Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1868)
- Date
- 1868-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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618 Hunderts, in dem Aufschwünge der Industrie, im vorwiegenden Interesse am politischen Leben, endlich in der Bildung in ihrem characteristischen Zuge nach Allgemeinh.it und Aeußerlichkeit, nach Oberflächlichkeit und Glänzendem. Der Mangel an Innerlichkeit, an Einkehr in sich selbst, an Leben in sich selbst ist die Wurzel der religiösen Gleichgiltigkeit und Stumpfheit. Diese Gründe alle genügen dem Verfasser nicht und fügt er selbst hinzu: „Kann der menschliche Geist je das religiöse Moment aus sich heransschaffen oder gänzlich verlieren?" Also selbst ohne äußere religiöse Genüsse kann das religiöse Bedürfnis; sich nicht ganz verlieren. Daß es sich aber dennoch bei sehr Vielen verloren hat, daß selbst Eltern nicht daran denken, der Erziehung ihrer Kinder eine religiös-sittliche Grundlage zu geben, dieser Vorwurf trifft diejenigen, welche dafür zu sorgen haben, und diese sind? Alle diejenigen Rabbinen, die nicht mit dem Verfasser Hand in Hand gingen und zwar nicht blos die alten, der Wissenschaft fern stehenden, sondern auch die, welche den Plato und Aristoteles studirt, Hegel gehört, Gedichte oder gelehrte Abhandlungen machten. Diese trifft der Vorwurf, weil sie für die Anfrechthaltung der religiösen Formen schwärmten. Und wieder ist es das Jahr 48, welches jene Friedensliebe in den Genuinden hervorrief, daß sie das religiöse Bedürfniß unbefriedigt ließen, so daß es zur Negation herab gesunken, wodurch jene neue Romantiker (ein beliebter Ausdruck des Verfassers) die Macht erhielten. Doch nicht die Rabbinen allein trifft die Schuld, auch die Gemeinde-Vorstände, daß sie nicht energisch in ihren Reformen und Bestrebungen gegen die gesetzliche Behörde, d. h. gegen die Cultus- Beamten und die Regierung mit aller Energie vorschritten und die Reformen trotz alles Proteftirens der Gemeinde-Mitglieder einführten. Zu dieser Autorität erhebt der Verfasser den Gemeinde-Vorstand. Wir brauchen nichts dagegen zu erwähnen, wer eine solche Behörde octroyirt, hat selbst die Folgen zu büßen. Gottlob wird es in jüdischen Kreisen nie dazu kommen, daß eine Communal-Behörde, wie die Gemeinde-Verwaltung ist, in religiösen Angelegenheiten zu einer Autorität sich erheben wird. Nicht auf diesem Wege wird das religiöse Bedürfniß geweckt und entzündet. Die Mittel dazu sind auf anderem Wege zu suchen. Es ist die religiös - sittliche Erziehung der Kinder, die in der That jetzt von sehr vielen Eltern auf eine höchst unverantwortliche Weise ganz inhibirt wird; während diese ausschließlich und allein das Grundwesen echt jüdischen Lebens bildet. Schon von unsrem Stammvater omriN heißt es — hk ms»' “iew jj/d1? rnym o 'n th nopi innx wa nw i\n denn ich habe ihn erkoren, damit er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm gebiete den Weg des Ewigen zu beobachten. Nicht die vielen rur'DJ sind es, welche ihn zum yn m*p machten und als Stammvater vieler Nationen einsetzten, sondern die Erziehung seiner Kinder und seiner Nachkommen nach ihm zum Dienste des Ewigen,! machte ihn dazu würdig. n« nnx Dmoi») lehret J sie euren Kindern, daß sie immer davon reden", ist nej ben der Selbstbeobachtung des göttlichen Gesetzes als Hauptbedingnng hingestellt für das Verweilen Israels - im heiligen Lande. Also wie Abraham nur durch die 1 religiöse Erziehung zum Stammvater des israelitischen j Volkes erwählt wurde, so war auch die unabhängige j freie Existenz des jüdischen Staates davon bedingt. a Auf welche Weise aber das Kind erzogen werde solle, | darüber belehrt uns der Talmud: Kann das Kind re- 2 den, so lehre es L?"pi min. Die Lehre nämlich, min npy nbnp manin rwn ms. Die Lehre, die uns Moscheh befahl, ist ein Erbe der Gemeinde Jacobs; ttf"p das ist der erste Vers: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziges, einiges Wesen. Auf solche Weise wird das religiöse Bedürfniß frühzeitig geweckt, entzündet und für das ganze spätere Leben erhalten. Nicht bedarf bei solcher Erziehung der spätere Jüngling und Mann der religiösen Schauspiele und musikalischen Genüsse, um ein bis dahin nie gekanntes Bedürfniß zu wecken. In seiner Natürlichkeit wird er sich aus innerem Antriebe hingezogen fühlen zu seinem Schöpfer und nicht erst durch äußere Chöre dazu herbeigelockt. Wollet ihr also das echt jüdische Leben in der Gemeinde wieder einführen, schaffet vor Allem ein religiöses Familienleben, und von Neuem werden die Gotteshäuser ->pm 2-iy von andächtigen Gottesverehrern gefüllt sein. Nrber religiöse Erziehung. Aus einem Vortrage des Herrn Rabb. Löwenstein in Tauberbischofs heim. Es verdient die rühmenswertheste Anerkennung, wenn die isr. Volkslehrer in ihren öffentlichen Vorträgen die religiöse Erziehung und Bildung der Jugend zum Thema ihrer Besprechung wählen und nicht nur das Ziel zeigen, nach dem gestrebt werden soll, sondern sich auch über die Mittel verbreiten, die dasselbe erreichen helfen. Wie oft fehlt es leider bei den Eltern an der erforderlichen Einsicht, das richtige Ziel zu erkennen und die geeigneten Mittel zur Erreichung desselben anzuwenden! Wie oft folgen dieselben aus purer Unwissenheit und Nachahmungssucht einer verderblichen Zeitrichtung, ihren Kindern dasjenige entziehend, was ihnen am Meisten Noth thut, den religiösen Fond, ohne welchen sie mitten im Ueberflusse im Herzen darben. Ein Rabbiner, der nach dieser Richtung hin thätig ist und in solcher Wirksamkeit einen wesent- ■Hl