Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1868)
- Date
- 1868-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Beilage za Nr. 31 des Israelit. Telegraphische Depesche. Die „Alliance lsr. UniY.“ übersendet uns folgende Depesche, die sie ihrerseits — datirt Marseille, den 21. Juli — von ihrem Sendling nach Abessynien erhalten hat: „Meine Reise nach Abessynien ist glücklich vollendet; das Resultat derselben ist ein befriedigendes; ich habe historische Documente gesammelt und nähere Beziehungen mit unsern Brüdern in Habesch angeknüpst. Ein junger Falascha begleitet mich. Joseph Halevy." Wir heißen Herrn H a l e v y in Europa willkommen und sind sehr begierig auf seine Berichte, die wir natürlich unsern Lesern in extevoo mittheilen werden; dieselben werden sich erinnern, daß die erste Anregung zu dieser wichtigen Sendung vom „Israelit" ausgegangen ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Seit einigen Wochen erscheinen in Ungarn zwei weitere jüdische Zeitungen, welche beide den uns vorliegenden Probenummern nach zu schließen, dem orthodoxen Principe zu huldigen scheinen. Es sind dies der „Beth Jakob" und die „jüdische Volkszeitung"; erstere erscheint in Ungavar, letztere in Kaschau; beide in jüdischen Lettern. Bei den gegenwärtigen Kämpfen in Ungarn werden benannte Zeitungen im Vereine mit dem in Pesth erscheinenden „Magyar Zsido" hoffentlich viel Gutes für das orthodoxe Judenthum erwirken. Wir wünschen diesen Zeitungen eine recht starke Verbreitung. □ München, im Juli. (Statistisches.) Die Bevölkerung des Großherzogthums Baden beläuft sich nach der neuesten Zählung auf 1,434,797 Einwohner, davon sind 22,600 Israeliten. Man hat ausgerechnet, daß in Polen auf 7 Einwohner, in Oesterreich auf 33, in Rußland auf 42, in Holland auf 52, in der Türkei auf 61, in Deutschland auf 105, in Belgien auf 333, in Italien auf411, in Frankreich auf433, in England auf466, in Skandinavien auf467, und in der Schweiz auf 595 Einwohner 1 Jöraelite kommt. Vom Kgl. Bayr. statistischen Bureau, unter Leitung des Staatsraths vr. von Herrmann stehend, wurde ermittelt, daß in Bezug auf die im vorigen Jahre vorgekommenen Selbstmordsälle in Bayern der geringste Procentsatz von allen Einwohnern bei dm Israeliten zu finden ist. j Fürth, im Juli. Der im Jahre 1861 gegrün-! dete Verein zur Unterstützung armer durchreisender \ Israeliten, dessen Zwecke ich bereits in der Beilage zu Nr.! 27 des „Israelit" 1867 veröffentlichte, drohte beinahe i zu zerfallen, indem die Unterstützten entgegen der auf l dem Ausstellungszettel befindlichen Warnung vor Hauö-! bettel dennoch durch letzteren die Gemeindeglieder der Art behelligten, daß Manche ihren Austritt aus dem j Vereine erklärten, ihn mit der anscheinenden Zwecklo-! sigkeit der Statuten begründend. Es wurde daher der > Beschluß gefaßt, zur Steuerung dieses Unfugs energische > Maßregeln zu ergreifen und dabei durch Erhöhung 1 der bisher geleisteten Beiträge, sowie durch Zutritt! der bisher dem Vereine noch nicht Angehörigen zu ermöglichen, daß die zu Unterstützenden erhöhtere Gaben auf ein Jahr erhalten sollten. Herr Rabbiner Or. Löwy, ersucht, von der Kanzel zum Beitritte zum Vereine und zur Erhöhung der bisher geleisteten Beiträge einzuladen, entledigte sich dieses mit Bereitwilligkeit übernommenen Auftrags in einer am 2. Tage Peßach gehaltenen Predigt, in Folge deren so viele sich als Mitglieder einschreiben ließen, daß der Verein jetzt über 7000 fl. jährlich verfügen kann. Wir schließen diesen Bericht, und glauben im Sinne aller dem Vereine Angehörigen zu handeln, wenn wir sowohl dem strebsamen Vorstande, als auch den uneigennützigen Vorstandsmitgliedern für ihre äußerst rührige Thätigkeit bei ihrer schwierigen, undankbaren Aufgabe öffentlich in diesen Blättern Anerkennung und Dank zollen, und diese ferner ermuntern, diesem Ehrenamte ihre Kraft zu widmen, einem Amte, das nicht äußern Glanz, nicht einträgliches Einkommen, wohl aber die nicht geringe Würde besitzt, daß dadurch ein heiliges, wohlthätigs Werk vollzogen wird, und es ist immerhin ein rühmliches Bewußtsein, der Gemeinde, in der man geboren, groß gezogen, oder welcher man angehört, seine stützende und leitende Hand zu bieten. S. H. Aus Unterfranken, im Juni. Seit dem 1. Mai d. I. ist Bayern in die Reihe derjenigen Staaten eingetreten, in welchen volle Gewerbefreiheit herrscht. Die letzten Ausnahmsgesetze, welche dem isr. Glaubensgenossen in Gewerbe und Handel noch im Wege standen, sind hierdurch zu Grabe getragen, so daß auch die neuen Civil- und Gemeindegesetze mit ihren frei-