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Der Israelit · 1868-07-15 · Heft 29 (15.7.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 29 (15.7.1868)
Date
1868-07-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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555 Berlin, im. Tamuä. Spßwftu m\\ von gewisser Seite her sich bemüht, den hierseLM Le sichenden P«seiy, riitori viruttt als einen ^olchyn. darzustellm, der die Interesse des evuservativ-eu Indenthums in Visiten hiesiger Gemeinde zu v-rtret^y sich berixfen Mltz weil er neben seiner eigentlichen Aufgabe für gewisse humane Ztpecke auch den Gottesdienst in seiner alten Form und Gestalt in der Vereins-? Synagoge bewahrt — nota beyo neben Consirmatsons - Feier der Mädchen am Sonntage und der Nachahmung einer Verordnung aus der Orgel-Synagoge, beim Recitiren des yvw sich zu erheben, gegen Orach Chaim §. 03 b. so müssen wir im wahren Interesse unserer heiligen Sache entschieden protestiren. Auf die Conservirung der Pijutim hin kann der Verein durchaus noch nicht beanspruchen, als ein Organ der hiesigen Orthodoxie sich anzusehen oder darstellen zu lassen, wenn der größte Theil der Mitglieder am heiligen Sabbat das Geschäft offen halt, die Kinder an diesem Tage in der Schule schreiben läßt, wiewohl es nur eines einfachen Antrags bedarf, um den Dispens zu erhalten, wenn nicht Wenige trefene Haushaltungen führen, im besten Falle es in dieser Beziehung nicht so genau nehmen (hat ja selbst der Vorsitzende des Vereins offen feinen Wählern vor derWahl erklärt, sein häusliches Leben harmonire durchaus nicht mit dem jüdischenGesetze), wenn bei einem großen Theile jüdische Sitte und jüdische Anschauung aus dem Hause ganz verbannt sind und im günstigsten Falle man eben Kindern einige dürftige Religionsst u nden als Ersatz für das Religionsleben bietet. Wenn daher Ihr Correspondent in Nr. 20 berichtet, der Verein zähle die hervorragendsten Persönlichkeiten zu seinen Mitgliedern , so muß ihm mit allem Ernste entgegengehalten werden, daß dem wahren Juden nicht der reiche Banquier unter den Linden als eine hervorragende Persönlichkeit gilt, weil er seinen Beitrag zum Koboobero batob-Vereine zahlt, vielleicht auch ein- oder zweimal im ganzen Jahre die Vereins-Synagoge besucht, im Uebrigen aber das jüdische Leben vollständig ignorirt und seinen Kindern so vorlebt, daß sie sind D»un p rotcw puns — nein, der arme Trödler am Mühlendamme, der die ganze Woche hindurch im Schweiße^ seines Angesichts sich abmüht, um die Seinigen redlich zu ernähren, am Sabbat aber seinen Laden geschlossen hält, zufrieden mit dem, was durch Gottes Beistand seinem Fleiße an den Werktagen ist zu Theil geworden, der seinen. Kindern als Vorbild sür ihr reli giöses Leben gilt, — wahrlich! der ist uns .der Jude vom-Adel, ein würdiger Nachkomme der o'J'Efca- ’ju crmso, auch> wenn er nicht zum Koboebero batob-Vereine gehört. Die Reformer flüchten mit ihrem ganzen Judenthume in die Synagoge, nachdem, sie aus^dem,Hause.es ganz gestrichen, Tempel und Cultus sollen..Alles ersetzen. Macht eS der Sebocbei© hatob - Verein nicht ebenso, wen« er den ganzen Werth des IudenthumS mit in der Synagoge erblickt, den ganzen Gehalt unser Religion lediglich in der Conservirung der Pijutim findet und das. ganze Heil von der Predigt erwartet? Und ist nicht der Prediger, der, wie er glaubt, die Geister beherrscht in der Macht seiner Zauberworte, um so strafwürdiger, wenn er seinen Einfluß nur dazu verwendet, um seine Zuhörer in diesem verderblichen Wahne zu erhalten, indem er seinen Leuten durch den Weihrauch der Schmeicheleien und Lobhudeleien die Augen blendet! Geschieht dies nur, weil, wie dev betreffende Prediger ausrichtigen Vorstellungen gegenüber, dreist genug war, zu erklären, „wie keinKaufmannsein-e Waare schlecht machen könne, so auch er, vom merkantilischcn Standpunkte ans betrachtet, seine Gemeinde (sio!) nicht tadeln könne — so ist ein solches Gebühren um so verwerflicher und verdient vor Aller Welt gebrandmarkt zu werden. Hat ja darum auch der „Hirte" (im Sinne Iecheskiels Cap. 34 V. 1—10) kein Wort der Mahnung und Zurechtweisung für seine Zuhörer; ihm ist ja ebenfalls Alles in Allem, wer nur zu seiner Synagoge kommt, um ihn zu hören und ihn zu bewundern, wie er am Schabuoth-Feste die Markaba behandelt, von der „geflügelten Anschauung", dem „geflügelten Blicke und der geflügelten Höhe" spricht und sich hierbei so geberdet, als wollte er selbst ein Flug durch die Lust versuchen. Doch der Herr Prediger spielt auch den Rabbiner; als solcher fördert er auch das Studium der Thora, indem er am Sabbat vor Peßach etwas Halachisches vorträgt; doch wahrscheinlich nur, um Gelegenheit zu haben, in der pomphaften Ankündigung, dieses Vortrages sich unterzeichnen zu können: „Rabbiner, Prediger und.Mitglied der deutschmorgenländischen Gesellschaft inLeip^igU" Seine Leute wissen nämlich ebensowenig, daß man durH das Abonnement der betreff. Zeitschrift diese Mitgliedschaft sich erwirbt, wie sie (oder gar auch der Vortragende) die Auseinandersetzung über den Begriff Vwn verstanden haben, der, um es Allen.plausibel zu machen, mit „Causalitäts-Princip" zurückübersetzt wurde. Und glaubt man etwa, daß der „Seelsorger" außerhalb seines Predigerberufes nicht Veranlassung nimmt, noch besondere Thätigkeiten zu entfalten? O ja, aber nach ganz anderen» Richtungen hin! Doch hat. er erst jüngst sich sehr thätig und rührig gezeigt, als es galt, mit Sturm und Kampf ein verlornes Gut zurückzuerobern. Der Prediger hat nämlich die Dreistigkeit, mit mio sich, aufrusen zu lassen; als. nun der neue Vorstand dem eutgegentrat, nicht etwa,, weil: er die mnn, die von Löwin Szeged in erth-eilt ist, nichtrespectirt, sondern mit Rücksicht, darauf, weil in der Gemeinde selbst^ dieser Titel bisher nicht üblich war, da hat-der .Herr Predigeres wohl verstanden, sein Interesse wahrzu»

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