Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1868)
- Date
- 1868-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447370--06294-2461842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
532 von Männern geleitet, deren religiösen Lebenswandel keinem Vorwurfe unterliegt, würde den Weg für eine geeignete Thätigkeit vorzeichnen und n^n mtya mit dem günstigsten Erfolge auch entwickeln können. Ein solcher Verein müßte mit Rücksicht auf die bald eintretende Neuwahl der Gemeinde-Vertretung zuvörderst die Erörterung dieser so wichtigen Angelegenheit in den Vordergrund stellen und 'besonders bemüht sein, den geeignetsten Ausdruck zu geben für die Mißstimmung, welche sich überall gegen die fetzige Gemeinde- Repräsentanz in so gerechter Weise kund gibt. Der Gemeindeseckel ist durch die Herstellung der neuen Synagoge ungebührlich belastet — die trotz Orgel und Cultus - Reform sehr wenig besucht wird! Denn sie ist gebaut für die, die sie nicht besuchen, und wird nur besucht von Denen, für die sie nicht gebaut ist, nämlich Fremde und Christen sind es, die aus Neugierde die splendid ausgestattete Synagoge einmal sehen wollen. Auch die Mißwahl des Predigers hat nicht wenig dazu beigetragen, die mißliebige Stimmung gegen die Gemeinde-Vertretung zu erhöhen. Wie man hört, ist jetzt wiederum die Rede, einen zweiten Prediger anzustellen, und zwar soll dieseömal der Vorstand sein Augenmerk auf Dr. Joel lenken, die Repräsentanten aber auf Dr. Geiger restectiren. Also 1'.-i-r Berlin, im Juni. Die „Stimmen vom Jordan und Euphrat" des Dr. Sachs sind, mit herrlichen Partien aus der literarischen Hinterlassenschaft des Verewigten vermehrt, in zweiter Ausgabe erschienen. Mit der Herausgabe hatte die Familie des Autors den Professor Dr. Lazarus betraut. Die Weise, mit der der Herausgeber dieses Vertrauen benutzt hat, bezeugt das Vorwort, in welchem Professor Lazarus auch Veranlassung genommen hat, ein Bild von dem ihm befreundet gewesenen Dr. Sachs zu entwerfen, — ein Bild, dessen Züge alle Diejenigen, die den Verblichenen in seinem ganzen Leben und Wesen genau beobachtet, genau er- und gekannt haben, tief verletzen müsien. Professor Lazarus legt unter Anderem Zeugniß ab, „daß Sachs im Urtheil erstaunlich frei von jeder Tradition, frei wie ein griechischer Philosoph war, selbstständig, kühn gegen alles Hergebrachte, Gebräuchlichen, allgemein Geltende. Aber in seiner Praxis wendet er diese Freiheit nur gegen den neuerdings hergebrachten, nachgebeteten, äußerlich religiösen Liberalismus; er ist so kühn und so freisinnig — orthodox zu sein." — Also eine Lüge waren das Leben des Dr. Sachs und seine Lehren! Eine Lüge war, was der Mund eines Sachs so begeistert und begeisternd von der heiligen Stätte herab ausgesprochen, getragen vom Geiste echt jüdischer Anschauung verkündet hat! Eine Lüge war, was Sachs an frommen Gedanken und jüdischen Lehren niedergelegt hat, geschrieben hat in seinem erhabenen Büche „die religiöse Poesie der Juden in Spanien!" Ja, auch der Denkstein lügt, der das Grab des frommen Lehrers deckt, das Denkmal, ein Zeugniß aus der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft, dem näher stehende Freunde deö Heimgegangenen die Inschrift aus dem Buche Maleachi gegeben haben. „Lehre der Wahrheit war in seinem Munde „und Unrecht ward nicht gefunden auf seinen „Lippen; in Frieden und in Geradheit wandelte er mit mir, und Viele brachte er zu- „rück von Schuld!" — Zum Glück weiß man in hiesigen Kreisen, daß das Urtheil aus dem Munde eines Philosophen kommt, dem selbst etwas Menschliches passirt ist, nämlich seinen religiösen Standpunkt von der Strömung der Zeit beeinflussen zu lassen, also jedenfalls bereits einmal geirrt zu haben. Es ist bekannt, daß, so lange Dr. Sachs gelebt, in praktisch-religiöser Beziehung auch der Herr Professor einen festen Standpunkt eingenommen hat; der erst seit dem Heimgange des Freundes eine andere Richtung genommen hat, wie Alle Diejenigen wissen, die einmal Gelegenheit hatten, zu beobachten, wie der Herr Professor es z. B. jetzt mit dem Gesetze des Sabbattages hält. War ja der Herr Professor auch der Erste unter den Petenten, als es im vorigen Jahre galt, die Berufung des Dr. Geiger zum Rabbinen hiesiger Gemeinde zu beantragen! — Unverzeihlich ist es aber, daß die Freunde des Dr. Sachs, die ihm im Leben so nahe gestanden, auch die ior6 rn "wa, und die am Ersten im Stande sind, den Behauptungen des Herrn Professor mit Entschiedenheit entgegenzutreten, jetzt in tiefes Schweigen sich hüllen. Sollten die ehemaligen Freunde in gegenwärtiger Zeit gewisse Verluste fürchten, würden sie für den in die Schranken treten, der nicht mehr zu den Lebenden zählt? Sollten sie etwa fürchten, man würde von gewisser Seite her für sie erkalten, wenn sie, wie einst Mendelsohn, handelten, der nicht gesäumt hat, seinen Freund zu vertheidigen, als nach dem Tode desselben Beschuldigungen des. Spinozismus gegen ihn erhoben wurden? — hdk Aus dem Norddeutschen Bunde, im Tamus. (Privatmitth.) Dem italienischen Consul in Hamburg, H. Jonas, Chef des dortigen Bankhauses H. Jonas u. Cie, ist von Sr. Majestät dem Könige Victor Emanuel der Maurice et Lazare-Orden verliehen worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Die Consequenzen der Staats- und interkonfesstonellen Gesetze beginnen in verschiedenen Kreisen an den Tag zu treten. Dieser Tag meldete bei einem der hiesigen iör. Prediger ein Vater die Geburt seines Sohnes mit dem Verlangen an, dieselbe einfach zu registriren, ohne die Beschneidung abzuwar-