Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1868)
- Date
- 1868-07-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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H Jahrgang. Beilage zu Rr. 30 des Israelit. Leitender Artikel. Der öffentliche Gottesdienst. (Fortsetzung.) Altona nx pu ’JJn :"noV :di^p ’nna Nachdem nun der Verfasser nach seiner Weise die ^nasi Berechtigung zur erneuerten Reform des öffentlichen Gottesdienstes bewiesen zu haben glaubt, ergeht er sich in der historischen Mittheilung über die glänzenden Resultate, welche die früheren Reformen erzielt haben. Wir müssen hier die Worte des Verf. in extenso zur näheren Würdigung kvrführen, was du, lieber Leser, gütigst entschuldigen wollest. Sie lauten : „Niemals wurde dieser Gegenstand ernstlicher diöcutirt als in den vierziger Jahren" (ru'ü'? D’yaix p). Verfasser hat keinen Sinn für die Vergangenheit, natürlich, da fehlte ja noch die „allgem. Ztg. des I.", sonst würde er wissen, daß schon im 2. Decennium des erleuchteten 19. Jahrhunderts dieser Gegenstand sehr ernstlich discutirt wurde und zwar bei der Entstehung des Hamburger Tempels des px~i 3ns p~ip ruytn; doch gehen wir weiter: „er war auch vorzugsweise die Discussionen der drei Rabbinerversammlungen; die Punkte, welche besonders besprochen wurden, waren: einen Th eil der Gebete in der Muttersprache abzufassen, die überflüffigen (?) Gebete zu beseitigen und so die Dauer des Gottesdienstes (das ist des.Kern), die durch die Reformen sich noch auszudehnen drohte (sehr naiv), zu verkürzen, darum auch den dreijährigen Cyclus der Thoravorlesung anzunehmen, die Orgel einzuführen, inhaltlich gewisse Gebete umzuformen, in welchen die Engellehre, die Rückkehr nach Palästina und die Wiederherstellung des Opferdienstes ausgesprochen waren". Da der Verfasser uns hier das Resumo jener Versammlungen miitheilt, so begnügen wir uns für heute auch mit der Miltheilung eines entgegengesetzten Resum«. Bereits bei dem Entstehen des obenerwähnten Hamburger Tempels haben die b"x“i mn *oan erklärt, daß es verboten ist, die Gebete zu verkürzen, die Muttersprache und die Orgel beim öffentlichen Gottesdienste einzusühren. — Siehe ausführlich darüber in dem nnan — Ebenso hatte unser hochgeachtete, ehrwürdige Oberrabbiner I. Ettlinger wuw uv' i'ix' 'm D’D’yJu in den vierziger Jahren, um mit dem Verfasser zu reden, mit sehr vielen Rabbinen einen Protest gegen sämmtliche Beschlüsse der Rabbinerversammlung erlassen in seinem bekannten Aufrufe wett 'Qipp btt vx^p' »33. — Wir haben also nicht nöthig, unS hier nochmals auf eine specielle Widerlegung obiger Punkte einzulassen. Im Interesse der jüngeren Generation werden wir 7>"'X später einige Auszüge aus dem sehr lehrreichen nnan nm geben. Für heute genügt es uns, Resultate gegen Resultate aufzustellen. Und welchen Erfolg hatten jene drei Rabbinerversammlungen? Darüber belehrt uns der Verfasser im Folgenden: „Es entstanden hierüber vielfache Streitigkeiten, als man in den Gemeinden zur practischen Ausführung schreiten wollte. Zwei Momente machten diesen Streitigkeiten ein Ende; die 1848 eintretetende allgemeine politische und sociale Bewegung, welche den liturgischen Streit in den Hintergrund drängte, und die Friedensliebe der Gemeinden im Allgemeinen, welche des Gezänkes überdrüssig ward." Wir sind dem Verfasser für dieses naive Gcständniß sehr dankbar. Besser konnte man den Standpunkt unserer Gegner nicht characterisiren, wie er cs mit diesen Worten gethan hat. Betrachten wir uns die 2 Momente genauer. Das Jahr 1848 mit seinen politischen und socialen Beziehungen verdrängte den liturgischen Streit. Wem fällt nicht hierbei jener Wahlspruch unserer jugendlichen Ellenritter ein, die für nap weiter keine Entschuldigung haben, als „Herrendienst geht vor Gottesdienst." Diese jungen Herren, welche für Freiheit schwärmen, haben kaum den ersten Begriff der Freiheit gefaßt, sonst würden sie wissen, was es ist „Herrendienst." Unsere heilige Thora lehrt uns anay?nip' ya 'v *a, wozu die Bemerkung unserer D'can: onay^ onay xt>i on ’“ay Nichts weniger heißt es, wenn man erklärt, daß sociale und politische Bewegungen den liturgischen Streit verdrängen können. Es zeigt sich hier das ganze □'BP uwb xr>p, oder um mit dem Verfasser zu reden, die mehr oder weniger reine Triebfedern der Parteiungen. Jede npi^na, welche d'dp db6 geführt wird, hat keine Grenze, sie wird nicht durch zeitliche Momente verdrängt werden, sie wird solange sortdauern, bis die Wahrheit von beiden Seiten erkannt ist, sie hat eine reelle Basis, und muß zum Ziele führen. Anders aber ist die dp1? xi>p npiano □'DP, sie hat einen Nebenzweck, darum D”pnrP nsro;'x, ihr Endziel ist nicht die Erhaltung. Vermochten also politische und sociale Bewegungen, die liturgische Streitfrage zu verdrängen, so ist dieses ein klarer Beweis, wie unsaubere Motive den Streit veranlaßt haben. Entweder galt es bloß uvna'aD ipx D’un toa n'rui — oder richtiger urox Daina npx; oder hat es den Zweck gehabt op npyji, die Anführer wollten sich einen Namen machen. Das Eine wie das Andere kennzeichnet sich selbst und bedarf keiner anderen Wi-