Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1868)
- Date
- 1868-07-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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552 «ich heimkehren, Herr, zu dm Meinen; mein Schwiegervater wird Euch jedes Lösegeld zahlen, das Ihr verlangt!"" „Daß ich ein Thor wäre und Dich ziehen ließe! Du List mein, schönes Kind. Mein Weib ist tobt! Werde Christin und bleibe gutwillig bei mir, Du sollst es gut haben." „„Lieber sterben!"" rief Rebecka schaudernd. Chamil lachte aus vollem Halse. Wenn er auch ein tapfrer Kriegsheld war, so war er doch ein roher ungeschlachter Bauer mit bäurischen Manierm. „Es wird Mittel geben. Dich zu zwingen, mein Püppchen," sagte er. „Chamil wirbt nicht lange; er erobert in Sturm." Er wollte auf sie eindringm; sie aber zog schnell ihren Dolch hervor und rief: „Bleibt zurück, Schrecklicher! sobald Ihr Euch nähert, stoße ich diesen Dolch in meine Brust." Chamil blieb verdutzt stehen. „Heisa," rief er dann, „Du bist ja einmuthiges, entschlossenes Kind, so recht geeignet zur Freundin eines Kosackenhettmanns. Nun, wir wollen einmal sehen, ob Du Deine Drohung wirst wahr machen!" Und mit einem einzigen Sprunge war er bei ihr und entriß der Ueberraschten den Dolch, ihn weit wegschleudernd bis in die Mitte des Zeltes. Schon umschlang der Gräßliche die Wehrlose mit seinen Armen, da stürzte sein Adjutant herein, zu melden, daß das polnische Heer im Anrücken sei. Chamil ließ Rebecka los und schrie: „Leb" wohl für jetzt mein Püppchen, wir sehm uns wieder!" — VI. Mit klingendem Spiele zogen die Polen hinaus zur blutigen Wahlstatt; mit furchtbarem Geschrei, so daß die Erde erdröhnte, ritten ihnen die vereinigten Kosacken und Tartaren entgegen. Sobieski batte den Schlachtplan entworfen, und der Kriegsrath hatte ihn gutgeheißen; unser jugendlicher Held hatte für sich selbst das Schwerste, Gefahrvollste Vorbehalten. Als die polnische Armee eine Strecke weit vorgerückt war, formirte Sobieski die Vorhut, die er selber führte, derart, daß sie das Gros der Armee deckte und dieses den Blicken der Feinde entzog; nachdem das geschehen, machte die Hauptarmee eine Schwenkung einer Gegend zu, die mit Bäumen bewachsen war, in welcher breite Gräben die Felder durchzogen und Hügel von nicht unbedeutender Höhe mit steilabfallenden Thälern abwechselten. Kaum wußte der junge Feldherr die Hauptarmee hinter dem Gehölze verborgen, so ließ er halten, um den Feind zu erwarten. Dieser stürmte mit furchtbarem Ungestüm heran; da gab Sobieski das Zeichen zum Rückzuge; langsam und in guter Ordnung wandten sich die Polen nach rückwärts; siegestrunken und in ausgelassener Freude folgten ihnen die Kosacken und Tartaren in wirrem Durcheinander. „Sie fliehen, die polnischen Feiglinge fliehen!" rief es von allen Seiten. „Auf, laßt uns sie niederstechen wie Hunde!" Mit verzweifelter Anstrengung, in wüthender Hetze vom Feinde verfolgt, führte Sobieski die Seinen um das Gehölz herum. Hier begann schon das coupirte Terrain, auf das unser Held seinen ganzen Plan gebaut hatte. Plötzlich gebot Sobieski Halt und führte die todesmuthigen Polen dem Feinde entgegen. Die Kosacken sowohl wie die Tartaren kämpfen nur zu Pferde; aber das Roß versagte auf diesem Terrain den Dienst; sie mußten vom Pferde steigen und zu Fuß den Kampf aufnehmen. Nichtsdestoweniger hätte ihre Ueberzahl die wenigen Getreuen Sobieski's erdrückt; da kam das polnische Hauptheer unter der Anführung Czarniecki's von der andern Seite des Gehölzes herbei und siel mit dem Rufe: „ Gott kämpft für Polen!" über die im wirren Durcheinander sich befindlichen Feinde her. — Sobieski und die Seinen verrichteten Wunder von Tapferkeit; bald gelang es den Polen, die in ungewohnter Kampsesart fast hilflosen feindlichen Schaaren zurückzuwerfen; einmal zum Weichen gebracht, rissen die Fliehenden die Nachstürmenden mit um. In wilder Flucht suchten sie den verfolgenden Polen zu entkommen, die in gutgeordneten Reihen nachsetzten. Die vorderen Reihen der Kosacken und Tartaren, die vom Pferde gestiegen waren, fielen fast sämmtlich oder wurden gefangen genommen. Die Andern entkamen auf ihren schnellen Rossen. Die Ehre des Tages gehörte Sobieski; sein war der Ruhm dieses wundervollen Sieges, der Polen von seinen grausamen Räubern befreite. Einen erfahrenen Heerführer würde solch ein Erfolg geehrt haben, dem jugendlichen Helden erwuchs daraus unendlicher Ruhm. Dieser Sieg war der erste in der ruhmreichen Laufbahn des Helden, der später Europa für immer von der Türkenangst befreien sollte. Johann Sobieski war es, welcher dem Siegeslauf der Türken vor den Mauern von Wien Halt gebot. Seit jener Zeit hat kein Sultan mehr Europa zu bedrohen gewagt. (Fortsetzung solgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. Verlag der Le Rou x'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefi endruck vo« I. Gott-leben in Mainz.