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Der Israelit · 1868-08-12 · Heft 33 (12.8.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 33 (12.8.1868)
Date
1868-08-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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der Synagogen-Ordnung zufolge die Aussicht und Leitung des Gottesdienstes steht, scheint den Grundsatz zu haben: n pjd3 Nbi;pjp:i ^non Gelegentlich bemerke ich noch, daß auch in unserer Talmud-Thora-Schule — die in diesen Blättern ebenfalls schon zum öftern lobend erwähnt wurde — die frostige Luft der Reform stark weht, ’"t£n wird ganz wenig gelehrt und bei dem hebr. Unterricht müssen die Kinder mit entblößtem Haupte sitzen. Cs ist wahrlich sehr traurig, wenn man sieht, wie dahier der Wurm der Zerstörung an dem alten, ehrwürdigen Religionsgebäude Alles nach und nach zernagt und es ist unbegreiflich, wie man seiner Zeit die Behauptung aufstellen konnte, „daß die hiesige, sehr zahlreiche Gemeinde in re- „ligiöser Beziehung zu den bestgesinnten gehört und „es herrsche hier ein sehr religiöser Geist im Allgemeinen". ..e.. Berlin. Vor einiger Zeit gingen aus der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", welcher sich später als Kampfgenoffrn die „National-Liberale Correspondenz" anschloß, heftige Angriffe gegen Prof. Virchow in die öffentlichen Blätter über. Ein Herr Dr. Meilitz beschuldigte Virchow, bei der Besetzung der Assistenten im pathologischen Laboratorium aus konfessionellen Gründen die Meldung jüdischer Aspiranten nicht zu berücksichtigen, und außerdem aus gleichen Gründen sich einem Anträge auf Ernennung - des Hrn. Dr. Traube znm ordentlichen Professor; widersetzt zu haben. Virchow gibt jetzt in seinem; Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie : eine ausführliche Antwort auf die Angriffe. Nachdem er die Anschuldigung in Bezug auf die Anstellung! seiner Assistenten durch Besprechung der einzelnen : vorliegenden Fälle zmiickgewiejen hat, sagt er in Vei zug auf die Traube'sche Angelegenheit: „Herr Dr. | M. hat jetzt „aus zuverläffiger Quelle" erfahren, daß z eine auf die Ernennung des Herrn Traube zum \ ordentlichen Profeffor gehende „Anregung eines herf vorragenden Facultätsmitgliedes bei Herrn Virchow f auf Widerstand stößt". Wie angenehm und wie col- | legialisch, die Geheimnisie der Facultät in der Zeitung für das Judenthum ans zuplaudern! Ich habe I darauf eine sehr einfache Antwort: Zu allen Zeiten 1 habe ich den statutenmäßigen Grundsatz vertheidigt, daß die Ordinariate Stellen und nicht Titel sind, und daß, wenn kein Ordinariat vacant und kein neues gegründet ist, auch kein Ordinarius zu ernennen ist. Geht man davon ab, so geräth man auf das Gebiet der Willkür, welches vielleicht der einen oder andern Persönlichkeit zum Vortheil, dem Ganzen aber stets zum Nachtheil ausschlägt. Dieser Auffassung habe ich als Profeffor wie als Abgeordneter öffentlich und privatim Geltung zn verschaffen gesucht, und Herr Dr. Meilitz kann darnach im Voraus in vielen Fällen wissen, wohin meine Boten gehen werden. Sollte er es jedoch vorziehen, seine „zuverlässige Quelle" weiter zu benutzen, so möchte ich ihn doch ersuchen, sich und dem Publikum darüber Gewißheit zu verschaffen, wie ich mich in denjenigen Fällen, wo es sich um Abstimmungen über die Anstellung von Juden gehandelt hat. verhalten habe. Vielleicht würden er und die „National-liberale Correspondenz" dann finden, daß es nicht nöthig war, in der vorliegenden Angelegendeit Spinoza und David Strauß, Lazarus und Laeker gegen mich ins Feld zu führen." So weit Professor Brrchow. Man kann anderer Ansicht sein wie er, man kann meinen', es habe sich in dem vorliegenden Falle um einen so wichtigen Präcedenzfall, um die Ernennung des ersten jüdischen Professors in Preußen gehandelt, daß man wohl einmal hätte von dem Grundsatz, keine ordentlichen Profefforen zu ernennen, die nicht zugleich ein Ordinariat erhalten, abgehen können; aber wenn Virchow die stricte Befolgung dieses Grundsatzes im Interesse der Universität, deren Blühen doch gewiß im Interesse der Gesammtheit liegt, für unumgänglich nothwendig erachtet, so kann man ihm daraus, daß er in dem vorliegenden Falle keine Ausnahme machen wollte, sicherlich keinen Vorwurf machen, am wenigsten den der Intoleranz. Aus We^tpHaken. Laut eines Berichtes unseres Collegen O. Calmo in Nr. 30 dieser gesch. Blätter zu Hamm (Westphalen) ist in der am 15. Juli in Hamm abgebaltenen Sitzung des Curatoriums der Marks-Haindorflschen Stiftung der Rector D. Rosenstock aus Posen zum Director der isr. Lehrerbildungsanstalt zu Münster gewählt worden. Genannte Anstalt ist nunmehr, nachdem sie ein neues Statut, eine andere Verwaltungsbehörde (Curatorium) und einen Director erhalten, in die schon vor Jahren projectirte und von den Gemeinden Rheinlands und Westphalens mit Recht so Ähnlichst erwartete Reorganisation eingetreten. Es wäre daher nur zu wünschen, daß das Statut, welches zwar nicht das beste ist, (ist ja doch nichts vollkommen in der Welt) dieses Mal nicht blos leeres Wort bleibe, sondern nach allen Seiten und Richtungen bin tatsächlich gehandhabt und zur Verwirklichung geführt werde; daß Curatorium und Director *) vereint dahin streben, daß dieses Mal nicht wieder, wie solches bei früheren Reorganisationen der Fall war, alles nur Versprechen, alles beim alten Schlendrian bleibe; und daß endlich die Gemeinden, nachdem sie schon so oft bitter getäuscht worden sind, *) Uebev die Person und religiöse Richtung des Directors ist bis jetzt nichts Näheres darüber bekannt geworden; daher erlauben wir uns auch kein Urtheil, ob das Curatorium durch die Berufung desselben eine gute Acquisition gemacht oder nicht. Wir wollen das Beste hoffen. Der Correspondent.

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