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Der Israelit · 1868-07-01 · Heft 27 (1.7.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 27 (1.7.1868)
Date
1868-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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519 Türkei. Der „Moniteur" erhält aus Konstantinopel einen Bericht über den Empfang, welcher den Vertretern der nichtmuhamedanischen Bekenntnisse am 23. Mai beim Sultan zu Theil wurde. An diesem Tage begaben sich um Mittag der griechische, der gregorianisch-armenische, der katholisch-armenische Patriarch und der israelitische Großrabbiner nach dem kaiserlischen Schlöffe Beyler-Bey, von den kirchlichen Würdenträgern begleitet. Der Zweck dieses Besuchs war, dem Sultan für die Rede zu danken, welche er bei Gelegenheit der Eröffnung des Staatsrathes gehalten und in der er Gleichheit der bürgerlichen und politischen Rechte seiner Unterthanen proclamirt hatte. Der Sultan empfing die Deputation stehend, indem er sie durch eine freundliche Bewegung einlud, näher zu treten, dann selbst einen Schritt vorwärts that und so in ihrer Mitte stand. Der griechische Patriarch verlas eine Dankadreffe, welche sein Dragoman ins Türkische übersetzte. Der Sultan antwortete mit fester Stimme: „Ich danke Ihnen für die Glückwünsche, welche Sie mir darbringen; das Glück meiner Unterthanen, die ich im Sinne einer vollkommenen Gleichheit betrachte, ist auch das meinige. In meinen Augen besteht kein Unterschied zwischen Muselmännern und Nichtmuhamedanern. Die Religion und die Rechte der Nichtmuhamedaner wurden schon bisher unverletzt erhalten, aber die Nichtmuhamedaner wurden noch nicht zu den großen Staatsämtern berufen. Das war das alte System; jetzt ist dieThüre zu allen Aemtern, auch zu dem des G r o ß v e z i e r s, den Nichtmuhamedanern geöffnet. Das Verdienst allein wird die Ernennung zu den öffentlichen Aemtern bestimmen. Rechnen Sie auf meine Gesinnungen; ich will das Glück aller meiner Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung." Auf diese Worte bemächtigte sich der Hörer eine unaussprechliche Freude, ein Jeder drückte, so gut er konnte, seinen Dank aus und der Sultan, selbst gerührt durch diese förmliche Explosion der Dankbarkeit, fuhr fort: „Indem ich den Staatsrath und den obersten Gerichtshof errichtete, verfügte ich, daß man in dieselben hervorragende Männer aus jeder Gemeinde beriefe, welche diesen großen Staatskörpern ihre Kenntniffe und Erfahrungen mittheilen werden. Sie werden dort die Geschäfte mit dem Bei« stand der Gerechtigkeit führen, welche die Grundlage aller Regierungen ist; das Vertrauen wird wachsen in einer jeden Gemeinde. So wird, da alle meine Unterthanen die Kinder desselben Vaterlandes sind, ihre Eintracht, die Zukunft und das allgemeine Wohlergehen gesichert" Der Sultan nahm hierauf die Adreffen der verschiedenen Gemeinden entgegen und entließ die Deputation unter neuen Bezeugungen seines Wohlwollens. Feuilleton. Der kleine Jan. (Fortsetzung.) III. Die beiden Männer gingen mit einander, beide schweigend. Auf den Jäger schienen Jakobs Worte einen tiefen Eindruck gemacht zu haben; er sann ihnen nach. Jakob überlegte, wie er es anfangen sollte, den Starosten zu gewinnen, daß er ausziehe und ihm Rebecka befreien helfe. „Siehe," Hub endlich der Jäger zu reden an; „es ist noch nicht lange her, da dachte ich wie Du. Ich war auf Reisen mit meinem Herrn: wir sahen viele fremde Länder. Deutschland war von einem langen Kriege zerrissen, seine Felder verwüstet, seine Fluren verödet, seine Dörfer verbrannt, seine Städte ohne Bewohner. O, dachte ich, wie ist Polen doch so glücklich, w» Glaubenshaß nicht Brüder gegen Brüder zum Kampfe ziehen läßt! — Ich kam nach England, wo der König im blutigen Kriege mit seinem Parlamente, mit seinem Volke steht und das Blut der Landeskinder in Stömen fließt, und wieder pries ich Polen, mein Vaterland, wo der König nicht wagen darf, den Reichstag zu unterjochen. Ich kam nach Frankreich; an der Spitze der Regierung steht dort ein Priester, ein Cardinal — gegen ihn kämpfen im blutigen Bürgerkriege die Prinzen und Großen des Landes, die sich die Fronde nennen. Ich sagte zu Mazarin: „Warum versammelt man nicht die Stände des Reichs, um Eure Streitigkeiten friedlich zu schlichten?" Und wieder schätzte ich mich glücklich, ein Pole zu sein. Ich ging nach Italien, nach der Türkei, und nirgendwo fand ich ein Land, das unserer polnischen Republick gleichzustellen wäre. Da kehre ich nach Hause zurück und finde es hier schlimmer denn irgendwo: Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit überall! Auf dem Throne einen ehemaligen Priester * *), der das Land nicht zu lenken versteht und es durch seine Sckwache zu Grunde gehen läßt! Wer hat den Chamil zur Empörung getrieben? sind es nicht die schmählichen Ungerechtigkeiten, die er vom Fürsten Jatinski zu erdulden hatte und gegen die er ohne Erfolg sich Jahre lang beschwerte? „Und wie steuert man dieser Empörung? Unfähige Generäle führen wenig zahlreiche Heere statt zum Siege zum Tode — an der Spitze der Regierung steht ein Kanzler, *) welchem sein Vaterland feil ist für *) Johann Kasimir war Kardinal gewesen und erst seit dem Tode seines Bruders Wladislaw IV. in den weltlichen Stand zurückgetreten, um König zu werden. *) Hieronymus Radziejowsli.

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