Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1868)
- Date
- 1868-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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516 „Hierzu kömmt nun die zweite Seite des wissenchaftlichen Unterrichts, welcher für die Vorgeschritteneen vom Leiter der Anstalt selbst wöchentlich ca. 12stündig, für die Anfänger nach Maßgabe ihres Bildungsgrades von einem ebenfalls aus der rca?' selbst designirten wissenschaftlich gebildeten Mitgliede wöchentlich 7 bis Sstündig ertheilt wird. In wie weit sich der Einzelne zur Theilnahme an den einzelnen Zweigen des Unterrichtes hingezogen fühlt, bleibt ihm selbstverständlich überlassen, nur werden hiebei vom Leiter der Anstalt zwei Gesichtspunkte streng eingehalten. Die Teilnahme am wissenschaftlichen Unterricht wird nämlich 1. denen versagt, deren Obliegenheit der p"n"n und dem »-int nicht derartig ist, daß sie den bei ihnen voraussetzen läßt, und 2. denjenigen, die in unverständiger Eitelkeit an höheren Unterrichtsgegenständen participiren wollen, ohne die nothwendigen ruderen Elemente hinter sich zu haben, wie dies z. B. bekanntlich bei dem Lateinischen und dem gegenüber etwa weniger anziebenden Deutschen, der Geographie, Geschichte rc. der Fall ist. So felsenfest nämlich unsere Ueberzeugung feststeht, daß der nothwendige Abbruch des ausschließlich talmudischen Studiums durch die wissenschaftlichen Zeitbedürsnisse, wenn dabei das richtige Verhältniß eingehalten wird, sehr wohl verantwortet und das Studium dcr Wissenschaft reinstes U'Dw Dttf1? getrieben werden kann, so entgeht uns anderseits am allerwenigsten, daß dieser Abbruch nur dann gerechtfertigt erscheint, wenn gediegene, solide, echte Wissenschaftlichkeit gefördert wird, nicht aber hohle, unaufrichtige auf Selbsttäuschung und Täuschung Anderer berechnete Halbbildung und Falschheit. — Auch über die Leistungen der jüngeren Schüler nach der wissenschaftlichen Seite hin verschafft sich der Leiter der Anstalt allmonatlich durch eine 2—Sftünbige Prüfung Rechenschaft. Trotz der relativ so beschränkten Mittel der Anstalt haben wir dennoch schon eine Reihe von Semestern am Schlüsse des Kurses einer Anzahl von armen dmrp, die sich durch vorzügliche Conduite und gute Leistungen hervortbaten, Geldstipendien aus den Mitteln der rron zukommen lassen. „Die Lehrgegenstände haben in Beziehung zu dem im ersten Berichte veröffentlichten Programme nur eine wesentliche Veränderung erfahren, indem nämlich auch das Griechische, gegen dessen Aufnahme unter die Disciplinen ich mich in der genannten Schrift aussprach, schon seit einigen Jahren mit in den Lehrplan ausgenommen worden ist. Ich muß mich hierüber deutlicher erklären. In meiner derzeitigen Auseinandersetzung bezog ich mich auf die Meinungsdifferenz auch der gediegensten Fachgelehrten, ob denn das Griechische obligater Gegenstand der Humanitätsstudien überhaupt sein soll und habe mit Bezugnahme auf die angeführten Ansichten und in Erwägung, daß wir unsrem eigentlichem Fachstudium nur so viel Abbruch zu thun das Recht haben, als das unabweisliche wissenschaftliche Bedürfniß es erheischt, gegen diesen Unterricht plaidirt. Ich bin heute ganz derselben Meinung, wie damals. Die Lügenpresse des damals noch existirenden „Ben Chanaja" und ähnlicher Tendenzmacher haben mir damals gegen meine ausführliche Auseinandersetzung imputirt, als halte ich das Griechische für etwas überhaupt Unnützes. Auf solche Lächerlichkeiten braucht man wirklich nicht zu erwidern: was ich damals sagte, halte ich heute noch vollständig ausrecht, daß es nämlich wünschenswerth wäre, des Obligatorischen der griechischen Sprache überhoben zu sein, auf daß die jüdischen Studirenden ihrem Hauptstudium um so viel Zeit mehr zuwenden können. Will dann der Eine oder andere dieser anziehendsten aller fremden Sprachen und Literaturen seine Sympathien zuwenden, so mag er sich dem Studium derselben nach Neigung und besonderer Hingebung widmen. Einem cm dit zufolge soll man sogar in neuerer Zeit damit umgehen, das Obligatorische des Griechischen in den ungarischen Gymnasien aufzuheben. Für nicht mehr und nicht weniger habe ich eben, in jenem Berichte gesprochen." — Der Bericht enthält noch zwei gelehrte Arbeiten, eine vom Leiter, „ Abhandlung über jüdisch - rituelle Maße und Geldwerthe," und eine andere von einem Schüler der Anstalt, „Aphorismen über die in einer Münchener Handschrift aufbehaltene Einleitung zur arabischen Psalmenübersetzung des R Saadja Gaon von Dr. Jakob Cohn, Rabbinatscandidat;" außerdem eine große Spendenliste, weläe die allgemeine Theilnahme bekundet, und das Namensverzeichniß der im I. 5627—28 in Eisenstadt studirenden Jünglinge; es werden liO Namen aufgezählt, von denen 91 Ungarn, 16 andern österreichischen Kronländern, 2 Deutschland und einer Dänemark angehören. Das großartige Wirken des Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer ist in der That epochemachend in der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Seine unermüdliche und unerschöpfliche Thätigkeit, sein unendlich reiches Wissen in der jüdischen Literatur, in den klassischen und modernen Sprachen, in den mathematischen und philosophischen Wissenschaften — das Alles ist noch gering zu achten gegen die engelgleiche Reinheit seines Characters, gegen die wunderbare Begeisterung, die ihn für Juden und Iudenthum beseelt, gegen die Energie, mit der er stets bereit ist, Alles, Alles der heiligen Sache zu weihen, deren Vertretung das Princip seines Lebens ist. Jeder, der da weiß, daß das echte, ernste Thorastudium die Grundlage, das Fundament ist, auf welchem das gesammte jüdische Leben sich auferbaut, wird die gesegnete Thätigkeit des Herrn Dr. H. zu würdigen wissen. Welche eine erhabene Aufgabe, 100 Jünglinge mit dem Geiste des Judenthums zu durchdringen, sie