Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1868)
- Date
- 1868-07-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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571 H«MM. Am 15. Juli hat hier in Hamm das Kuratorium der Marks - Haindorf'schen Stiftung behufs der Wahl eines Directors des Lehrerseminars zu Münster eine Sitzung abgehalten und ist in derselben der Rector Dr. Rosenstock auö Posen zum Seminardirector erwählt worden. O. Kalmo, Lehrer. Altena (Weftphalen), 25. Juni. mN5n moy nunn npiy “p-u row. Dieser Gedanke drängte sich mir unwillkürlich auf, als ich heute die irdischen Ueberreste des Herrn Abraham Hanf b"l zur letzten Ruhestätte geleitete. Ein Leichenzug so groß, wie er hier schon lange nicht mehr zu sehen war, legte ein glänzendes Zeugniß ab für die allgemeine Liebe, deren sich der Dahingeschiedene erfreut hat. Wahrlich, eine herrliche Strahlenkronc zierte daö graue Haupt deö in seinem Ul. Lebensjahre Dahmgcschiedenen in der Achtung und Liebe, die er sich erworben, erworben in des Wortes vollster und strengster Bedeutung. Denn als unbemittelte Waise kam derselbe vor ca. 50 Jahren in hiesige Stadt. Durch seinen unermüdlichen Fleiß, seine strenge Rechtlichkeit, seine Umsicht gelang es ihm, sich emporzuschwingen und ein Vermögen zu erwerben, mit dem er nach allen Seiten hin Gutes zu wirken suchte. Zn ihm hat unsere Gemeinde eine Hauptstütze für alles Gute verloren. Er war noch eine jener Kerngestalten, die strenge festhaltend an der von unfern Vätern überlieferten Religion, stets bereit sind, für alles Gute einzutreten und es fördern zu helfen mit aller Kraft. Er war streng orthodox. Wie Mancher in hiesiger Stadt betrauert in dem Dahin gegangenen den treuen Rathgeber, den uneigennützigen Helfer zur Zeit der Roth! 71333"? pns “idt. Sein Andenken wird darum in unserer Mitte fortleben. Mögen Alle, die ihm nahe standen, die ihn kannten, sein Andenken durch Nacheiferung im Guten ehren. N. Schnitzler, Lehrer. Aus dem norddeutschen Bunde, im Tamus, (Privatmitth.) Dem Friedhofe der israelitischen Gemeinde zu Altona droht Gefahr, geschlossen zu werden. Dieser Friedhof liegt nämlich, ebenso wie der der Katholiken. Reformirten und Menoniten, innerhalb der Stadt. Vorigen Montag inspicirten nun der zeitweilige Vertreter des Physicus, Herr I)r. Kraus unter Assistenz eines Polizeibeamten, diese verschiedenen Kirchhöfe innerhalb der Stadt, um an den Magistrat einen Bericht abzustatten über die Einwirkung dieser Kirchhöfe und der auf denselben noch stattfindenden Beerdigungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Was nun den israelitischen Friedhof anlangt, wird gewiß nicht ohne Erfolg in Berücksichtigung gezogen werden müssen, daß die Zsraelten überhaupt ihre Gräber nicht unter ein gewisses Maaß Tiefe graben und die einmal gefüllten Gräber nicht, wie die Bekenner anderer Confesstonen, behufs Ausgraben der Leichen wieder öffnen, wodurch Miasmen weniger zu befürchten sind. — Es ist wohl all' unfern Lesern bekannt, daß das Vorlesen aus der hl. Thora an Sabbat- und Festtagen ein Cardinalpunkt ist, an den sich die nivellirendeu Bestrebungen der modernen Reform zuerst heranwagm; da wird schnell der dreijährige Cyklus eingeführt und der Neformgottesdienst in optima forma hat begonnen; Orgel und sonstige Attribute kommen dann von selbst. Wie arg aber solche Gemeinden daran warvr, die so gerne zu den s. g. „Neutralen" zählen und weder rereformistisch noch orthodox sein möchten, daran hat wohl noch Niemand gedacht. Ein Ausweg gerade in diesem Punkte ist auch wirklich schwer: wählt man den dreijährigen Cyklus, so wird man gleich als Reformer verschrieen, behält man aber den einjährige bei, so ist man orthodox und das möchte man noch weniger sein. Dem Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Ahrensburg (an der Lübeck-Hamburger Bahn) war es Vorbehalten, einen solchen Ausweg zu finden und er hat ihn auch gefunden, einen Ausweg so einfach, daß man es nur nicht begreifen kann, daß er erst jetzt erfunden wird. Die neue Erfindung selbst betreffend, so besteht die darin, daß man ganz einfach das Vorlesen aus der hl. Thora, rotcQ ganz und gar wegläßt. Zn Ahrensburg, einer Holsteiner israelitischen Gemeinde von ungefähr 8—10 Familien wendet man dieses Mittel schon einige Zeit an und — probatum est. — Warum aber allen Ernstes der Vorstand der kleinen iSrael. Gemeinde Ahrensburg das Vorlesen aus der Thora inhibirt, wissen wir nicht genau; es mögen aber der Motive sein, so viel sie wollen, so bleibt es immerhin Unrecht. — Sie haben bereits schon gemeldet, wie von den israelitischen Gemeinden Oesterreichs das zu frühe Hinscheiden des wackeren Vertheidigers ihrer Rechte, des Br. MLHlseld tief betrauert wird und diese Trauer in Extragotteödiensten rc.^ jc ihren Ausdruck findet. Wir haben mm nachträglich eine diesbezügliche Nachricht erfahren, die zu sonderbar ist, um verschwiegen zu werden. Da Mühlfeld, wie bekannt, den geistigen Zmpuls zur socialen Hebung und Gleichstellung der österreichischen Zuden gab, haben die meisten der jüdischen Gemeinden Oesterreichs in dankbarer Anerkennung dieses Wirkens Trauergottesdienste für den Verschiedenen abgehalten. Wien allein, die Stadt, wo Mühlfeld gelebt und gewirkt, blieb nach dieser Richtung hin zurück. Der Prediger der dortigen Gemeinde, Br. Zellenik, hatte schon alle Vorbereitungen zu einer Feier getroffen, als der Abgeordnete Kuranda — außer ihm sitzen nur zwei Israeliten, Winterstein und Br. Landesberger im Hause der Abgeordneten — erklärte, er sei von sehr hochgestellter Seite ersucht worden, die Vermeidung jeder Demonstration für Mühlseid zu bewerkstelligen. Kuranda besitzt vie-