Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1868)
- Date
- 1868-08-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. 33 Der Israelit. E i n Kentrat - Grgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 12. August 5628 (1 86 8). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. C. oder fl. 6. 16 Ir. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 11/g Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Der öffentliche Gottesdienst. — Heber religiöse Erziehung. — Zeitungsnachrichten und Corrcspondcnzen: Deutschland: Aus dem norddeutschen Bunde. Schönlanke. — Oesterr. Kaiser st.: Pesth. Papa. — Frankreich: Paris. Paris. — England: London.— Nußl. u Po len: Warschau. Wilna. — Asien: Bagdad. — Amerika: Cincinnati. — Feuilleton: Vater und Sohn. Inhalt der Beilage r Leitender Artikel: Zur ungarischen Ccnferenz. ZeitullflSnachrichteu und Correspondenzen: Deutschland: Heidingsfeld. Laupheim. Berlin. Aus Westphalen. — Oesterr. Kaiserst.: Marienbad.— Amerika: Cleveland. — Afrika: Algier. — Seitett b e %l 11 it e U Der öffentliche Gottesdienst. (Fortsetzung.) Verfasser kommt nun zur Frage: „warum ist das religiöse Bedürfniß so schwach, daß es aus der Negation nicht herauszukommen vermag und zu schöpferischer Gestaltung sich nicht getrieben fühlt?" Zur Lösung dieser Frage stellt der Verfasser wieder eine neue Behauptung auf, die nicht nur in Widerspruch mit der ersten ist, sondern auch, wie wir sehen werden, mit dem, was er selbst bald darauf behauptet. Verfasser meint, trotzdem das Bedürfniß seine Befriedigung herbeischaffen muß, so entzündet und stärkt es sich erst, wenn die Befriedigung für dasselbe vorhanden ist. Also. Ursache und Wirkung stehen hier in wechselseitiger Folge. Sehr geistreich! Der Dorfbewohner, stellt er als Vergleich auf, habe keine Bedürfnisse für musikalische Genüsse, weil er sie nicht kennt; kommt er nach der Stadt, wo ihm diese geboten werden, kann er sich zum Enthusiasmus dafür steigern; ebenso umgekehrt kann der, welcher von einer Stadt nach einem Dorfe versetzt wird, das Verlangen darnach gänzlich verlieren. Wie gefällt dir, lieber Leser, dieser Vergleich? Zuerst behauptet der Verfasser, in religiösen Angelegenheiten sei das Bedürfniß darnach allein das entscheidende Motiv, selbstverständlich hat also der Bedürfnislose baö Recht die volle Negation des Religiösen für sich zu beanspruchen; jede noch so bescheidene Zurechtweisung als ungebührlich wenigstens zu bezeichnen. Und doch verlangt der Verfasser, daß man den musikalischen Genüssen gleich, religiöse Genüsse schaffe, also wie weltliche Concerte, so auch geistige Concerte, wie weltliche Schauspiele, so auch geistige Schauspiele, um das Bedürsniß zu wecken und zu entzünden. So weit ist es gekommen. Mit aller Kraft wurde ein Blatt nach dem andern von dem Lebens blatt freventlich abgerissen, und zuletzt der Boden selbst untergraben, daß ihm jeder zuströmende Lebenssaft entzogen wurde und nun sucht ihr nach künstlichen Mitteln, um ihm ein scheinbares Leben einzuhauchen! So rächt sich euer frevelhaftes Treiben. Verhöhnt und verspottet habet ihr daö Alte und jetzt grauet euch selbst vor eurem hirnlosen Gespenst. Allein der Verfasser wäscht seine Hände in Unschuld und weiß die Schuld auf Andere zu wälzen. Er sagt: „Bei der Schwäche des religiösen Bedürfnisses ist jedenfalls ein Zwiefaches anzuklagen, erstens, daß es so schwach ist und"zweitens, daß es durch die nicht geweckt und entzündet wird, welche hierzu berufen sind." Die Ursache für das Erstere findet der Verfasser in der Culturbewegung des letzten Jahrj