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Der Israelit · 1868-07-15 · Heft 29 (15.7.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 29 (15.7.1868)
Date
1868-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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548 Tbeilnahme aus allen Gegenden des Landes eine überraschend zahlreiche, insbesondere muß eS rühmlich erwähnt werden, daß die jüngeren StandeSgenofsen wohl vertreten waren. Der Rechenschaftsbericht des Pens. Lehrers Weil, des VereinskassterS, ergab das erfreuliche Resultat,'daß der junge Verein, obgleich bereits mehrere Unterstützungen im Betrage von etlichen Hundert Gulden an bedürftige Hinterbliebene von Lehrern und Vorsängern verabreicht worden sind, dennoch schon ein rentirendes Vermögen von ca. 1300 fl. besitzt und die Spenden und Beiträge der Gemeinden im Wachsthum begriffen sind. Ein ermunterndes Wort des Vorstandes Liebmann in Eßlingen, dessen unermüdliche und ersprießliche Thätigkeit allgemein und laut anerkannt wurde, reichte hin, nicht nur den größten Theil der Ausstände beizutreiben, sondern veranlaßte auch alle diejenigen anwesenden Collegen, die dem Vereine noch nicht angehörten, zum sofortigen Eintritt in denselben. Vor dem Uebergang zu den allgemeineren Gegenständen wurde Lieb mann auch zum Vorsitzenden dieser Versammlung berufen und sofort einige Zuschriften verlesen, zuerst von Herrn Lehrer Klingen st ein zu Odernheim, welche einen Gruß an die Versammlung und eine Empfehlung seiner Zeitschrift enthielt, und dann von einem ehemaligen Collegen Herrn Stern in Laupheim, welche die motivirte Bitte brachte, man möge in Zukunft mehr Zeit und Eifer auf den hebräischen Unterricht verwenden als bisher. Beiden wird der Ausschuß entsprechende. Antwort geben. Sterns Brief war die Einleitung zum 2. Hauptgegenstand: Berathung des Normal-Lehrplanes, worüber Herr Elsässer referirte, der bekanntlich vom WÄnister zu der Schulcommission einberufen ist, die im Spätjahr ihr Urtheil abzugeben hat, ehe der Minister seine Ansicht über denselben festftellen will. Die Majorität der Anwesenden sprach sich dahin aus, daß dem Uebersetzen der nvsn und des fföirr, verbunden mit hebräischer Grammatik größere Sorgfalt zuzuwenden und unter Beschränkung des s. g. systematischen Religionsunterrichts aus dem officiellen Lehrbuche, dieser Unterricht auch aus dem Pentateuch und Gebetbuch beim Uebersetzen, und aus den Sprüchen zu entwickeln sei; daß der biblischen Geschichte die Geschichte der Juden überhaupt bis auf unsere Zeit sich anzureihen habe; daß das Memoriren der Lieder aus dem Gesangbuche ganz abgeschafft und die Sprüche auf diejenigen beschränkt werden sollen, welche im Confirmand enbüchlein (!) stehen, das vom 11. oder 12. Lebensjahr mit hebräischen und deutschen Versen auswendig zu lernen ist, damit derConfirmandenunterricht (!) sich nicht auf das Auswendiglernen beschränken müsse, vielmehr wirklich ein höherer und fortbildender Religionsunterricht genannt werden könne. Herr Elsäßer wird nun diese Grundsätze in der Schulcommission zur Geltung zu bringen haben. Unberührt blieben die Fragen über Zweck, Ziel, Stoff, Zeit und Behandlung des Religionsunterrichts an mehrklasstgen Schulen, am Sitze des Rabbinats und an solchen Orten, wo nur ein Vorsänger angestellt, die isr. Kinder die christlichen Anstalten besuchen. Diese Fragen dürften jedoch bei der Revision des israelitischen Kirchenwesens wieder zur Sprache kommen, welche den 3. Hauptgegenstand der Verhandlung bildete. Es wurde von dem Vorsitzenden constatirt, daß er aus bester Quelle allerdings auch erfahren habe, daß eine solche Revision im Werke sei. daß der Minister weiter als die israelitische Oberkirchenbehörde zu gehen gedenke, daß aber neuestens eine größere Annäherung zwischen beiden ftattgefunden habe und die Aenderungen nicht sehr tief gehend sein werden, und wolle der Gemeinde eine größere Autonomie als bisher eingeräumt werden; allein die Zeit der Revision lasse sich nicht voraussehen, es könne noch Jahre dauern, aber auch schon in der nächsten Session der Ständekammern zur Vorlage kommen. Es wurde hierauf von allen Seiten dem Herrn Löwen st ein zugestimmt, wie das Standesinteresse sowohl, als die Förderung von Synagoge und Schule es dringend erheischen, daß bei Begutachtung des Gesetzesentwurfs, welcher von einer Synode bald verlangt werden dürfte, auch ein Vorsänger mitwirke, da weder Rabbinen noch Laien die Lücke auszufüllen vermöchten, welche nothwendig entstünde, wenn dieser hiebei wichtige Stand darin nicht aus seiner eigenen Mitte vertreten sein sollte. Es wurde deßhalb der Ausschuß beauftragt, die Sache in geeigneter Zeit und Form in die Hand zu nehmen, damit man nicht post tosturn komme. Ueberhaupt constituirte sich die Versammlung zu einem besonderen Verein, der in Bezirks - und Plenarversammlungen seine Standes- und Amts-Interessen wahrt und fördert. Hiezu wurde ein aus 7 Mitgliedern bestehender Ausschuß gewählt, der den Verein bei den Behörden zu vertreten und alle Angelegenheiten vorzubereiten und zu besorgen hat. In denselben sind gewählt: Lieb mann von Eßlingen, Weil (pensionirt) in Stuttgart, Elsäßer in Laupheim, Löwenstein in Heilbronn, Mainhardt in Hochberg, Rosenthal inKrailsheimundMaison in Lauchheim. Zunächst hat der Ausschuß den Anftrag, Schritte zu thun: 1) wegen des geringen Extragehalts von 25 fl. für den Vorsängerdienst (s. o.); 2) wegen der Führung der Standesregister (s. „Israelit" von 1867 Nr. 49) 3) wegen der Eidesbelehrung und der anderen stellvertretenden Functionen und 4) wegen der Theilnahme an der Synode. Man erkannte, aus diesen neueren Erlassen leuchte die Tendenz hervor, die Lehrer und Vorsänger in ihrem bisherigen amtlichen Ansehen und Nebeneinkommen zu beeinträchtigen. Gelänge dieses, so würden dem Stande allmählich durch Austritt und Abneigung immer mehr Kraft entzogen und die Gemeinden noch weniger als bisher die nöthige

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