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Der Israelit · 1868-08-12 · Heft 33 (12.8.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 33 (12.8.1868)
Date
1868-08-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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619 lichen Theil seiner geistlichen Aufgabe erkennt, zeigt sich seines hohen Amtes in vollem Maße würdig. Es gebührt ihm der Dank und die Anerkennung der Eltern und Lehrer, denen er im Unterrichts- und Erziehungowesen geeignete Winke gibt, wie sie gedeihlich und mit gutem Erfolg wirken können. Zu dieser Betrachtung führt uns ein von Herrn Bezirksrabbiner L ö w e n st e i n am diesjährigen Wochenfeste in der Synagoge zu Tauberbischofsheim gehaltener Vortrag. Haben wir von des würdigen Mannes segensreicher Wirksamkeit schon des Guten viel vernommen, so hat uns dieser Vortrag dieselbe aufs Neue zu deutlicher Anschauung gebracht. Seit vielleicht 37 Jahren im geistlichen Amte thätig, war derselbe unablässig bemüht, dem Unterrichts- und Erziehungöwcsen die größte Sorgfalt zuzuwenden, den religiösen Geist zu wecken, zu nähren und zu pflegen. Den Gedanken der Weisen richtig erfassend: Odv "wD mm daß eine religiöse Erziehung nur dann den Verlockungen des Lebens zu widerstehen vermöge, wenn sie auf religiöser Erkenntniß beruht, und daß — wo diese Erkenntniß fehlt— die gewohnheitsmäßige Uebung religiöser Vorschriften sehr leicht zu erschüttern ist, hat derselbe schon seit Jahren einen Lehrplan für die seiner Inspektion unterworfenen Schulen ausgearbeitet, in welchem der an pädagogischen Erfahrungen reiche Mann alles Das zusammenstellt, waö auf jeder Altersstufe zu erreichen ist, den Lehrern geeignete Winke gibt, wie sie auf jeder Stufe am Zweckmäßigsten verfahren können, ohne sie in ihrer Lehrtätigkeit durch feststehende Regeln zu beschränken. Anknüpfend an die Schristworte ub ms mm DpV’ nanp nuniö rwo sucht Herr Löwenstein darzuthun, daß unter diesem auf das jeweilige kommende Geschlecht zu verpflanzenden Erbe die religiöse Erziehung, Bildung der Jugend zu verstehen sei. Der Vortrag behandelt nun die Frage, wann und wie dies zu geschehen habe und kommt zu dem Ergebnisse: Die Erziehungsweise Gottes soll auch die der israel. Eltern sein. Für diesen Erziehungsgedanken liegt die Anweisung zunächst allgemein in der Natur der menschlichen Denkgesetze, in dem natürlichen Entwicklungsgänge des menschlichen Geistes und ganz besonders in der Erlösungsgeschichte Israels aus Mizraim und in der Form und Eintheilung der 10 Bundesworte am Sinai. Die religiöse Erziehung soll nach Erklärung unserer Weifen beginnen, sobald das Kind einige Sprachfähigkeit erlangt hat. Nach dem Talmud kann von einem eigentlichen Thoraunterricht auf dieser Stufe noch keine Rede sein; aber der junge Zögling soll für das Thoraleben gewonnen werden nota i»a« mm er soll Liebe und Interesse dafür gewinnen; also eine jeweilige der Fassungskraft des Kindes angemessene Belehrung. Der natürliche Entwicklungsgang unseres Geistes ist, daß wir den Gegenstand anschauen, durch diese Anschauung zur Erkenntniß desselben gelangen und durch die verschiedenartigen Begriffe, die wir dadurch in uns bilden und mit einander verbinden, unser geistiges Leben aufbauen. Dieses unserm Geiste eigenen Entwicklungsganges bediente sich auch der himmlische Vater, als er Seinem erstgeborenen Sohn die göttliche Erziehung geben wollte. Er ließ ihn vorerst die Wunderthaten in Egypten schauen; damit er durch dieselbe zur Erkenntniß Seines h immlischen Vaters gelange. Und als auf dieser Stufe der erste Anschauungsunterricht vollendet war, da setzte Gott Sein Erziehungswerk am Sinai weiter fort. Aus der Form und Eintheilung der 10 Bundesworte entwickelt sich der begonnene Anschauungsunterricht weiter: Das erste Bundeswort weist auf die durch die stattgefundene Erlösung aus Mizraim gewonnene Erkenntniß hin. Israels Gott ist kein solcher, der nur geahnt wird; die Uebelgestalt der Ahnung geht leicht in Aberglauben über. An Israels Gott soll nicht blos geglaubt werden; dumpfer Glaube schlägt leicht in Unglaube um. Israels Gott soll nicht erforscht werden; die dünkelhafte Vernunft konnte sich leicht über die göttliche erheben. Israels Gott ist vielmehr der Gott der Geschichte. Sckon vor der Offenbarung hatte er sich in Mizraim geschichtlich offenbart und darum begann er seinen Anschauungsunterricht mit den Worten: „Ich bin der Ewige w." Ettern und Erzieher haben darum den gleichen Bildungsgang zu verfolgen. Die Erlösungsgeschichte aus Mizraim soll den Ausgangspunkt bilden, an dem dann weiter fortgesponnen wird. Der weitere Fortgang der Erziehung hat nach den Worten am nwj/i jno mo sein Augenmerk auf die Beherrschung der sündhaften Neigungen zu richten. Es erscheinen darum in den 10 Bundesworten, als erste Erziehungslehre 7 Verbote, von welchen die ersten zwei der Erkenntniß Gottes aus der Geschichte sich anschließen. Weil es ein stufenmäßig fortschreitender Unterricht sein soll, konnten die 5 andern Verbote nicht in ein allgemeines Gebot der Nächstenliebe zusammenfließen, weil dieses ein zu inhaltreiches Gebot wäre, von welchem ja auf der ersten Erziehungsstufe abgesehen werden muß. Das vierte Bundeswort hingegen ist ein Gebot, weil es sich an das erste eng anschließt. Wer durch die Anschauung der Beherrschung der Natur in Mizraim Gott erkannt, wird Ihn auch als Weltschöpfer in der Feier des Sabbats erkennen. Das fünfte Bundeswort ist das zweite Gebot des göttlichen Erziehungsplans und stand deßhalb auf

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