Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1868)
- Date
- 1868-08-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Beilage z« Nr. 32 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainstockheim, 22. Juli. Dieser Tage lasen wir in der „DidaSkalia" Nr. 199 eine bezeichnende Stelle über das Wesen und Treiben der Missionäre, welche in diesen gesch. Blättern wiedergegeben zu werden verdient. In einer Schilderung des jugendlichen Alameo, Sohnes des von den Engländern besiegten Königs Theodor von Abessynien, sagt der Verfasser, ein in Alexandria sich aufhaltender Maler, über die Zukunft des jungen Heimathlosen: „Möchte er doch nur nicht in die Hände dieser Missionäre fallen, von denen Etliche, ich weiß es aus den besten Quellen, in Vielem die Schuld der Verirrungen seines Vaters tragen, den sie schlecht benachrichtigt und verrätherisch bedient haben und so die Expedition unvermeidlich machten. Mit etlichen Ausnah mensind die in ei st e n dieser Leute, sowie ich sie im Orient verbreitet fand, Intriguanten, Wortbrecher, Leute von geringem Werthe und Herkommen, bekehrte Juden, von allen ehrenwerthen Personen des Cultus, dem sie zuvor angehört, ausgestoßen. Für das letzte Wort würden wir lieber setzen: „verachtet," was allerdings die reine Wabrheit ist. A. Berlin, 8. Juli. In dem Streite des hiesigen Arztes, Dr. Meilitz, mit dem Prof. Dr. Virchow über des letzteren Grundsatz, befähigte jüdische Aerzte ihrer Religion wegen nicht anzustellen, hat Ersterer jetzt eine Duplik erlassen, worin er mittheilt, daß, als ein hervorragendes Mitglied der Berliner medicinischen Fakultät die Ernennung des berühmten clinischen Lehrers und Practikers, Geh. Medicinalraths Dr. Traube, zur Zeit außerordentlichen Professors, zum ordentlichen Professor in Anregung gebracht, Herr Virchow sich dem Anträge widersetzt habe. Aus dem norddeutschen Bunde. (Privatmittheilnng). Wir haben schon in unserem vorigen Briefe von dem Conflikte gesprochen, der sich zwischen den Breslauer Communalbehörden und der preußischen Regierung erhoben und der, wenn er von Seiten der Stadt Breslau consequent durchgefochten wird, in seiner Tragweite für den ganzen preußischen Staat von Bedeutung ist. Es handelt sich um die Errichtung einer confessionslosen höhern Lehranstalt aus den alleinigen Mitteln der Stadt Breslau, zu welcher die Regierung die Genehmigung nicht ertheilen will. Der Magistrat, des langen Haders müde, der schon von 1865 herdatirt, war geneigt nachzugeben und beantragte bei den Stadtverordneten, die Genehmigung zu ertheilen, das neue Gymnasium am 1. Oct. als ein confessionelles, als ein evangelisches eröffnen zu dürfen. Anders die Schulcommission der Breslauer Stadtverordneten-Versammlung. Diese führte aus, es sei die Gemeinde moralisch zur Herstellung nur solcher höherer Lehranstalten verpflichtet, in welchen. während dieselben für den Religionsunterricht der Schüler verschiedener Glaubens- und Religionsbekenntnisse durch besondere Religionslehrer sorgen, der Unterricht in allen andern Gegenständen von solchen Lehrern ertheilt wird, die ausschließlich wegen ihrer wissenschaftlichen und pädagogischen Tüchtigkeit gewählt worden. Außer Stande, den einzelnen Glaubens- und Religionsgenossenschaften der Gemeinde durch Errichtung censessioneller Lehranstalten auch uur annährend gerecht zu werden, könne die Gemeinde um so weniger auf die ihr von Seiten der Staatsregierung gestellte Zumuthung, die Errichtung confessioneller Lehranstalten eingehen, als außer den evangelischen, die katholischen und jüdischen Einwohner der Stadt ein gleiches Recht auf die Errichtung höherer Lehranstalten ihres Glaubens beanspruchen und dadurch der Verwaltung unverhältnißmäßige Kosten zumuthen können. Die städtischen Behörden müßten als Vertreter einer Einwohnerschaft ohne besendern confessionellen Charakter nach wie vor die Forderung, höhere confessionelle Schulen zu errichte», zurückweisen. Diesem Anträge ihrer Schulcommission trat die Breslauer Stadtverordneten- Versamu lung am 9. d. M. mit an Einstimmigkeit grenzender Mehrheit bei. Und auch der Magistrat erklärte sich diesem Beschlüsse zustimmig, nacldem der Oberbürgermeister Hobrecht erklärt hatte, der Magistrat habe nur nicht geglaubt, die Initiative zum Leerstehen der mit so großen Opfern errichteten Schulgebäude ergreifen zu sollen; beschließe dieses aber die Stadtverordneten - Versammlung, so werde der Magistrat nicht widersprechen. Dann aber fuhr er fort: Waö hätten wir in Deutschland erreichen können, wenn das preußische CultuS - Ministerium in den letzten Jahren an den Raumer'schen Principien weniger sestgehaltcn hätte. Auch die mächtige Partei, welche es immer als einen Angriff auf die Religion ansieht, wenn man auch nur die höheren Unterrichtsanstalten ron der Herrschaft der Kirche befreien will, wird nicht unglücklich sein, wenn in der Vermehrung der Gymnasien ein Stillstand eintritt. Ein Jahrhundert ist vergangen