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Der Israelit · 1868-07-08 · Heft 28 (8.7.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 28 (8.7.1868)
Date
1868-07-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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533 ten, da er nicht gewillt sei, dieselbe an seinem Kinde vornehmen zu lassen. — Rücktritt von Convertiten in den Schooß der frühern Glaubensgenossen sind theilweise bereits vollzogen, theilweise angemeldet. Ein Herr Sch. war der Erste, der diesen Rücktritt dadurch effectuirte, daß er durch Dr. Mauthner beim Magistrat seinen Austritt aus der katholischen Kirche notificiren ließ und seinen Eintritt tn*8 Judenthum bei einem der isr. Prediger anzeigte. Auch stellte er das Verlangen, von dem Cultusvorstande als nunmehriges Mitglied der Gemeinde ordnungsgemäß besteuert zu werden. — Unter den zum Rücktritte Gemeldeten befinden sich zwei Greise, die nahezu ein halbes Jahrhundert als Convertiten dem katholischen Glauben angehört hatten. Da aber die betreffenden israelitischen Gemeindeorgane in solchen vorkommenden Fällen oft rathlos sind und die Furcht naheliegt, daß hiedurch unliebsame Conflikte heraufbeschworen werden könnten, so stellte in der letzten Sitzung des israelitischen Gemeindevorstandes dessen Mitglied Adolf Neustadt den Dringlichkeits-Antrag, es sei das Präsidium zu ermächtigen, in dieser Richtung Instruktionen und Verhaltungs-Maßregeln zu ertheilen. Ueber Einsprache des Ritter von Epstein wurde jedoch dieser Antrag nicht drevi manu erledigt, sondern der 2. Section zur Berathung zugewiesen. (D. Presse.) Wien. Der Kaiser von Oesterreich hat den Handelsmann Emil Simmonds zum unbesoldeten Consul in Port au Prince auf Haiti mit dem Rechte zum Bezüge der tarifmäßigen Consulargebühren zu ernennen geruht. Wien. Eine Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen überbrachte dem Reichskanzler eine elegant ausgestattete Dankadresse für seine erfolgreiche Verwendung zu Gunsten der Israeliten in den Donausürstenthümern. Prag. Se. kais. Hoheit Prinz Napoleon hat am 14. Juni bei Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Prag's unter Anderem auch die Altneusynagoge und den alten jüdischen Friedhof in Augenschein genommen. Prag. Dem Berichte über die Rechnung des Armenwesens pro 1867 in Prag entnehmen wir, daß 55 M fl. für verschiedene Zwecke verausgabt wurden. Prag. Der Jahresausweis der Beerdigungsgesellschaft pro 1866 weist eine Einnahme von 14112 fl. und eine Ausgabe von 11943 fl. nach. Die Gesellschaft besitzt noch ein Vermögen von 24812 fl. Lemberg. Von Lemberg erfahren wir die traurige Nachricht, daß der Redacteur der daselbst erscheinenden „Zeitung," Herr Abraham M. Mendelmahr in seinem 53. Jahre gestorben ist. In ihm verliert das Judenthum einen seiner eifrigsten Bekenner, der die jüdische Literatur immer hoch zu halten wußte. Deffen Sohn setzt die Herausgabe des Blattes fort. Pefih. Der ungarische Schulgesetzentwurf umfaßt 8 Abschnitte mit 136 Paragraphen. Der erste Abschnitt handelt von den BolkserziehungS-Anstalten im Allgemeinen. Der zweite Abschnitt enthält Bestimmungen über confeffionelle Schulen und Lehranstalten, die von Privaten errichtet werden. Die confeffionellen Schulen stehen unter Aufsicht des Staates, die Regierung läßt durch ihre Organe solche Anstalten inspiciren, und wacht über die zweckmäßige Verwendung des Schulvermögens. Confeffionelle Schulen, die den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen, hat die Regierung das Recht, sperren zu lassen; in diesem Falle fällt der Genuß des Schulvermögens einer solchen Anstalt der in derselben Gemeinde bestehenden, oder zu errichtenden Gemeindeschule zu. Auch die von Privaten errichteten Lehranstalten stehen unter Aufsicht des Staates, und müssen allen bezüglich der anderen Schulen geltenden Normen genügen. Das Gesetz führt den Schulzwang ein. Die Lehrerbildungsanstalten, deren Errichtung der Gesetzentwurf ankündigt, haben keinen confeffionellen Charakter. Dies die wichtigen Bestimmungen des ungarischen Schul Gesetzentwurfes. Pefth, 21. Juni. Minister Eötvös antwortet auf eine frühere Interpellation Csanadi's wegen Einbringung eines interconfeffionellen Gesetzes, daß dies in der laufenden Session unmöglich sei. Pefih. Prinz Napoleon hat den isr. Tempel besichtigt; der Aron Hakodesch wurde auf sein Ersuchen geöffnet, worüber er sein Wohlgefallen ausdrückte. Aus Dbbs entnehmen wir einem an einen Wiener Kaufmann eingelangten Privatbriefe folgende Mittheilung über den schauerlichen Brand der Stadt vom 16. v. M.: Das Feuer brach um halb 2 Uhr Nachmittags in dem Hause des Faßziehers Leonhardtsberger aus, welches unmittelbar hinter dem Bezirksgerichte liegt und griff mit rasender Schnelligkeit um sich, so zwar, daß um 2 Uhr die ganze Stadt in Flammen stand, und viele Menschen nur das nackte Leben noch retten konnten, wie z. B. der israelitische Handelsmann Samuel Motzel, der nach dem fürchterlichen Brande die zehn Häupter seiner Lieben sammelte: die zehn Kinder zählte und Gott dankte, daß kein theures Haupt verloren ging. Sonst hatte er aber auch gar nichts gerettet, der Mann ist ein Bettler. Italien. Mantua. Selbst auch in dem freien Italien läßt man den Juden keine Ruhe und kommen dann und wann noch Erscheinungen zu Tage, die an das Mittelalter erinnern. Die Regierung hat daran keine Schuld; aber es gibt eine gewisse Klasse Menschen, die der Regierung stets Verlegenheiten bereiten möchte

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