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Der Israelit · 1868-07-08 · Heft 28 (8.7.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 28 (8.7.1868)
Date
1868-07-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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540 an den Advocaten Lassis: „Sie können leicht begreifen, welche Sympathien wir für Rosenthal hegen, umsomehr, wenn wir ihn angegriffen sehen von dem Fanatismus des israel. Confistoriums." Wir verstehen recht gut diese gereizte Stimmung, diesen Zorn. Es handelte sich darum, eine ganze jüdische Familie zu einem andern Glauben überzuführen, die aber diesen Seelenjägern glücklich entwischt ist. Es wurden noch 2 Briefe vom Herrn Oberrabbiner Isidor und Herrn Albert Cohn verlesen, welche die Frömmigkeit und das außerordentlich gute Betragen der Frau Rosenthal schildern. Es handelte sich bei diesem Prozesse zunächst darum, ob der junge Rosenthal dem pflichtvergessenen Vater zurückgegeben werden, oder unter der Aufsicht seiner Mutter verbleiben solle. Frau Rosenthal gewann den Prozeß. Donaufür stenthümer. Bukarest. Prinz Napoleon empfing am Donnerstag in Bukarest die Consuln und die Mitglieder der französischen Militärmission, sowie eine Deputation von Israeliten, welche eine Adresse überreichte. Jassy. Unser Glaubensgenosse, Banquier Jakob Neuschatz aus Jassy, österreichischer Unterthan, hat vom Kaiser von Oesterreich den Franz-Joseph-Orden erhalten. Türkei. Im verwichenen Adar starb zu Smyrna der dortige Oberrabbiner R. Chajim Palaggi; Verfasser vieler halachischen Schriften, war R. CH. als der gelehrteste Rabbiner in der Türkei angesehen. Obwohl geehrt und geliebt, hatte der Verewigte noch vor Kurzem den Gram, sich von seiner Stelle auf einen Augenblick verdrängt zu sehen. Er starb wie ein wahrer Heiliger, die Gemeinden Smyrna's zum dauernden Frieden ermahnend. Sein Leichenbegängniß war ein überaus imposantes. Mehr denn tausend Kerzenträger folgten seiner letzten Hülle, welche auch viele Nichtjuden zur Ruhestätte geleiteten. — Die türkische Regierung läßt gegenwärtig eine höhere Lehranstalt gründen, worin auch Israeliten Aufnahme finden. Schon früher konnten unsere Glaubensgenossen die kaiserliche Militärschule besuchen und nach deren Absolvirung auf eine Anstellung als Aerzte im Heere rechnen. Im Allgemeinen aber finden wir wenig Juden im Staatsdienst, was um so bedauerlicher ist, da sie ihren Functionen obliegen und dabei die Religionsvorschriften befolgen könnten. Die Bekenner des christlichen Glaubens haben das Uebergewicht errungen, und sie sind es, welche an die Stelle der israelitischen Beamten getreten sind. Ich habe schon einigemal berichtet von den Bedrückungen, welchen unsere Brüder im Innern des osmanischen Reiches ausgesetzt sind, besonders da, wo der Einfluß eines Consuls unfühlbar ist. Zwar sind diese auch nicht immer judeufreundlich, wie ich selbst schon erfahren habe. In diesem Lande geberden sich gewisie Beamten als ausschließliche Vertheidiger der christlichen Religion. — Eine auffallende Thatsache ist das Verfahren der spanischen Regierung, welche jetzt massenhaft türkische Juden unter ihren Schutz bringt. Wer nur durch Zeugen beweisen kann, daß er von marokkanischer Abkunft ist, dem wird ein Patent als spanischer Protegä (Schützling) eingehändigt. Es scheint dies auf eine von Madrid ausgegangene Verordnung hin zu geschehen. Ben David. Amerika. New-UoiE Die Vorsteher der Freischulen gründen wieder zwei solcher Schulen; mehr als 600 Kinder besuchen die jetzt bestehenden Anstalten. (Jew. Mess.) Feuilleton. Waööi Markus Yenedikt. Ein biographisches Eharactergemälde von Gustav Äarpeles. I. Unter den vielen weisen und zutreffenden Aussprüchen unserer alten Chachamim hat durch die ganze jüdische Geschichte der Ausspruch: „Hiooliaru dsv« Lvijini, seboivsbsm jotzu thora“, *) sich stets bewährt. Die größten und bedeutendsten Männer unseres Volkes haben in den Hütten der Armuth ihre Geburtsstätte und find vielleicht gerade dadurch für die Leiden der späteren Lebenszeit gestählt worden. Auch R. Markus Benedikt erblickte in einer armseligen Hütte eines armseligen Dorfes Schurge im Stuhlweißenburger Comitat im Jahre 1753 das Licht der Welt. Sein Vater Abraham und seine Mutter Fradel, ein frommes und rechtschaffenes Ehepaar, ernährten sich nur kümmerlich, nach der Weise jener Tage, vom Haustrhandel. Kaum hatte daher das schon damals wißbegierige Kind das 5. Lebensjahr hinter sich, so brachten ihn die liebenden Eltern in die Geburtöstadt seiner Mutter, nach Nikolsburg, in das Haus seiner Großmutter. Hier sollte der Knabe die ersten Jugendjahre schon dem Gesetzesstudium widmen. Nikolsburg war in jenen Tagen noch eine wahre Stadt der Gelehrten (rvlso Chachomim wesofrim), der Sitz des Landesrabbinates, das immer von bedeutenden Rabbinen verwaltet wurde und hatte stets eine bedeutende und zahlreiche Jeschiba. In Nikolsburg *) Bewachet die Kinder der Armen, denn von ihnen gehet einst die Lehre aus.

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