Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1868)
- Date
- 1868-07-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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583 schlagen suchten, theils aus der zartfinnigen Zusendung des Blattes an die Adresse meines Schülers. Meinen Freunden gegenüber fühle ich mich daher verpflichtet, Aufklärungen über die derzeitigen Motive zu geben. Sowohl ehe ich meinen hiesigen Rabbinatssitz eingenommen, sowie auch noch mehrere Jahre nach meinem Amtsantritte wurde von einer gewissen ziemlich hell durchscheinenden Seite bei der Behörde ziemlich lebhaft gegen mich agitirt, und auf den Umstand hin, daß ich aus Preußen, dem Lande relativ größerer Aufklärung, gekommen, bei der damaligen Bach - Thunische Atmosphäre sehr viel gegen mich gewühlt, so daß ich sogar persönlich mehrmals meinen Conservatismus in religiöser und politischer Beziehung vor den damaligen Statthalterei - Behörden documentiren mußte. Da ich keine Lust verspürte, meinen geheimen und offenen Gegnern das Feld zu räumen, so verschaffte ich mir durch ein Verfahren, über dessen Unvereinbarkeit mit der Qualisication eines Rabbiners ich dem gelehrten Herrn Goldzieher den Nachweis überlassen muß, Ruhe, und da ich auch heute meiner Berufstätigkeit zu entsagen noch keine Veranlassung, das Apodict des H. G. aber blutwenig verschlägt; so kümmere ich mich darum sowenig, wie um manches Andere. Dr. Israel Hildesheimer. Aus 15. Juli, wird dem „Wdr." geschrieben: Im Cafe Goldschmidt spielten zwei Israeliten Billard und gaben auf die Frage eines Kurassierlieutenantö: Wie lange sie noch spielen würden? zur Antwort, daß nach drei Partien das Billard zu seiner Verfügung stehen würde. Als sie demungeachtet noch zu einer weiteren Partie sich anschickten, sprang der Herr Lieutenant in höchster Wuth auf, riß dem einen der Spieler den Queue aus der Hand und ries: „Nicht einmal Billard spielen kann man wegen der stinkenden Juden." Von mehreren Seiten ausgefordert, diese Worte zurückzunehmen, replicirte der Herr Baron entrüstet: „Das wäre das Letzte, sich bei diesem Judenpack zu excusiren," und gab damit das Signal zu einer Scene, die derartig in Tätlichkeiten ausartete, daß der Lieutenant, der sich durch alle Zimmer flüchtete, später im Hose übel zugerichtet aufgefunden wurde. Von dort wurde er mittelst Wagen nach Raab tranSportirt, wie man vermuthet, um sich bei seinem dortigen Regimentskommandanten zu verantworten. Den weiteren Schritten in dieser Angelegenheit sieht besonders die 1400 Familien zählende Judengemeinde begreiflicher Weise mit der größten Spannung entgegen. Zur weiteren Characteristik dieses Lieutenants wird hier erzählt, daß derselbe vorige Woche, in die Conditorei von Much kommend, mit dem Taschentuche fächelte und dabei sich äußerte: „ Er müsse vor Allem diesen stinkenden Judengeruch hinaustreiben." (Es scheint diese Redensart eine Reminiöcenz aus dem Processe „C h o r in s? i" zu sein.) Palästina. □ Durch den Beitritt der türkischen Regierung zur „Internationalen Telegraphen - Conferenz" (vom 17. Mai 1865) erhält auch Palästina eine Telegraphenleitung und finden in Folge dessen auf die Correspondenz mit der asiatischen Türkei sie Bestimmungen des genannten Vertrags Anwendung. Die türkische Terminal-Taxe beträgt von der deutschösterreichischen Vereinsgrenze ab nach dem hl. Lande 12. Frcs. für die einfache Depesche. — Amerika. Vor Kurzem starb dahier Herr Dr. Raphael, einer der conservativsten Rabbiner Amerikas, welcher sich auch als Literat eines großen Rufes zu erfreuen hatte. Er war 1798 in Stockholm geboren, sein Vater, Hosbanquier des Königs von Schweden, ließ ihm schon frühzeitig eine gute Erziehung zu Theil werden. Im jüdischen Seminar zu Kopenhagen zeichnete er sich so sehr ans, daß er schon zu seiner den 12,1 Titel erhielt. Er ließ sich später in England nieder, wo er die jüdische Zeitung „Hebrew Review" herausgab und außerdem noch viele Werke verfaßte. Als im Jahre 1840 Verfolgungen gegen die Juden in Damascus ausbrachen, vertheidigte er die Verfolgten in einer in vier Sprachen herausgegebenen Schrift. 1841 wurde er als Rabbiner in Birmingham angestellt. 1847 veröff'ntlichte er seine berühmte Adresse an die Londoner Wähler, welche sehr viel dazu beitrug, daß Baron Rothschild in's Parlament gewählt wurde. ~849 erhielt er einen Ruf nach Newport, woselbst er in der B'ne Jeschurun-Gemeinde bis 1666, in welchem Jahre er pennonirt wurde, als Rabbiner fungirte. Er war stets ein Venheidiger des echten Judenthums gewesen. Die von uns bereits annoncirte Versammlung, welche Schritte zur Heiligbaltung des rap thun will, hat jüngst stattgefunden. 24 Gemeinden hatten sich durl> Delegirte vertreten lassen. Sämmtliche Anwesenden versprachen. Alles aufzubietcn, das; sämmtliche Glieder ihrer Gemeinden fernerhin ihre Geschäfte am rutf schließen. Ein Counts wurde ernannt, das Pas Weitere in dieser wichtigen Sache veranlassen soll. Feuilleton. Der kleine Jan. (Fortsetzung.) IX. Im Hause Bezalel's in Zolkiew berrschte die tiefste Trauer nicht allein um die geraubte Rebecka, sondern auch um Jakob, von welchem, seitdem er das väterliche Haus verlassen, nicht die geringste Kunde gekommen war. Da drangen die ersten Nachrichten von