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Der Israelit · 1868-08-05 · Heft 32 (5.8.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 32 (5.8.1868)
Date
1868-08-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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600 Tanb; der Sieg bei Chorzim über die Türken war die glänzendste Perle in Sobieski's Ruhmeskrone. Noch während dieses Feldzuges, am 10. November 1673, starb König Michael. Am 19. Mai 1674 wurde Johann Sobieski auf dem Reichstage zu Warschau einstimmig zum König erwählt. So hatte sich das prophetische Wort des alten Rabbinen von Zolkiew erfüllt: Der kleine Jan war König von Polen geworden. Freude herrschte in Zolkiew: der große König, der gefeierte Held Johann Sobieski sollte auf seiner Reise die Stadt besuchen, in deren Nähe er das Licht der Welt erblickt hatte, nach der der Vater seiner Mutter, Stanislaus Zolkiewski, genannt worden war. Der Donner der Kanonen, das Geläute der Glocken meldete die Ankunft deö Königs; aus der Umgegend war Alles herbeigeströmt, um den berühmten Helden zu schauen; aus der Stadt zog die freudig erregte Menge mit Fahnen und Lichtern, mit Blumen und Kränzen zum Stadtthore, um den König und Herrn festlich zu empfangen. Da nahte der König auf schneeweißem Rosse; Todtenstille herrschte, als ihm der Starost Brod und Salz überreichte; dann aber brach der Jubel los und wie das Krachen des Donners, wie das Heulen des Sturmes, wie das Brausen des Meeres erscholl der begeisterte Ruf: „Es lebe der König, es lebe der Held Johann Sobieski!" Als der König, umgeben von den Großen des Reiches, von den Vätern der Stadt, im Stadthause auf goldenem Throne saß, da fragte er nach dem Juden Bezalel und erfuhr zu seinem Bedauern, daß der Edle und seine Gattin schon im Grabe ruhten. Dann schickte er hin und ließ Jakob vor seinen Thron fordern. Als Jakob vor dem Könige erschien, erbat er sich zuerst die Erlaubniß, sein Haupt bedecken und den vorgeschriebenen Segen sprechen zu dürfen. Mit lauter Stimme sprach er dann in hebräischer und polnischer Sprache die Worte: „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der von Seiner Herrlichkeit schwachen Menschen mitgetheilt hat!" Welche Gefühle mochten den guten Jakob bestürmen, da er in dieser Weise den Gespielen seiner Kindheit, den Retter seines geliebten Weibes begrüßte! — Bei den letzten Worten füllten sich seine Augen mit Thränen, io daß er es nicht sah, daß der König vom Throne stieg, um den Juden in seine Arme zu schließen. Verwundert schauten die Großen des Reichs auf den König und den Juden. Sobieski aber erzählte der horchenden Menge, daß Jakob nicht allein der Freund seiner Kindheit gewesen, sondern auch daß er den mißmuthigen, verzweifelnden Jüngling zu seiner ersten Waffenthat, die für sein künftiges Leben entscheidend werden sollte, angeregt habe. Am Abende desselbigen Tages war die Stadt Zolkiew aufs Prachtvollste illuminirt. Der König; ritt durch die Straßen, begleitet von den Jubelrufen seines treuen Volkes; vor dem bellerleuchteten Hause Jakobs stieg er ab, ging hinein, begrüßte Rebecka und ließ sich deren Kinder zeigen. Jakob war in der Synagoge, wo für das Heil des Königs gebetet wurde. Rebecka war anfangs kaum eines Wortes mächtig, allein der König war so leutselig und herablassend, > daß sie Muth fand, alle seine Fragen zu beantworten.» Ach, in den jüngsten Jahren war nicht Alles I nach Wunsch gegangen; das Vermögen des alten! Bezalel hatte sich nach seinem Tode bei weitem ge-» ringer herausgestellt, als man erwartet habe, und in 8 letzter Zeit hatten nicht allein die unruhigen Zeiten I das Geschäft gehemmt, auch große Verluste" hatte Jakob erlitten, und mit Schrecken sah Rebecka der gänzlichen Verarmung entgegen. Das Alles verhehlte Rebecka dem König nicht. Am andern Tage brachte ein königlicher Beamter dem überrasckten Jakob die Ernennung zum Generalpächter der königlichen Güter. Jetzt hatte alle Furcht und Sorge ein Ende. Jakob wurde bald ein reicher Mann. Als er sich beim Könige bedankte, sagte dieser zum Abschiede: „Sollte Dir oder Deinen Glaubensgenossen Jemand ein Unrecht thun wollen, so erinnere Dich, das; König Johann Dein Freund ist, der Dich und die Deinen zu schützen wissen wird." Der Generalpächter der königlichen Güter erinnerte sich oft dieses königlichen Wortes; er wendete seinen Einfluß dazu an, daß manches alte grausame Ausnahmsgesetz aufgehoben, manche drückende Fessel den Juden abgenommen wurde. Noch heute wird das Andenken Johann Sobieski's von unseren polnischen Glaubensgenossen, die ihn „Meilech Subetzki" nennen, gesegnet. Jakob ließ an der Stelle, wo seines Vaters Haus gestanden, ein schönes großes Gebäude aufführen, und jedesmal, wenn König Johann nach Zolkiew kam, da wobnte er bei seinem Generalpächter. „Mach'auf, Jakob," rief er dann wohl bei seiner Ankunft, „der kleine Jan bittet um Aufnahme!" Auch der hochbetagte Schameß Schmelke, der einst den kleinen Jan im Schnee gefunden, wurde vom Könige nicht vergessen und erhielt einen Gnadengehalt bis an das Ende seiner Tage. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf * Schnellpreff endruck von I. Gotttleben in Mainz.

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