden geschieht indessen fast gar Nichts für jüdische Institute; sie benutzen das Betzimmer des Spitals und den dort angestellten Schochet, haben aber nicht einmal eine jüdische Schule für die Kinder. In dem nahen Königswart ist das nnnpn rp2 und vielleicht auch, wenn sie gebraucht wird, die mpo; die Geschäfte sind bis auf wenige Ausnahmen am nDw geöffnet, doch scheinen die hier zahlreich vertretenen jüdischen Aerzte noch nicht ganz dem jüdischen Leben entfremdet; Herr vr. Lucca gehört sogar mit zn dem Vorstande des Spitals und reicht den darin anfgenommenen Kranken seine ärztliche Hilfe ohne jedweden Entgelt. Auf das Betzimmer des Spitals zurückkommend, so herrscht darin eine eigenthümliche Synagogen-Ordnung. Es werden nämlich statt Q\vnp njntp deren 12 und wohl auch 13 aufgerufen. Um so härter ist man dem 2x2 'd auf den Leib gerückt; 3 nirp und 2 Zions ist der ganze Rest, den man ihm gelassen. In der That, die Badegäste, welche hier 2x2 '0 halten, haben auch noch eine Stunde Zeit, den Schmerz um die verlorene Herrlichkeit, welchen die so trübe Gegenwart um so herber macht, in den wehmüthigen und tranerreichen Elegien, die unsere Vorfahren im tiefsten Leiden so poetisch gedichtet, auszusprechen. So blieb denn auch noch nach beendetem rmliw-Gebete ein Minjan von fremden Besuchern zurück, um die wichtigsten und schönsten nu'p, sowie alle p'ü nachträglich zu recitiren. Am pin rot? hielt Hr. vr. Landsberg aus Berlin einen Vortrag. Anknüpfend an die Stelle der oyo2 nn» Tnn nM mosn: '^di um DiiD2 schilderte er die traurigen Zustände der Gegenwart in religiöser Beziehung, wie es mit den 3 Säulen stehe, auf welchen die sittliche Welt beruhe, und forderte mit warmen, zu Herzen sprechenden Worten auf: zu retten, was noch zu retten ist. Der Redner erwähnte dabei, wie in seiner Gemeinde Berlin von 3000 jüdischen Kindern nur 1000 jüdischen Religionsunterricht erhallen und diesen zum Theil in dürftigster Weise. Mancher Knabe sieht Lei seiner rosa 12 zum ersten Male die min iöd und dann nie wieder; so manche Jungfrau betritt bei ihrer Coufirmation (?) zum ersten, aber auch zum letzten Male den Tempel. Das Herz blutet jedem wahren Israeliten, wenn er dergl. hört, aber ist denn gar Nichts dagegen zu thun? Sollten in der großen Gemeinde Berlin sich nicht 50—40 oder 30 Männer finden, die Sinn, Herz und Begeisterung für ihre Religion haben und die einen Kern bilden, um die sich allmählich die Bessergesinnten schaaren? Es bedarf ja keines Zwiespalts, keiner Trennung, nur daß zusammentreten die dhi.t, welche es sind: dund t>22i o&ysj ^221 ,D22^> ^22 und nun dahin streben, daß ihnen ein Gotteshaus geboten werde, in welchem neben Ordnung und Regelmäßigkeit und Feierlichkeit auch die Principien des Iudenthums gewahrt bleiben: in welchem das Wort Gottes verkündet und gelehrt werde, nicht mit heuchlerischer Zunge, einmal für Altgläubige und dann wieder für Neologen. Besonders aber haben sie zu sorgen, daß ihre Kinder unterrichtet werden im Geiste des Iudenthums, daß sie neben den profanen Wisienschaften auch den ewigen Quell unserer heiligen Schriften kennen und daraus schöpfen lernen. Gebt ihnen Lehrer, die ihnen die Heroen nnserer Geschichte zeigen, die ihr Herz mit Stolz erfüllen auf ihre Abkunft und ihre Seele mit dem Vorsatze, den Vätern nicht nachzustehen. Glaubt nicht, genug gethan zu haben, wenn ihr euer Minjan besucht; mir müssen für unser Erbe kämpfen; wir haben es von den Vorfahren empfangen und müssen eö unseren Kindern überliefern. Nicht dazu haben unsere Vorfahren das Schrecklichste erlitten, was Menschen erdulden können, damit wir in guten Tagen ihr Erbe preisgeben. Nicht von den Rabbinen verlangt Abhilfe, an jeden von uns ergeht die mahnende Stimme: „Helfet, solange es noch Zeit, helfet, bevor es zu spät!" no Amerika. Cleveland Am 4. Juli wurde dahier ein jüdisches Waisenhaus eingeweiht, das mehr denn 60,000 Dollar kosten soll. Afrika. Algier. Der hiesige Arzt vr. Miguöres erhielt den Ritterorden der Ehrenlegion als Anerkennung für geleistete Dienste während der Epidemie in den Jahren 1667 und 1868.

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