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Der Israelit · 1868-07-22 · Heft 30 (22.7.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 30 (22.7.1868)
Date
1868-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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563 i l t r h t, u ivc et le na- SB in I o- I rt, (in cht »en let ibe eierber ms -ser (ige te^t ett' heil; in g«i, zu erforschen eifrigst bemüht ist, auch namentlich darin: es täglich und stündlich mitansehen zu müssen, wie so Viele in JSrael's Mitte sich immer weiter und weiter von den Bestrebungen entfernen, die uns als die einzig wahren und rechten gelten müssen, für die kein Ort, keine Zeit und keine Umstände bestimmt, weil nichts von allen diesen ausgeschlossen, wo es die Wahrnehmung jener gilt, für die unsere Vorfahren mit dem Besten und Theuersten, das ste besessen, einstanden, so lange sie eben von den besten, edelsten und und heiligsten Empfindungen durchdrungen waren, mit deren Verlustiggehen aber sie gleichzeitig ihr Glück und ihren Segen, ihren Ruhm und ihre Größe, ihre Stärke und ihre Unüberwindlichkeit einbüßten, wie dies scharfsinnig genug in dem Ausspruche eines alten Lehrers ausgedrückt ist: i"di mn no ’Jdo tvipo „Warum mußte die Zerstörung des Heiligthums und der Fall des jüdischen Reiches vor sich gehen? Weil sie zuerst von Gott und Seiner Lehre abfielen, und in Folge dessen bald auch die Schranken der Sittlichkeit und Rechtlichkeit zu durchbrechen keinen Anstand nahmen." Blicken wir endlich und unparteiisch um uns und gewiß, wir werden dann die Ursachen der betrübenden Wahrnehmungen von der Abnahme alles echt jüdisch-religiösen Lebens in die Worte Jeremias zusammenfassen können: rw: nx p»i Dann tcnxn »o „Wo ist der weise Mann, daß er dies einsähe oder zu dem des Ewigen Mund selbst es geredtet, daß er es weiter verkünde: warum nämlich der Boden, auf dem unsere Väter Jahrtausende hindurch ihre Samenkörner fleißig ausgestreut, jetzt verödet wie eine Wüste daliegt, die Niemand durchwandert? Und Gott antwortet auf diese Frage: Weil sie Meine Lehre verlassen, die Ich ihnen als gnadenreiches Geschenk verliehen, auf Meine Stimme nicht hörten, und nicht darnach wandelten!" (Jer. 9, 11—12.) Gewiß, wir haben an dem Gedenktage des neunten Ab in der Gegenwart mehr als jemals zu betrauern und zu beherzigen Mögten unö die Echah- Worte: ai p'pp »so aioni mjnn «an, d. h. daß Gott stets nur unser Bestes beabsichtige, und daß Er namentlich mit Seiner uns geoffenbarten Lehre uns das kostbarste Geschenk vor allen Nationen der Erde zu eigen gegeben; mögte uns dieser Gedanke in Freude und Glück, in Trauer und Schmerz zum beglückenden Führer werden! A. Salvendi. Literarischer Gericht. Leokadie. Bilder aus der Gesellschaft von Gottftied Nessel. Leipzig. Justus Naumann. 1868. 472 S. gr. O. Es ist ein niM geradezu erfteuliches Zeichen unserer in GegensMU sich bewegenden Zeit, daß die größten Fortschrittsmänner, die Tonangeber auf politischem und socialem Gebiete, noch immer von dem der germanischen Race — wie Heß sagt — tiefeingewurzelten Judenhasse sich nicht befreien köimen. <Bo sehen wir alltäglich auf dem Markte des Lebens, in den Abgeordnetenhäusern aller Nationen gerade die am weitesten Gehenden, in rel»u8 Judeorum ein erschreckliches Rischus an den Tag legen. Ein würdiger Repräsentant dieses sog. Rischus literatorum ist auch der Vers, des vorliegenden Buches. Eine Nessel im Garten unserer deutschen Literatur, bemüht er sich, wo es nur immer angebracht ist, und wenn er eS auch bei den Haaren herbeiziehen muß, Juden und Judenthum anzugreifen und lächerlich zu machen. Freilich wird jeder unbefangene Leser leicht den Haß gegen die Juden aus jeder Zeile dieses Buches herauöfinden, ohne sich an dieser Nessel die Hände zu ritzen. Aber wie viele christliche Leser sind denn eben — unbefangen? Was uns am meisten bei diesem Buch interessirt, ist der Umstand, daß der Verfasser ein protestantischer Geistlicher, Pastor Stephani in Berlin es ist, der es wagt, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der deutschen Lesewelt solche abgeblaßte Schmntzphotographien als „Bilder aus der modernen Gesellschaft" vorzuführen und einen kleinen Theil seiner Leser glauben zu machen, als sei Berlin — das in diesem Buche geschildert ist — wirklich ein solches ultima Thula jeder Bildung und Gesittung, und der größte Tbeil jener Bevölkerung bestehe wirklich aus solchen Gestalten, wie sie der Herr Pastor seinen gläubigen Lesern vorführt. Zu den lieblichen Bildern auö der Gesellschaft, die in diesem Romane die Revue passiren, gehören folgende Juden: „der Rabbiner Dr. Nassauer", — wer verkennt hier die schlechtverhüllte Anspielung aus Berliner Verhältnisse, deren Persiflage der ganze Roman ist — „der Geheimrath Jtzigsohn," seine Tochter Rebecka und „Abraham Levi". Fast alle diese Personen führt uns der liebenswürdige Verf. auf einer einzigen jüdischen Soiree zusammen, und ergötzt uns mit der Schilderung einer solchen jüdischen Gesellschaft auf's Höchste, so daß wir fast in Versuchung kommen, zu glauben, der hochherzige Herr Pastor kenne diese jüdischen „commercienräthlichen Soireen"-aus eigener Anschauung. Aber wir finden auf dieser Soiree nicht nur ein interessantes jüdisches Publikum, sondern auch ein noch interessanteres christliches. Ein Superintendent und verschiedene protestantische Geistlichen werden auch vvrgeführt und zwar in dringenden Geschäften mit dem Geheimrath Jtzigsohn, der dem ehrwürdigen Herrn zuletzt — in Gegenwart des Rabbiners vr. Nassauer, „«ines feinen Kopfes" — die Taufe seiner beiden Töchter verspricht.

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