Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-07-08 · Heft 28 (8.7.1868) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 28 (8.7.1868)
Date
1868-07-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447370--06298-2461846
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

536 schändet, unsere Burgen in Schutthaufen verwandelt. Können wir einzeln Widerstand leisten, wenn wir vereint uns vor ihnen fürchten? Sollen wir einem unrühmlichen Tode entgegengehen und vor einem ruhmvollen Tod auf dem Schlachtfelds zittern? Brüder, Freunde, kämpfen wir nicht für die heilige Sache des Vaterlandes? Brüder, Polen sieht auf unS und erwartet von uns Freiheit, Leben, Glück! Weichen wir zurück, so trifft uns ewig Schmach; wir retten nichts als ein unrühmliches Leben, das morgen dennoch dem Henkerbeile der Kvsacken, dem Dolche der Tartaren preisgegeben fein wird. Kämpfen wir aber mit Kraft und Muth, so ist das Schlimmste, was uns begegnen kann, ein ruhmvoller Tod; dann wird die Geschichte uns verzeichnen in das Buch der Unsterblichkeit, und die späten Enkel werden von uns erzählen und sprechen: Sie konnten ihr Vaterland nicht retten, aber sie konnten für ihr Vaterland sterben! Und aus unserm Blute wird für uns ein Rächer, für das Vaterland Freiheit und Glück erwachsen. Das wird sein, wenn wir unterliegen. Wenn wir aber siegen, Freunde, wenn wir siegen, Brüder! Und können wir nicht siegen? Verleiht den Feinden ihre große Anzahl allein schon den Sieg! Ist nicht Gott mit dem Muthigen, ist Gott nicht mit uns, die wir für unser Vaterland kämpfen, für Haus und Herd, für Weib und Kind? — Wer nicht den Muth hat, für das Vaterland zu sterben, der entferne sich; der gehe einem rühmlosen Leben, einem schmachvollen Tode entgegen; ich aber und die Meinen, wir wollen ausharren auf den Ebenen von Zborow, wir wollen das Vaterland beglücken und befreien oder sterben, sterben auf dem Schlachtfelde, sterben für Polen!" Kaum hatte Sobieski geendet, da rief es von allen Seiten: „Wohlan, wir wollen siegen oder sterben! Hoch lebe Sobieski, der junge Held! Hoch lebe das Vaterland, hoch lebe Polen!" Weinend umarmte Czarniecki den jugendlichen Helden, und alle die Fürsten des Heeres kamen und schüttelten ihm die Hand. Alsbald wurde der Schlachtplan berathen und festgestellt. Dann zogen mit klingendem Spiele die tapfern Polen dem an Zahl zehnfach überlegenen Feinde entgegen. V. Es ist Zeit, daß wir uns nach der armen, geraubten Rebecka umfehen und erfahren, was aus ihr geworden. Wie wir gesehen haben, brachte sie der Offizier, der sie aus dem Hause ihres Schwiegervaters fortschleppte, zum Kosackenhettmann Chamil. Die Kvsacken, welche die Ukräne bewohnten, waren früher von den Königen von Polen als Grenzwächter gegen die Tartaren benutzt worden. König Sigismund von Polen jedoch, der römisch-katholischen Kirche sehr ergeben, ließ viele Ungerechtigkeiten, welche die polnischen Adligen gegen die griechisch-katholischen Kosacken verübten, unbestraft. In Folge dessen hatten sich die Kvsacken zweimal empört. Im Jahre 1602 hatte ein griechisch-katholischer Priester, der Pope Nalavaika die Fahne der Empörung erhoben; aber der Aufstand war unterdrückt und Nalava'ika auf die grausamste Weise hingerichtet worden. — Im Jahre 1639 erhob sich der Kosack Pawlujeck, der anfangs siegreich war; aber auch er, der sich schon als König geträumt hatte, wurde geschlagen, gefangen genommen, und nach Warschau gebracht, wo man ihn auf einen glühenden eisernen Thron setzte, ihm ein glühendes eisernes Scepter in die Hand gab und sein Haupt mit einer eisernen Krone bedeckte; unter dem eisernen Throne wurde das Feuer so lange in Brand gehalten, bis Pawlujek seinen Geist auöhauchte. Doch ihmsollte ein Rächer erstehen. Chamil war ein einfacher Kosack, der Niemandem Etwas zu Leide that; er war aber reich und angesehen. Als der Fürst Iatinski mit großer Pracht sein Hochzeitsfest gefeiert und seine Mittel dadurch erschöpft hatte, ging er nach seinen Gütern in der Ukräne, um dort durch Erpressungen seinen Säckel wieder zu füllen. Bei dieser Gelegenheit raubte er dem Chamil die Hälfte seines Vermögens. Als er nun mit den Kvsacken einen Raubzug gegen die Tartaren unternehmen wollte, warnte Chamil diese, so daß sie sich vorbereiten konnten und den Angriff des Fürsten zurückzuschlagen im Stande waren. Der Fürst, welcher Verdacht gegen Chamil geschöpft hatte, ließ ihn gefangen nehmen und bedrohte ihn mit dem Tode, gab ihn aber auf die Bürgschaft der vornehmsten Kvsacken frei. Jetzt beschloß Chamil die Seinen — es war im Jahre 1648 — zur Empörung zu führen; er ließ sich zum Heitmann wählen und schloß ein Bündniß mit den Tartaren, den ehemaligen Todfeinden der Kvsacken. Welche glänzende Erfolge er errang, welche schauderhafte Thaten er verübte, haben wir bereits gesehen. Als Chamil die arme, halbtodte Rebecka erblickte, war er entzückt von ihrer Schönheit; da er aber sofort von Zolkiew abziehen mußte, so befahl er, sie ihm nachzuführen. In den Ebenen von Zborow vereinigte er sich mit den Tartaren und gönnte sich Ruhe. Jetzt befahl er, die unglückliche Rebecka zu benachrichtigen, daß sie in einer halben Stunde vor ihm erscheinen solle. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — «erlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpregendruck von I. GottSleben in SRrinft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.