Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1868)
- Date
- 1868-08-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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604 berg diente in seiner Jugend als Asenburg - Büdinger Tambour bei der Rheinbundarmee. Als Bundesgenosse der Franzosen machte seine Truppe den Feldzug in Spanien mit. Eines Tages führte das launige Schlachtenglück das Bataillon unseres Salomon in ein Gehölz, das von englischen Truppen in großer Uebermacht umzingelt war. Englische Parlamentäre forderten die Hsenburger zur Uebergabe auf. Der tapfere Kommandant des unglücklichen Bataillons wollte jedoch den Heldentod auf dem Felde der Ehre einer Gefangenschaft unter spanischen Händen vorziehen und ließ das Feuern nicht einstellen. Wie Hagelkörner schlugen die Kugeln der Hochschotten unter dem Häuflein?)senburger von allen Seiten ein und es dauerte wohl" nicht lange, so hätten die armen Söhne deö Vogelsgebirges sämmtlich ihr Grab unter den Korkeichen Jberiens gefunden. Doch, da wird gegen alle Erwartung das feindliche Feuer immer schwächer, die Engländer machen Kehrt, denn das Trommelfell hatte Ordre zum Rückzug gegeben. Freund und Feind hatten keinen solchen Ausgang des Gefechtes erwartet, beide waren gleich verblüfft und dennoch rasselte das unerforschliche Kalbfell fortwährend Return! return! Nur die nächsten Kameraden neben unserem Salomon aus Hitzkirchen bemerkten zuerst die Ursache ihres unerwarteten Glückes. Salomon hatte nämlich von früheren Rencontres ber, die Signale der englischen Kollegen abgelauscht und seine Wirbel beorderten die Engländer zurück. So war es dem Psenburger Bataillon möglich aus dieser Falle zu entkommen; dem kaltblütigen Helden aus Hitzkirchen verdankt der Fürst von Büdingen die Rettung seines Bataillons. Hirsck Grünbaum. Oesterreichrscher KaiscrstaaL. VKieN, 26. Jul. Gestern Vormittags 10 Uhr starb auf ihrem Landsitze zu Hietzing, die durch die Gründung einer Kinderbewahranstalt in Jerusalem in den weitesten Kreisen bekannte Frau Elise Herz, geborene Edle von Lämmel. Dieselbe hinterläßt ein bedeutendes Vermögen, das sie dem Vernehmen nach zumeist zu Legaten und wohlthätigen Stiftungen testamentarisch bestimmt hat. Wien. Der Pater Trolf in Bozen, ein Tyroler Ordensgeistlicher, hat dieser Tage eine Kanzelrede gehalten, in welcher er zur Verfolgung der Juden aufforderte. Eine Tyroler Sage erzählt, daß im Mittelalter die Juden einen Christenknaben auf dem „Judensteine" gemartert und getödtet haben, was bekanntlich auch anderswo gefabelt wird. An diese „grausame That" erinnernd, rief der Pater von der Kanzel: „Würde man die Juden wohl damals in den Gemeindeverband ausgenommen und ihnen erlaubt haben, Reichthümer zu sammeln? Ich glaube, sie wurden eher ein Halsband aus Hanf bekommen haben!" Der Gemeinderath von Bozen hat nämlich vor Kurzem dem seit vielen Jahren daselbst ansässigen israelitischen Kaufmann Schwarz, aus Mannheim gebürtig, das Bürgerrecht verliehen. Herr Schwarz ist aber den Tyroler „Schwarzen" doppelt verhaßt, denn er hat den kranken vr. Mühlfeld eingeladen, seine Villa zu bewohnen, um in dem mildern Klima Linderung seiner Leiden zu finden. Dr. Mühlfeld konnte von dem freundlichen Anerbieten des Israeliten keinen Gebrauch machen, denn seine Krankheit war schon zu weit vorgeschritten, aber der Groll der Intoleranten wühlt deshalb nicht weniger gegen den „jüdischen Eindringling". (Fr. I.) Wien. Am 11. d. M. fand hier der erste Rücktritt eines getauften Juden statt, der im 1.1835 zum Christenthume überzutreten gezwungen war. Derselbe erklärte, daß er während dieser Zeit kernen Abend vor dem Schlafengehen das Schema Jisrael zu sagen verabsäumte. Der Akt des Rücktritts fand im Tempel der inner« Stadl statt und Hr. I)r. Jellinek sprach, nachdem er den Rücktretenden nochmals um die freiwillige Wiederkehr in's Judenthum befragte und dessen aufrichtige Reue vernahm, einen darauf bezüglichen mi scheberach, worauf die ganze Gemeinde „Amen" erwiederte. (Ggwt.) Pefth Aus authentischer Quelle erfahren wir, daß das Wahlstatut zur Einberufung des jüdischen Landeskongreffes Sr. Exellenz dem Herrn Kultusminister bereits zur Sanktion unterbreitet ist, und wurde das aktive und paffive Wahlrecht auch auf alle Gemeindebeamten ausgedehnt. Die Einberufung wurde auf den 3. November anberaumt und wird die Eröffnung der Sitzung am 12. erwähnten Monats stattfindm. Mit der Ueberwachung der Wahlen werden die Obergespäne in ihren refp. Komitaten betraut werden. Der Veröffentlichung der Wahlstatuten wird nächster Tage entgegengesehen. (Mz. Zs.) In Ungvär fand dieser Tage auf Anregung Sr. Ehrwürden des dortigen Oberrabbiners Herrn M. Eisenstädter eine Nabbinerversammlung statt, an der 11 der hervorragendsten und einflußreichsten Rabbiner unserer sefardischen Brüder —Chaßidim — theilgenommen. Nach Verlesung der vom Schomre Hadath-Verein unter dem Titel:„Dibrö Schalem Weemeth" jüngst veröffentlichten hebräischen Broschüre, worin die Tendenz des Vereines und die von Seiten der Gegenpartei den Sefardim sowohl, als den Aschkenasim drohende Gefahr klar auseinander gesetzt ward, wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, sich dem Verein maffenhaft anzuschließen, damit es den beiderseitigen Anstrengungen gelinge, dem gemeinsamen Feinde mit Erfolg die Spitze zu die-