Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1868)
- Date
- 1868-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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517 hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Lazar Horwitz, im israelitischen Tempel in der großen Schiffgasse eine erhebende Trauerfeierlichkeit statt, welcher die nächsten Angehörigen de« Verstorbenen, viele KultuSmitglieder und ein sehr zahlreiches andächtiges Publikum beiwohnten. Hr. Rabbiner Spitzer gedachte zum Schluffe in warmen Worten der vielen Verdienste des Verewigten, die er sich um die hiesige Judengemeinde erworben. Montag Abends findet auch ein Trauergottesdienst im israelitischen Tempel in der Stadt statt. Wien. In Folge eines eigenthümlichen Vorfalls, so schreibt man der „M U." aus Groß-Becskerek, ist unsere Stadt der Schauplatz einer allgemeinen Aufregung geworden. Noch zur Zeit des jüdischen Faschings, hatte ein Israelit das Stückchen aufgeführt, daß er durch Bestechung eines Dieners der dortigen serbischen Kirsche zu den Kirchengewändern gelangend, sich als Pope verkleidete und in dieser Vermummung von Haus zu Haus betteln ging. — Die längste Zeit blieb der freche Spaß geheim, bis er jetzt, man weiß nicht wie, herauskam, und die ganze Stadt in eine Aufregung versetzte, über der man selbst die Steuerexekution vergaß. Am 4. Juni hielten die Serben eine Voksversammlung aus diesem Anlaß, in welcher die absonderlichsten Anträge gestellt wurden. Einer aus der Herrenklasse debutirte sogar mit der Meinung, da- Beste wäre, sämmtliche Juden todt zu schlagen, ein Anderer hielt dafür, daß es zweckmäßiger wäre, den Entweiher des Priestergewandes zu verbrennen; zum Glück waren jedoch auch vernünftige Menschen anwesend, welche die Sache auf den gesetzlichen Weg zu verweisen wünschend, beschwichtigend dazwischentraten, so daß es gelang, ohne ein größeres Unglück die Volksversammlung aufzulösen. Die Serben sind jedoch mit diesem Beschluß keineswegs zusriedengestellt, sondern werden an den Karlowitzer erzbischöflichen Stuhl appelliren. (Fremdenblatt.) Peflh. Zur Kennzeichnung der Verläßlichkeit jener Betheuerungen, welche dierumänischeRegierung für die Vorstellungen der Vertreter der befreundeten Mächte in Angelegenheit der Judenhetze stets in Bereitschaft hat, bringt die „Herm. Ztg." folgenden aus Fogaras ihr mitgetheilten Fall vor die Oeffentlichkeit: „Ein Israelit aus Unter-Arpas will seinen Sohn in Bukarest besuchen. Fünf rumänische Fuhrleute aus Unter-Arpas gehen mit Glaswaaren aus der Ober-Arpaser Glasfabrik in die Walachei und nehmen den alten Israeliten gegen mäßigen Fuhrlohn mit. Jenseits des Tömöscher Passes zeigt der Israelit seinen von den hierländischen Behörden regelrecht ausgestellten und vidirten Patz vor, wird aber von dem rumänischen Grenzosfizier barsch angefahren und angewiesen, sich gleich zurückzutrollen, widrigens er ihn zurückeskortiren ließe, weil den Juden der Eintritt in die Walachei verboten sei. Die fünf rumänischen Fuhrleute baten den Grenzbeamten, ihren Mitinsaffen Weiterreisen zu lassen und verpflichteten sich unter Bürgschaft, denselben — falls die Befürchtung, daß er dem Lande zur Last fallen könnte, die Ursache des verbotenen Eintritts sein sollte — wieder mit zurückzubringen. Der humane Antrag der Fuhrleute wurde damit erwiedert, daß sie aus dem Amtslokale gejagt wurden. Um seinem Benehmen die Krone der Rohheit aufzusetzen, meinte der Grenzbeamte, er wolle dem Jaden die Weiterreise gestatten, wenn er sich seinen langen Bart abschneiden ließe. — Kurz der Israelit mußte umkehren, ohne seinen Sohn umarmen zu dürfen." Aus Lemberg, 11. Juni, wird gemeldet: Bei der gestrigen Gemeinderathssttzung war die Fortsetzung der Berathung über das städtische Statut auf der Tagesordnung. Auf Antrag des LakirermeisterS Dombrowski votirte die Majorität die Beibehaltung der früheren grundgesetzwidrigen und lächerlichen Bestimmungen, daß nur 20 Juden im Gemeinderath sitzen dürfen, sowie, daß der Bürgermeister und Vizebürgermeister Christen fein müssen. Der Beschluß rief eine allgemeine Bewegung hervor, umsomehr, als der Antrag des Gemeinderathes Wildaus namentliche Abstimmung verworfen wurde. Holland. Amsterdam. Der König von Holland hat Herrn vr. I. Wertheim dahier zum stellvertretenden Bezirksrichter für den ersten Bezirk ernannt. (N. Weekbl.) Amsterdam Der Minister der Colonien hat Herrn Or. I. van Gigch zum Mitglied der Prüfungscommisston für die im niederländischen Indien zum bürgerlichen Dienste anzustellenden Beamten ernannt. (N. Weekbl.) Amsterdam. Herr I. A. Jessurum wurde zum Consul des norddeutschen Bundes in Curayao ernannt. (N. Weekbl.) Frankreich. Paris. Bevor Prinz Napoleon seine Reise durch Mitteleuropa, während welcher er auch nach Rumänien reist, angetreten hat, überreichte Cremieux demselben eine Bittschrift, in welcher er denselben um seine Verwendung bei dem Fürsten Karl von Rumänien zu Gunsten der unterdrückten Israeliten ersuchte. Prinz Napoleon versprach alles in seinen Kräften Stehende zu thun. Paris. Die „All. isr." und der Oberrabbiner von Frankreich haben einen Aufruf zur Unterstützung der nothleidenden Israeliten im Orient besonders in Marokko ergehen lassen.