Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-08-05 · Heft 32 (5.8.1868) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 32 (5.8.1868)
Date
1868-08-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447374--06369-2461921
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

603 Herrn Rabbiner vr. Philippson in Dessau berichteten, welche am pin ro» auf dem Wasser fuhr und in der Mulde ihren Tod fand. Vorigen rostf wiederholte sich in Hamburg derselbe Unglücksfall, nur daß diesem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Zwei junge Leute von 16 und 17 Jahren, der eine Sohn eines Altonaer, der andere Sohn eines englischen Glaubensgenossen, erlaubten sich das 1-12^ - Vergnügen, ein Bischen auf der Alster zu rudern, wobei das Boot kanterte und sie in den Wellen begrub. Einem andern jungen Mann, der sie auf den -nD\x aufmerksam gemacht haben soll, sollen sie zur Antwort gegeben haben, wenn vor einem Jahre ein Rabbiner seiner Tochter erlaubt habe, auf dem Wasser zu fahren, so dürften sie es dieses Jahr auch. — Bei der internationalen Ausstellung von Ernte- und Mähmaschinen zu Manchester empfing für Mähmaschinen das Haus Samuelson & Comp, den ersten Preis, Für Handerntemaschinen erhielt Kaersly den ersten und Samuelson den zweiten Preis. Für Grasmähmaschinen erhielt ebenfalls Kaersley den ersten und Samuelson & Comp, den zweiten Preis. Altona Eine interessante, kaum glaubliche Debatte bildete den Gegenstand der letzten General- Versammlung des „Altonaer Gesangvereins", ursprünglich ein Zweig des hiesigen „Famüien-Vereins". Dieselbe betraf die Aufnahme von — Juden in die der höheren Harmonie sich widmende musicalische Gesellschaft. Obwohl die Statuten den Ausschluß von Israeliten nicht vorschreiben, obwohl seit fast einem Jahr ein sich zu gedachter Religion Bekennender zu den Mitgliedern des Sängerclubs zählt, obwohl soeben die Ballotage einen Israeliten zur Aufnahme in den Verein als geeignet befunden hatte, iah sich der schristsührende Director dennoch veranlaßt, auf das, wenn auch statutenmäßig festgestellte, so doch angeblich „privatim" getroffene Uebereinkommeu hinzuweisen, daß unter den Principi-n des Vereins der Ausschluß von Juden aus demselben vor Allem an der Spitze stehe. Sollte von diesem Princip abgesehen werden, so fuhr der Herr Schriftführer fort, so müden in nicht langer Zeit die Nachkommen Abrahams, indem sie mehr Interesse für die Sache hätten als die christlichen Gläubigen, bald das belebende Element des Vereins bilden und es dahin kommen, daß, wenn er auch gegen die Aufnahme einzelner Weniger nichts einwenden wolle, die „Anhängsel" der jüdischen Mitglieder die Majorität bilden und er schließlich genöthigt sein würde, mit jedem Hamburgs „Karrenjuven" der edlen Tonkunst obzuliegen. — Sollte man es glauben? — Die schließliche Abstimmung über das angeregte Thema gab da> Resultat: Die Aufnahme von Juden in den Verein ist unter Umständen gstattet, jedoch — mit Vorbehalt! Selbstverständlich meldete nach diesem ergötzlichen Beschluß ein seit längerer Zeit dem Verein zuzählender Sänger jüdischen Glaubens seinen sofortigen Austritt ans demselben an. 8- ScfcHjtfvtetti. Dieser Tage starb in dem benachbarten Vollmerz Viktor Birk I. im Alter von etwa 96 Jahren. Der Verstorbene hinterläßt noch vier lebende Geschwister, von denen der älteste, Namens Hirsch (ein Cousin und Namensbruder meines sel. Großvaters j/"j) das hunderste Lebensjahr bereits überschritten haben soll. Genau läßt sich nämlich das Alter dieser Leute nicht ermitteln; sie selbst wissen dasselbe nur durch Vergleichungen mit längst verstorbenen Altersgenossen anzugeben. In damaliger Zeit führte man keine Geburtsregister, nur die sogenannten „Wimpeln" (ri'Sv) in der Synagoge bieten einigen 'Inhalt. In vorliegendem Falle sind auch diese nicht mehr aufzufinden. Kräftige Naturen sind diese alten Leute, die noch heute ihr kümmerliches Stückchen trocknen Brodes so kräftig erhält, daß sie mancher junge Mann unserer Zeit um solche Gesundheit beneiden dürste. So hat eben mein Namensvetter, der hundertjährige Hirsch Birk, noch heute eine Kraft und Sicherheit in den Armen, die mancher Dreißigjährige entbehrt. Derselbe ist Metzger seines Geschäftes und läßt es sich noch immer nicht nehmen, wenn sein Sohn ein Stück Vieh schlachtet, die Haut des geschlachteten Thieres abzuziehen, die Eingeweide auszunehmen und das Fleisch auszuhacken, und das thut er mit einer Gewandtheit, die jeder Zunftmeister für tadellos erklären muß. Wenn man im Sommer am Hause dieser alten Leute vorübergeht, so sieht man den alten Hundertjährigen auf einem Stühlchen sitzen, und da hackt er sein ganzes Reiöholz, das ihn während des Winters erwärmen soll, mit eigener Hand. Jeden pp -nss cn' fastet noch dieser alte Mann und er ist keiner der letzten, der an solchen Tagen mit den am Kopfe und Arme von seinem Berge herab zur Synagoge kommt, um mit den Enkeln und Urenkeln seiner Jugendgenossen gemeinsam zu beten. — Der jüngste Bruder, auch ein tüchtiger Achtziger, geht noch jeden Tag über Land und die Bauern handeln gern mit dem ehrlichen Alten, der schon ihren Urgroßvätern das Vieh abkaufte. Zur Zeit der Obsternte sieht man im alltäglich mit dem schwer beladenen Quersacke nach Hause kommen, den ihm die Bauern füllen, und das wird er gar nicht müde, denn es ist für die lieben Brüder und das achtzigjährige Schwesterlein, die nicht mehr fortgehen können. — Auch hier in Schlüchtern lebt ein alter Mann, Namenö Viktor Stern, der wenigstens 106 Lebensjahre zählt, da er hier noch ein?n lebenden Schwiegersohn hat, der bereits ein tiefer Achtziger ist. Schließlich will ich den Lesern des „Israelit" noch von einem interessanten Veteranen erzählen, der in Hitzkirchen im Vogelsgebirge lebt. Salomon Schwarzen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.