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Der Israelit · 1868-07-08 · Heft 28 (8.7.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 28 (8.7.1868)
Date
1868-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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531 trug, ben finanziellen Haushalt der Gemeinden zu erschüttern. Der Schutz einer fremden Regierung befreit von jeder inländischen Steuer; so daß die Gesammtlast der Regierungssteuern auf die unbemittelte Classe fällt. Es bestehen nämlich zwei verschiedene Steuerauflagen, welche die Regierung en bloc durch den Oberrabbiner eintreiben läßt, die Militärsteuer und das Kopfgeld. Von Jahr zu Jahr wird nach einer gewissen Bewohnerzahl für jede Gemeinde die Steuersumme bestimmt. Der Chacham-Baschi kann diese nur von den Rayahs erheben. In Betreff der Militärsteuer herrschen verschiedene Systeme; in den meisten jüdischen Gemeinden der europäiscken Türkei hat reich wie arm jeder zwanzigjährige Mann eine gewisse Summe jährlich zu bezahlen, deren Gesammtbetrag jedoch wiederum durch den CH.-B. abgeliesert wird. Gewöhnlich bezahlen die Bemittelten für die Armen, welche hingegen für diese Frohndienst zu leisten haben. In der asiatischen Türkei wird jährlich eine Summe bezahlt, deren Betrag nach Verhältniß der militärpflichtigen Jünglinge steigt oder fällt. Die Gesammtsumme wird sodann auf die betreffenden Häuser nach Verhältniß des Besitzthums vertheilt. Da nun im Allgemeinen der Reichere für den Armen Steuer entrichten muß, so versteht es sich von selbst, daß ein beträchtlicher Theil der Privatmildthätigkeit dadurch geschmälert wird. Nun wird in der Türkei nicht mit europäischer Strenge die Steuer eingetrieben, so daß viele Gemeinden große Schulden der Regierung gegenüber haben. Verhehlen wir es hier nicht, daß die türkische Regierung eine milde, barmherzige ist, unter deren Scepter der Jude im Allgemeinen ruhig lebt. (Forts, folgt.) IeLtungsyachrithten und Correspondenzen. Deutschland. □ München Die beiden Gemeindecollegien unserer Residenzstadt haben denk. Rektor der Handels¬ und Gewerbeschule in Fürth, Hrn. vr. Brentano, zum Director der neugegründeten städtischen Handelsschulen gewählt — eine Wahl, die als eine sehr glückliche bezeichnet werden muß, da Dr. Brentano eine der ersten Autoritäten seines Faches ist. — Da derselbe Israelit ist, so haben durch seine Wahl die Vertreter unserer Gemeinde einen neuen Beweis geliefert, welch tolerante Gesinnung in Bayerns Residenzstadt vorhanden ist. — Höchberg. Am 2. Tamus wurde dahier die irdische Hülle des im Alter von 90 Jahren ins bessere Jenseits Heimgegangenen Hirsch Eldod zu Grabe getragen. — Der Verstorbene war einer jener Männer, wie sie sich früher häufig, jetzt aber leider nur vereinzelt in Israel vorsinden. Wie der Thau des Himmels geräuschlos und von den Augen der Menschen unbemerkt auf die durstigen Pflanzen sich lagert, sie erquickt, erfrischt und ihr Wachsthum fördert, so flössen reichlich und im Stillen die Spenden den Armen und besonders den Thorabeflissenen aus der Hand dieses edlen Mannes. Jeden, der sich mit dem Thorastudium beschäftigte, betrachtete er als seinen ehrwürdigen Lehrer, dessen Worten er lauschte, dessen Rath er sich erbat und dessen Lehren er treulich befolgte. Ganz im Geiste des echten Judenthums brachte er große Opfer für die Erziehung seiner Söhne. Obwohl nicht in den glänzendsten Vermögensverhältnissen, hielt er sich lange Zeit einen Talmudlehrer im Hause, damit dieser sowohl ihn selbst, als auch seine Söhne unterrichte. Dieses Streben wurde auch von glänzendem Erfolge gekrönt, indem seine Söhne i"vi, was Frömmigkeit, Wohlthätigkeitssinn und Liebe zur Thora betrifft, als wahrhafte Muster dastehen. Herr Rabbiner L. Ottensoser und der Sohn des Verstorbenen, Herr Salomon Eldod, Lehrer an der isr. Bürgerschule zu Fürth, sprachen tief ergreifende, das Lebensbild des Dahingeschiedenen darstellende Worte an dessen Sarge. Ersterer hob besonders hervor, daß derselbe als wahrer — -i-6k — Gottesfreund sich bewährt; in Gott und für Gott gelebt, gewirkt und sich schon vor 20 Jahren durch Legate zu frommen Zwecken und durch ein gottgeweihtes Leben zu seiner Reise in das lichte Jenseits würdig vorbereitet hat. rbtt'n- Buttenhaufen Die von unserm Correspondenten in einer der jüngsten Nummern gebrachte Mittheilung, die Anstellung des Herrn vr. Silberstein in Buttenhausen betteff., ist, wie wir aus einer Zuschrift des dortigen Kirchenvorsteheramtes ersehen, dahin zu ergänzen, daß benannter Rabbiner durchaus nichts mit dem Vorsängeramte zu thun habe. Berlin, am 17. Juni. Bei dem großen Zuzuge, den die hiesige Gemeinde, welche bereits über 30,000 jüdische Seelen zählt, fortwährend aus den Provinzen erhält, nimmt man in erfreulicher Weife wahr, wie hierbei die eigentliche orthodoxe Partei vielfach an Männern gewinnt, die im Stande sind, mit Energie und Eifer für die Interessen unserer heiligen Sache einzutreten. Wie in Wien durch den Zuzug in den letzten Jahren die orthodoxe Partei an Consolidirung gewonnen und hierdurch eine feste Organisation in segensreicher Weise erzielt hat, so ließe sich dies auch hier nicht schwer erreichen. Ein Verein zur Wahrung der orthodoxen Interessen,

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