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Der Israelit · 1868-07-29 · Heft 31 (29.7.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 31 (29.7.1868)
Date
1868-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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579 gewechselt. Individuell genommen, ist der Muhamedaner unseren Brüdern zwar abgeneigt, im Allgemeinen aber nähert er sich denselben und setzt auf sie großes Vertrauen. Die Juden hatten in der Türkei Seitens der Islamiten noch nie grausame Verfolgungen zu erleiden; alle dort erlebten Mißgeschicke waren von Griechen oder anderen Christen verursacht worden. Juden und Türken stehen in vielfacher Geschäftsverbindung und verkehren im Allgemeinen friedlich miteinarwer. Zn den türkischen Regierungskreisen herrscht ein milder, barmherziger Geist, der sich, trotz mancher Ausschreitungen von Seiten barbarischer Beamte, nie verleugnet hat. So kurz ich in der Schilderung dieser Verhältnisse mich fassen mußte, wird dennoch der nachsichtige Leser aus dem Gesagten manches Verschwiegene sich erklären können. Sehr fanatisch sind noch immer die Bewohner der entfernteren Provinzen, wie die Kurden in Kleinasien, die Araber im Zrak re. rc. Der wahre echte Türke ist jener, welcher dem eigentlichen Türkenstamme, meistens auch dem Beamtenthume oder der bevorzugten Elaste angehört. Dieser ist der entschieden beste Muhamedaner. Grausam fanatisch sind die Schiiten oder Iersanischen Muhamedaner; mit Berichten von der gräulichen VersolgungSsucht derselben will ich das Herz Ihrer Leser nicht betrüben. Die tolerantesten Muhamedaner sind die, welche in der europäischen Türkei ansässig sind; die fanatischsten die von Jerusalem. — Ich verlasse nun diesen Gegenstand, um zur Fortsetzung meines beutigen Themas zurückzukehren. (Fortsetzung folgt.) gettrrngsnschriehte« rrnd tSvtreipon Denzen. Deutschland. Ulm, 15. Juli. Wir haben in Nr. 30 die Nachricht gebracht, daß die Stadt Mm unfern Glaubensgenosten Di. Ed. Pfeifer als Abgeordneten in die zweite Kammer gewählt hat. lieber diese Wahl drückt besonders das „Deutsche Volksblatt" in Stuttgart seinen Schmerz aus, weil der Erwählte ein Jude ist. Die „Ulmer Schnellpost", die uns von befreundeter Hand zugeschickt wurde, bringt eine Entgegnung auf diesen Schmerzensschrei. Der Artikel der „Ulmer Schnellpost", welcher für unsere geehrten Leser nicht! ohne Interesse sein wird, lautet:! „Es versteht sich von selbst, daß wir, nachdem! die Wahl vorüber ist, sowohl den gegnerischen Kandidaten Di. Adam, dem wir nie das Zeugniß versagt haben, daß er seinen Standpunkt in der deutschen Frage nicht erst seit dem Jahre 1666 behaupte, son-! dern so lange wir ihn kennen, als auch seine Anhän-! ger nun unbehelligt lassen, daß wir namentlich auf! Angriffe, sogar auch auf Unwahrheiten, die gegen das j Verhalten unserer Partei abgedruckt worden sind und abgedruckt werden sollten, in unserm Blatt womöglich gar keine Erwiderung geben werden. Das kann uns aber nickt hindern, barbarischen Grundsätzen entgegenzutreten , die jetzt in Folge unserer Wahl sich bem'erklich machen. So bringt das gegnerische ultramontane „Deutsche Volksblatt" in Stuttgart einen langen Artikel über „Ulm und die Juden'." Cs nennt, wie wir, den 8. Juli einen denkwürdigen Tag in der Geschichte der Stadt Um, da in ihr Ed. Pfeisir, der Sohn Israels, gewählt sei, um die alte Reichsstadt in der Kammer zu vertreten. „Er siegte — so heißt es — über Dr. Adam, das alte Ulmer Kind," über einen Mann, der kein Jude ist. Und nun wird ein Bild von der Vergangenheit entrollt, woraus wir lernen sollen, wie ehedem die alten Ulmer mit den Juden verfahren und die neuen Ulmer so ganz aus der Art gescklagen seien. Man höre: „Im Jahr 1348 wurde ein Brief aufgefunden, den die Juden von Jerusalem u. s. w. unmittelbar nach Christi Kreuzigung an ihre Glaubensgenossen in Ulm geschrieben haben sollen. Das merkwürdige Schreiben lautet also: „Ihren Brüdern jenseits des Meeres, den Juden in Ulm in Schwaben wünschen die Brüder zu Jerusalem und in Canaan Heil und Frieden! Nachdem wir von einer großen Drangsal erlöset worden, danken wir Gott billig dar'ür und berichten Euch, daß der gottlose Verführer, Jesus von Nazareth, Josephs Sohn, getödtet und aus dem Wege geräumt worden. Denn da wir seine Gotteslästerungen nicht mehr ertragen konnten, so verklagten wir ihn bei dem römischen Landpfleger, der, nachdem er unsere Klage gehört, diesen Menschen aus Barmherzigkeit gegen uns nach Verdienst geißeln und kreuzigen ließ, worauf seine Jünger verjagt und in alle Welt zerstreut wurden. Lebet wohl! Offenbar — so fährt der Corr. fort — ist dies Schreiben aus der Feder eines Christen; zu welchem Zwecke werden wir bald sehen." Nun, zu welchem Zweck hatte der Christ dies Schreiben geschrieben? Der Correspondent des „Deutschen Volksblatts" schreibt: „Als um dieselbe Zeit die Pest ihre schrecklichen Verheerungen anrichtete, fiel gar auf die Juden der Verdacht, sie durch Vergiftung der Brunnen herbeigeführl zu haben. Damit waren sie der blindesten Volksjustiz verfallen und starben in den Jahren 1347—49 im Schwabenlande allerwärts tausende des Feuertodes, besonders zu Augsburg, Memmingen, Konstanz, Freiburg, auch in Ulm. Doch wurde hier dem Iudenbrennen durch die oberschwäbischen Landvögte, die Grafen von Helfenstein, bälder Einhalt gethan. Deren Ein-

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