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Der Israelit · 1868-07-22 · Heft 30 (22.7.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 30 (22.7.1868)
Date
1868-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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564 Dies ist der Glanzpunkt der Erzählung, soweit sie die Juden berührt. WaS der Verfasser uns weitererzählt, wie unglücklich die getaufte Rebecka mit dem adeligen Dandy geworden ist, der sie als Gattin heimführte, wie dieser ihren Vater, den Commercienrath Jtzigsohn, in's Wasser wirft und sich ihm dann nachftürzt, kennzeichnet wohl die sittliche Fäulniß der modernen Gesellschaft, und wäre auch — weil tatsächlich aus dem Leben gegriffen — weiter nicht anstößig, wenn der Herr Pastor seine predigtartigen Bemerkuugen über die Juden unterlassen hätte, von denen wir zum Ergötzen unserer geschätzten Leser jetzt eine kleine Blumenlese geben werden: „Vor 20 und mehr Jahren hatte Israel noch nicht das gelobte Land der fernsten Gegend der Residenz eingenommen." — „Die Arro ganz der Juden findet in der Anbetung des goldenen Kalbes von Seiten der Christen ihre Entschuldigung." — „Uebertriebene Liebe zu den Kindern ist nicht selten ein Grundzug jüdischen Characters." — „Feigheit ist seit der Zeit, daß der Fluch in Erfüllung gegangen, — Gott wird Euch ein bebend Herz geben — ein Erbtheil des jüdischen Characters." — Einem streng orthodoxen Juden, Abraham Levi, werden, diesen modernen Gestalten gegenüber, folgende zarte Worte in den Mund gelegt: „Sie sehen, daß der Gott unserer Väter ein gerechter Gott ist. Sie sind eine Nazarenerin, eine von den Gojim's geworden, um einen von dem verfluchten Saamen zu heirathen,-gelobt sei der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." — Mit solchen Gesinnungen tritt nun Herr Pastor Stephani auf die Kanzel vor sein Publikum, mit solchen Gesinnungen und solchen Anschauungen tritt er vor die deutsche Lesewelt hin, und — merkwürdiger Weise — hat noch kein einziger der zahlreichen Recensenten dieses so viel Aufsehen erregenden Nomanes in allen deutschen Blättern es für gut befunden, den edlen Herrn Pastor dafür zurecht zu weisen. Doch die Strafe folgte hier der bösen That auf den Fuß. Herr Pastor Stephani wurde von seinem Amte — wie es heißt — suöpendirt und mußte, wollte er nicht Alles verlieren, öffentlich die ganzen Consequenzen seiner „Leokadie" widerrufen. Merkwürdig hierbei ist eS, wie ein Mann den Juden die zwei schönen Tugenden „Arroganz und Feigheit" ungescheut vorwirft, die er selbst in höchstem Grade besitzt. Oder ist es etwa keine Arroganz, mit solchen mittelalterlichen Gesinnungen wie eine Nachteule aus tiefem Verstecke hervorzukriechen, und hinaus auf den Markt des Lebens die gemeinsten Verdächtigungen zu schleudern, die einem Eisenmenger Ehre gemacht hätten? Oder ist es etwa keine Feigheit, dies unter dem Schleier edler Anonymität zu thun und dann die Folgen seiner Voreiligkeit fürchtend, in einem Athemzuge alles vor wenigen Wochen Gesagte zu widerrufen? Dies ist Alles, was wir über diesen Roman zu sagen haben, und wir können jetzt von Herrn Nessel- Stephani getrost Abschied nehmen, mit der herzlichen Versicherung, daß wir die Verachtung, die er dem Judenvolke angedeihen läßt, ihm im vollsten Maaße wieder zurückgeben. Breslau, den 20. Juni 1868. Gustav Karpeles. Zeitungsnachviehten und Correspondenzen. Deutschland. Düsseldorf, 11. Tamus. „Hilf, Herr! ein Frommer ist verloren." Dieser Schmerzensschrei, welcher seit einigen Tagen innerhalb der hiesigen und benachbarten Gemeinden von Mund zu Munde geht, wird sicherlich auch in weiten Kreisen einen lauten Wiederhall finden beim allmählichen Kundwerden der Trauerbotschaft: Herr S. H. Prag, der erste Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, der Vater der Armen, der aufrichtig fromme Jude, der alle Zeit opferbereite Förderer jüdisch religiösen Lebens und religiösen Wissens, Herr S. H. Prag, weilt nicht mehr unter den auf Erden Lebenden. In der Nacht vor Donnerstag dem 5. Tamus wurde er von einem lähmenden Schlaganfalle betroffen, am darauf folgenden Tage, kur; vor Eingang des heiligen Sabbats, ist er zur ewigen Sabbatruhe eingegangen, und Sonntag, den 8. Tamus, haben wir mit von Thränen strömenden Augen und von tiefem Wehe erfülltem Herzen, was an ihm sterblich war, in den kühlen Schooß der Erde gebettet. „Wehe um den bescheidenen und demüthigen, wehe um den wahrhaft frommen Mann, wehe um den Schüler unseres Vaters Abraham!" so hat am offenen Grabe mit beredten und begeisternden Worten der Rabbiner der Cölner Gemeinde, Herr vr. Schwarz, im Namen der auswärtigen Gemeinden Rheinlands geklagt, nachdem Herr vr. Plato im Sterbehause die Verdienste des Edlen, der als Vermittler „zwischen den Lebenden und den Todten gestanden," um die hier vor einem Jahre hauptsächlich durch seine Bemühung gegründete Lehrerbildungs-Anstalt gerühmt, und der hiesige Rabbiner am Eingänge des Friedhofes den unermeßlichen Verlust seiner Gemeinde betrauert hatte. Das Leichengesolge war so zahlreich, wie man solches kaum jemals gesehen hat; außer sämmtlichen Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde und einer mindestens ebenso großen Anzahl auswärtiger Glaubensgenossen haben sehr viele angesehene andersgläubige Mitbürger, unter diesen der Oberbürgermeister und

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