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Der Israelit · 1868-07-22 · Heft 30 (22.7.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 30 (22.7.1868)
Date
1868-07-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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568 weit als möglich von dem Kriegsschauplätze zu entfernen. Als sie eine Zeit lang gelaufen war, sah sie daS Thürmchen einer Dorfkirche. Sie verfolgte die Richtung und kam bald auf einen gebahnten Weg, welcher dem Dorfe zuführte. Kaum hatte sie dieses erreicht, so erblickte sie ein Gasthaus; es war das erste Haus am äußersten Ende des Dorfes. Die große Mesusah an der Hausthüre ließ sie zu ihrer unbeschreiblichen Freude erkennen, daß der Besitzer ein Jude sei. Aber die Freude nach den furchtbaren Schrecken der jüngsten Tage raubte der erschöpften, kaum siebenzehnjährigen Frau die letzte Kraft; leblos sank sie an der Schwelle des Hauses nieder. Doch derWirth und die Wirthin hatten sie kommen sehen; sie eilten an die Hausthür und trugen die Ohnmächtige herein. Dann entkleidete sie die Wirthin mit Hilfe ihrer Tochter und brachte die Leblose in's Bett; man wusch ihr die Schläfen mit Spiritus und flößte ihr ein wenig Wein ein. Als sie erwachte, wußte sie lange nicht, wo sie war. Dann aber besann sie sich und erzählte den Wirthsleuten ihre Schicksale. „Gelobt sei Gott," sprach der Wirth, „der Euch errettet hat aus dem Rachen des Wolfes Chamil. Bleibt bei mir, bis wir in Sicherheit sind vor den Kriegern, die jetzt die Gegend erfüllen; dann führe ich Euch zurück nach Zolkiew zu den Euren." — VIII. Als die Kosacken -und Tartaren geschlagen und der glänzende Sieg für Polen entschieden war, ließ es SobieSki sich angelegen sein, nach der Frau seines Zugendgespielen zu forschen; sie war nirgendwo zu finden. Jakob war in der größten Verzweiflung. Er konnte sich kaum des Sieges freuen, da dieser ihm nicht die gehoffte Wiedervereinigung mit der geliebten Gattin gebracht hatte. Die Feinde waren so völlig geschlagen, daß sie an ihrem Glücke verzweifelten, Deputationen an den König sandten uud um Frieden baten. Dieser wurde ihnen denn auch unter billigen Bedingungen gewährt. Vorher sandte Sobieski Abgesandte an Chamil, um die Frau seines Freundes zu fordern. Diese kamen unverrichteter Sache zurück, da Chamil behauptete, nicht zu wissen, wohin Rebecka gekommen sei. Natürlich-glaubte man ihm nicht, sondern vermuthete, daß er das Weib Jakobs versteckt halte, um es mit nach der Ukräne zu schleppen. Wäre es Sobieski nachgegangen, so würde der Krieg um Rebecka's willen auf's Neue entbrannt sein; allein der König entschied, daß, da es nicht erwiesen, daß Rebecka sich noch in Chamils Gewalt befinde, man diesen Streitpunkt fallen lassen müsse. — Der Wirth, bei welchem Rebecka unterdeß eine Zufluchtsstätte gesunden, saß eines Abends mit den Seinen beim Abendbrot; Rebecka saß mit am Tische; sie hatte sich wieder erholt — nur die Sehnsucht nach ihrem Gatten und ihren anderen Verwandten verzehrte sie fast. Da hörte man Pferdegelrappel. „Entfernt Euch in's Nebenzimmer!" rief derWirth Rebecka zu; „ es sind die von der Schlacht heimkehrenden Krieger; es ist besser, wenn sie keine junge Frauenzimmer vorsinden." Rebecka ging mit der Tochter des Wirths in's Nebenzimmer, während Wirth und Wirthin an die Thüre eilten, ihre Gäste zu empfangen. Ein junger, vornehmer Krieger stieg mit einigen Begleitern vom Pferde; sie waren augenscheinlich auf der Heimkehr begriffen und wollten im Dorfe übernachten; auch ein junger Jude befand sich unter den Begleitern des Edelmannes. Der Wirth brachte, nachdem die Gäste es sich bequem gemacht und die Pferde untergebracht waren, Speise, Wein und Meth. Die hungrigen Krieger ließen eö sich gut schmecken; nur der Jude aß nicht und trank nicht. „Warum issest und trinkest Du nicht, Jakob?" fragte der Edelmann. „Du bist doch bei einem Glaubensgenossen!" „„ES ist nicht deßhalb, Herr!"" antwortete der Jude. Beim Tone dieser Stimme durchrieselte es die im Nebenzimmer befindliche Rebecka. Sollte es möglich, sollte der Sprecher Jakob, ihr Jakob sein? Und als der Edelmann fortfuhr zu reden: „Ich weiß es, der Kummer um Dein verlorenes Weib raubt Dir den Appetit!" da lauschte sie athemlos auf die Antwort; sie öffnete die Thür ein wenig, um besser hören zu können; Und als nun Jakob antwortete: „ „Herr, wenn Ihr wüßtet, wie sehr ich meine Rebecka liebe, Ihr würdet Euch darob nicht verwundern!"" da stürzte die Vermißte herein, fiel mit lautem Aufschrei ihrem Gatten um den Hals und rief mit vor Thränen erstickter Stimme: „Jakob, mein Jakob!" Und Jakob war seiner Sinne kaum mächtig; er machte sich los und starrte Rebecka an wie eine Erscheinung aus einer andern Welt. Dann aber umfaßte er sie mit beiden Armen und sing laut an zu weinen. Auch Sobieski und seinen Kriegern traten die Thränen in die Augen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — »erlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf»Schnellpreg endruck von I. Gottsleben in Rain».

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