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Der Israelit · 1868-07-08 · Heft 28 (8.7.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 28 (8.7.1868)
Date
1868-07-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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539 Frankreich. Paris Der Kaiser von Frankreich hat den jungen Gelehrten Delaunay nach Italien geschickt, um neue Manuscripte für das Werk Philo von Alexandrien zu sammeln. Paris. Das Civilgericht an der Seine beschäftigte sich unlängst mit einer traurigen Angelegenheit. Ein polnischer Jude, Namens Rosenthal, hatte seine Frau und seine 6 Kinder verlassen, in der Absicht, sich in Paris niederzulassen, um hier als Schachspieler sein Brod zu verdienen. Die unglückliche Verlassene kam endlich mit ihren 6 Kindern nach Paris, aber ihr Gatte verweigerte, sie anzunehmen, oder ihr auch nur ein Stück Brod zu reichen, nur seinen Sohn that er als Pensionär in die polnische Schule de« Batignolles, wo er selbst nicht einmal die wichtigsten jüd. Gesetze erfüllen konnte. Dieser Sohn kehrte eines Tages, durch sein Gewissen angetrieben, zu seiner Mutter zurück, und machte dem Polizeicommissär folgende Erklärung: „Mein Vater, ohne mich vorher befragt zu haben, führte mich anfangs Oktober in die polnische Schule, in welcher er mich ließ, und wo ich meine Mutter nicht sehen konnte. Ich war hier unglücklich, weil man sich nicht mit mir beschäftigte, weil ich Niemand von meiner Familie sehen konnte, und weil ich außerdem sehr schlechte Nahrung hatte, indem ich nicht wie die anderen Zöglinge essen konnte. Des Mittags brachte mir mein Vater zwar ein wenig Fleisch, aber ich wußte, daß dieses Fleisch, obwohl er angab, es nach jüdischem Ritus zubereitet zu haben, von Christen genommen worden war. Am Abend hatte ich nie Fleisch zu essen, wie meine anderen Kameraden, sondern mußte mich eben stets mit Brod begnügen. Ich befolgte gar keine religiösen Vorschriften, ich hätte denn die der Christen befolgen müssen, was mich schließlich zum Religionswechsel geführt hätte, welches ich nicht wollte. Mein Vater ließ mich jeden Sonntag ausgehen, führte mich aber nie in meine Familie, und ich konnte sonach weder meine Mutter noch meine Geschwister oder meinen Großvater umarmen. Sonntag vor drei Wochen holte mich mein Vater um 61/2 Uhr ab, und verbrachten wir beinahe den ganzen Tag im Kaffeehause, wo mein Vater Schach spielte." Um den Gerichtshof von dem moralischen Betragen des polnischen Emigranten besser überzeugen zu können, hat der Advacat, Herr Chaix d’Est-Ange, folgenden Brief vom Vater des Rosenthal vorgelesen: „Mein Sohn Zawel! Obgleich eS nicht an mir ist, an Dich zu schreiben, in dem ich trotz der Briefe, die ich an Dick geschrieben, schon länger als zwei Jahre keine Nachrichten von Dir erhalten habe, schreibe ich doch noch einmal, aber zum letzten Male. Ich kenne nicht Deine Absichten, Dein Betragen, noch welchen Weg Du wandelst. Glaubst Du wohl, indem Du Schach spielst mit.... vornehmen Personm, wie Du es hast in den Zeitungen veröffentlichen lassen, Du erfüllest Deine Mannespflichten und brächtest es zu einem ehrbaren Ziele? Erinnere Dich an das Unglück, welches Du mir schon bereitet hast, und an Deine Mutter, die in Folge Deines Betragens vor der Zeit gestorben ist. Glaubst Du wohl, daß Gott all das Abscheuliche, welches Du gethan, vergessen wird? Nein, mein Sohn, Du wirst es eines Tages bereuen. Selbst heute, wo Deine Frau mit ihren 6 Kindern abgereist ist, um sich mit Dir zu vereinigen, fährst Du fort, einen schlechten Lebenswandel zu führen, und verweigerst, sie anzunehmen. Du willst also getrennt leben von Deiner Gattin? So was ist in unserer Familie noch nie vorgekommen. Willst Du fortfahren, uns Schande zu bereiten? Ich bitte Dich, nicht so zu handeln, sondern Dich mit Deiner Frau zu verbinden, und zu leben, wie es einem rechtschaffenen Israeliten geziemt. Du machst Dich lustig über mich und meine Briefe. Ich erwähne Deine Mutter, um auf Dein Gewiffen Eindruck zu machen, um Dich abzubringen von Deinem schlechten Lebenswandel und Deinen verderblichen Absichten, oder anzurufen die göttliche Rache gegen Dich. Was mich betrifft, so rathe ich Dir, im Namen der Ehrfurcht, welche ein Sohn seinem Vater schuldet, mit Deiner Frau und Deinen Kindern rechtschaffen zu leben, nach den Pflichten, die uns aufgelegt sind, und zu verwerfen die schlechten Gedanken, die Du gegen Deine Frau hegst. Du wirst Dich über meinen Brief lustig machen, denn ich kenne Dich. Erinnere Dich indessen an die Worte Deines Vaters, Gott wird Dich gewiß hierfür nicht unbestraft lassen. Gott wird mein Gebet erhören, und meine Verwünschungen in Erfüllung bringen, indem er Dich züchtigt für Deine Tyrannei, Die Du gegen Deine Frau und Deine Kinder ausübst. Ich wiederhole Dir meine Bitte und meine Anschläge, Dein Betragen gegen Frau und Kinder betreffend, und erwarte, daß Du mir umgehend antworten wirst. In dem entgegengesetzten Falle verfluche ich Dich mit meinem ganzen väterlichen Herzen. Sett Deiner Jugend hast Du mir nichts als Unglück bereitet. Wirst Du mich anhören, so will ich Dir alles verzeihen. Dein sehr betrübter Vater Hirsch Rosenthal." Ich erinnere mich, sagte Herr Chaix-d’Est-Ange, daß mich bei der letzten Sitzung mein Gegner bat, gelinde gegen seinm Clienten zu sein. Welches Wort könnte ich jedoch hervorbringen, das gleich wäre diesem würdigen und schrecklichen Briefe, in welchem man wiederfindet die Sprache der Patriarchen und einm biblischen Hauch. Ungeachtet dieses schlechten Zeugnisses für dm Sohn, Gatten und Vater, welcher seine heiligsten Pflichten vergesfm hat, schrieb Herr Jaroölav Dombrvwski, Präsident dcs polnischen Emigrantm-Comite's

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