Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-08-12 · Heft 33 (12.8.1868) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 33 (12.8.1868)
Date
1868-08-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447375--06390-2461943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

623 auch angenommen werden würde, daß die spanischen Märtyrer in der Eile mit den begraben worden wären, wie könnten diese die Zeichen auf der Stirne und auf dem Arme hervorgebracht haben? Amerika. Cincinnati, 9. Juli. Am Freitag 1ndo 's hat die hiesige Gemeinde »ja den Grundstein zu einem neuen Tempel gelegt, der nicht viel weniger als zweimalhunderttausend Thaler kosten wird. Bei dieser Feierlichkeit betheiligten sich alle jüd. Gemeinden nur die t>6oipi rv*w war weder durch ihren Rabbineu, Herrn Dr. Jllowy, noch durch ihren Vorstand reprasentirt. Diese Theilnahmlosigkeit, die die Gemeinde 'ja sehr übel aufnahm, veranlaßte öffentliche Zänkereien in den Zeitungen. Auch der Redakteur des „Jsraelite" Dr. Wise gab der nnttv einen derben Verweis, der aber in würdiger Weise erwidert wurde. Die Handlungsweise der orthodoxen Gemeinde nnxip ist schon darum zu rechtfertigen, weil die Gründer derselben früher zu den ältesten Mitgliedern und Gründern der Gemeinde vxiL" ’jn gehörten, die sich sehr bedeutend bei dem Bau der prachtvollen Synagoge am Broadway, der große Opfer verlangte, betheiligt hatten; jedoch als die Gemeinde zwei Jahre hernach mit einer kleinen Mehrheit Dr. Lilienthal als ihren Rabbiner anstellte, waren diese dem alten Judenthume Treugebliebenen, die den Dr. L. nicht als einen jüdischen Prediger und darum auch die Synagoge nicht länger als ein echt jüd. Gotteshaus anerkennen konnten, genöthigt, die Gemeinde und die Synagoge, für die sie so viel geopfert hatten, zu verlassen und eine neue zu gründen. Später schloß sich ein beträchtliche Anzahl von Gesinnungsfreunden den Ausgetretenen an. Diese Gemeinde zählt heute nicht weniger als 130 Mitglieder, die alle dem alten Judenthume mit Treue angehören. — Stand es da anders zu erwarten, als daß sich diese bei der Einweihung eines Tempels, den sie nicht als ein echt jüd. Gotteshaus anerkennen, nicht betheiligen werden? — Die Grundsteinlegungs - Rede des Dr. Lilienthal hatte mehr einen politischen als einen religiösen Character. Von dem waö sie von der jüd. Religion, die nur sehr spärlich darin bedacht wird, enthält, will ich zwei merkwürdige Stellen besonders hervorheben, die ich mit diplomatischer Treue übersetzt hier folgen lasse: „Es ist dies die passendste Gelegenheit, die höchst wichtige Frage zu beantworten: „Was ist Jndenthum?" um dadurch den geistigen Grundstein zu enthüllen, auf dem unser neuer Tempel ruhen soll. „Der erste Grundsatz, der künftig unser Leitfaden sein soll, ist die Ehrfurcht, die wir der Constitution unseres Landes sowohl dem Worte als dem Sinne nach schuldig sind. — Als ich auf meiner Reise nach New-Aork in dem Waggon einen Disput zwischen zwei Bürgern vernahm über die Frage: Was kommt erst, die Regierung oder die Religion (church), schloß ich mich der Debatte an und hielt es als Jude mit demjenigen, der der Regierung das Wort führte. Vor allem die Negierung, dann die Religion." Zum Schlüsse folgt eine zweite Stelle, in der er sich auf folgende Weise ausspricht: *) „Wir Israeliten des jetzigen Jahrhunderts träumen nicht mehr von einer Wiederherstellung Jerusalems oder von einem mit dem Diadem irdischer Macht und Größe gekrönten Messias. Washington ist unser rmo Amerika unser Palästina, hier ist unser Zion, hier unser Jerusalem." Kann man einen solchen Tempel, in dem man solche Lehren vernimmt, noch ein jüdisches Gotteshaus nennen? Doch müssen wir Dr. L. diese Gerechtigkeit widerfahren lassen, er lehret bloß, läßt aber den Andersgesinnten ungehindert seines Weges fortwandeln, während Dr. Hirsch in Philadelphia einen Jeden, der noch auf einen Messias oder auf ein Jerusalem hoffet, als Landesverräther erklärt, der es nicht verdiente, als Bürger dieses gesegneten Landes adoptirt zu werden. — Feuilleton. Water und Sohn. Erstes Capitel. An Kissingen. Dem Rathe meines Arztes folgend, suchte ich gegen Ende Juni dieses Jahres die berühmten Heilquellen von Kissingen aus. In fast ganz östlicher Richtung führte mich und die Meinen das Dampfroß ans dem goldenen Mainz, von den Ufern des schönen Rheines fort am Taunusgebirge und am Odenwald vorüber mitten durch den wilden Spessart hindurch bis nach Gemünden, an die Ausläufer des Rhöngebirges, wo die Werne und die fränkische Sale in den Main sich ergießen. Hier wartete schon der Wagen, der uns durch das wundervolle Salethal nach Kissingen brachte. Kissingen liegt in einem engen, rings von nicht allzuhohen Bergen umschlossenen Kessel. Zu den mit Eichen und Buchen dicht bewachsenen Höhen führen anmuthige Fußpfade, und auf jeder Höhe bietet sich allemal eine entzückende Aussicht. Ich habe dort vier Wochen höchst angenehm verlebt, manche interessante Bekanntschaft gemacht, manchen Einblick in tausenderlei Verhältnisse gewonnen. Da ich immerwährend bemüht bin, meine Kenntnisse zu erweitern und da mir der Arzt das Studium aus Büchern während der Kur- *) Anm. der Red.: Nachstehende Stelle unseres geehrten Corr. haben wir bereits nach dem „Jew. Mess." gebracht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.