Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1868)
- Date
- 1868-07-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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551 Mahryut so schmählich gemordet und beraubt wurde. Sig. Arcam Gffendi von Salonichi war schon lange der Repräsentant der jüdischen Gemeinde bei der Provinzialregierung zu Salonichi. Der dritte Bechor Effendi ist ein ganz junger Mann; derselbe wurde zum Mitglied in der Requisitencommission ernannt. Für das Allgemeine werden diese Herrn wenig thun können, und haben wir nur soviel gewonnen, daß sie eben im großen Staatsrathe ihre Glaubensgenossen repräsentiren. — Laut eines von der hohen Pforte eingetroffenen Befehles müssen alle unter spanischen Schutz getretenen Israeliten wieder unter türkische Oberheit zurückkehren. Ich hatte es denselben im Voraus gesagt, da die türkischen Oberbeamten jetzt von den besten Absichten für die Juden beseelt sind. Was konnten diese auch von der spanischen Regierung erwarten? Ben David. Amerika. Idew-Vork. Die „Hebrew Christian Brotherhood" (ein Berein, der die Juden zu bekehren sucht) veröffentlicht einen interessanten Fall. Ein getaufter Jude, auö dem Herzogthum Nassau, hat sich nicht weniger als fünfmal inNew-Aork taufen lassen, und für jedesmal eine Summe von 40 Doll. (100 fl.) erhalten. (Jew. Mess.) Rew-Bork Mehrere Gemeinden dahier haben den Vorschlag gemacht, eine Conferenz von Delegirten der verschiedenen Gemeinden zu veranstalten mit der Absicht, zu bewerkstelligen, daß der Sabbat allgemein beobachtet werde. (Jew. Mess.) Chicago. Wie der „Jew. Mess." schreibt, wohnen in Chicago 42,000 Juden. Die Meisten sind erst seit den letzten Jahrzehnten dahin gezogen. San Francisco. Wie wir aus dem in San Francisco erscheinenden „Hebrew" ersehen, hat sich daselbst ein Comite gebildet, um für die hungerleidenden Glaubensgenossen in Rußland und Polen Gelder zu sammeln. Dasselbe hat bereits 1000 D. (2500 fl.) an Herrn Rabb. Pleffner in Posen abgeschickt. Feuilleton. Der Kleine Jan. (Fortsetzung.) Die arme Gefangene hatte furchtbare Tage und entsetzliche Nächte verbracht. Zwar hatte Chamil den strengsten Befehl ertheilt, ihr nichts zu Leide zu thua, und die wilden Söhne der Steppe zitterten vor dem Zorne des Heitmanns und befolgten seine Befehle aufs Genaueste; allein Rebecka befürchtete, in jedem Augenblicke, das Schlimmste erleben zu müssm. Unaufhörlich jammerte sie und rief nach ihrem Vater, nach ihren Schwiegereltern, nach ihrem Gatten. Als nun Tage und Rächte vorübergegangen, ohne daß ihr ein Leid geschehen war, da beruhigte sie sich in etwas und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß sie nur als Geisel mitgeschleppt werde und nach erfolgter Auslösung zu den Ihren zurückkehren dürfe. Aber alle ihre Hoffnung schwand wieder, als ein Kosack die Nachricht brachte, sie müsse binnen einer halben Stunde vor Chamil erscheinen. Da zerraufte sie ihr Haar und zerschlug ihr Gesicht in fürchterlichster Angst; endlich faßte sie ein wenig Muth und suchte Trost und Hilfe im Gebet: „Allmächtiger," rief sie, „o, schaue die Angst und die Noth Deiner Magd! Mein Gott, warum hast Du mich verlassen, sendest mir nicht Hilfe, hörst nicht mein heißinniges Flehen? Und Du, Allbarmherziger, hast doch so oft Dich hilfreich bewährt in unserer Noth, hast unsere Voreltern befreit aus tausend Aengsten und Gefahren! Warst Du es nicht, der Esther gerettet vom sichern Tode, der Daniel befreit hat aus der Löwengrube? O, sei auch mir nicht fern, denn die Gefahr ist nahe! Hintreten soll ich vor den wüthenden Tiger, vor den Schlächter meines Volkes; schon öffnet der wilde, brüllende Löwe seinen Rachen, mich zu verschlingen. Und wenn, allgerechter Gott, es Dein heiliger Wille sein sollte, daß ich hilflos untergehe — so gib mir wenigstens Muth und Kraft, damit ich den Tod vorziehe der Sünde, daß nur der Leib gemordet weroe und nicht die Seele, daß ich die Tugelch höher achte denn die Schande. „Erfülle mich mit Kraft wie jene vierhundert jüdischen Mädchen, die vom Feinde gefangen, den Tod in den Wellen suchten, um der Sünde und der Schande zu entgehen; stärke mich wie jene israelitischen Frauen, die sich den Tod gaben, um nicht zur Beute zu werden der Wollust der syrischen Anführer; gib mir, der Schwachen, Muth, daß ich es vollbringe, Deinen großen Namen zu heiligen, damit alle Welt erkenne, daß Israels Frauen noch heute gleichen den Töchtern der Mackabäer. O, Du meine Kraft, Du meine Stärke, eile Du mir zu Hilfe!" Nachdem Rebecka also gebetet hatte, fühlte sie sich wunderbar gestärkt. Einen tartarischen Dolch, den sie gefunden hatte, verbarg sie sorgfältig in ihren Kleidern. So erschien sie vor Chamil. „Wie heißt Du, mein Kind?" ftagte dieser sie freundlich. „»Ich heiße Rebecka und bin das Weib Jakobs, des Sohnes des Vorstehers der Gemeinde. O, laßt