Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1868)
- Date
- 1868-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
- Tacitus 1× ep/1025676
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514 verheiratete er sich und privatistrte einige Jahre in Halberstadt. Damals hatte der Herausgeber dieser Blätter das Glück, zu den Füßen des Herrn vr. H. zu sitzen. Um eine Vorstellung davon zu geben, wie Herr vr. H. damals seine Mußezeit verbrachte, möge Folgendes dienen: Morgens vor der Synagoge von 4— 6 hatten wir bei ihm einen D’pDiD mjrp; dann von 8—10 lernten wir s'v'ä raoo; von 10-12 lasen wir zusammen Sophokles, Homer, Thucydides, Tacitus und Horaz; von 2 - 4 Nachmittags hatten wir einen nijrtp pin; von 8—10 Abends wiederum D’pDis; am Sabbat gingen wir zu noatEn, und lernten dann von 8— 12*/2, also den ganzen Vormittag row hddo und an den Winter-Freitag-Abenden lernten wir myop pddd. Damit war aber die Thätigkeit des geliebten Lehrers noch nicht erschöpft, denn während der Herausgeber dieser Blätter damals das Gymnasium schon absvlvirt hatte, waren noch andere junge Leute dort, welche erst für die höheren Classen des Gymnasiums von Herrn vr. H. vorbereitet wurden. Im Jahre 1851 wurde Herr vr. H. nach Eisenstadt als Rabbiner berufen. Hier gründete er sofort die in Rede stehende Rabbinerschule, der er den größten Theil seiner Kraft weiht und nicht unbedeutende materielle Opfer bringt. Herr vr. H. bezieht für die 10 oder 12 Stunden, die er täglich im Talmud, in den Codices, in der Mathematik, im Lateinischen rc. unterrichtet, nicht allein keinen Pfennig Honorar, sondern viele arme Studirende erhallen von ihm Geldunterstützung und täglich essen nicht wenige dieser Unbemittelten an seinem Tische. Daß das Alles nur möglich ist dadurch, daß seine edle Gattin 'nas* in wahrhaft antiker Tugend und Einfachheit eine zweite Abiga'il ihm zur Seite steht, bedarf wohl nicht erst der Versicherung. Diese edle Frau, einem der vornehmsten und wohlhabendsten Häuser entsprossen, verzichtet gern auf die Annehmlichkeiten großstädtischen Lebens, wohnt zufrieden in der Eisenstädter Judengasse und führt -ich beglückt durch das glänzende und erfolgreiche Wirken ihres Gatten. Fassen wir nunmehr den Bericht selbst in's Auge. Darüber, daß seit 10 Jahren kein solcher erschienen, sagt Herr vr. H.: „Ein Decennium ist seit unserer bis jetzt einzigen Kundgebung versiossen. Der Abschluß eines solchen ladet unwillkürlich zur Rückschau ein, um so mehr, wenn die Tendenz einer Anstalt, wie die der unsrigen, so universellen Charakters ist, daß die Oeffentlichkeit ein Recht hat, offene Rechenschaft über Thun und Lassen, Wirken und Schaffen derselben zu verlangen. Ja es ist sogar — es entgeht uns das nicht — der vorübergegangene Zeitraum ein zu großer, da sich das Institut eine viel größere und vielseitigere Wirksamkeit vorgesteckt, als viele andere Anstalten,, welche über die Erfüllung ihrer Pflicht und das Resultat ihrer Thätigkeit alljährliche Berichte erstatten. Daß dieß bisher von unserer Seite nicht geschehen, hat mehrere sehr unpoetische, aber zwingende Gründe. Die Anstalt hatte in den Zeiten des Centralismus und der despotischen Schulorganisation so viele Stürme zu überstehen, deren erste Veranlassung dem Gefertigten sogar bis heute noch unbekannt ist, daß ihr die Berührung mit der Oeffentlichkeit sattsam verleidet wurde und es ihr wohl that, wenn sie rein in sich zurückgezoaen autonom leben konnte. Sie vermied es an die Oeffentlichkeit zu appelliren, um nicht die bösen Geister aufzuschrecken, deren Geheimniß zu lüften wir durchaus kein Verlangen haben. Aber auch eine andere materielle Frage legte uns Fesseln an. Die Kostenfrage nämlich. Wie ich im ersten Berichte erwähnt, geht es der Anstalt wie allen übrigen in Ungarn, sie leben rein vom piivI. Von Fondation oder sonstiger Bürgschaft für die Deckung des Ausgabenetat keine Spur; ihr einziges Vermögen ist ihre moralische Tüchtigkeit und das Vertrauen, welches sie sich bei den Gesinnungs- und Parteigenossen erringt." Ueber die innere Geschichte der Anstalt berichtet Herr vr. H. wie folgt: „Was die innere Geschichte der Anstalt betrifft, so ist auch diese mit wenigen Worten gegeben. Die Devise des Instituts px -pn Dy min ns» wurde stets ernst und gewissenhaft eingehalten. Ausführlicheres geben die im Jahre i":nn publicirtenStatuten, welche schon ein ganzes Jahrzehnt vorher tagtäglich gehandhabt wurden. Die durchschnittliche Frequenzzeit der Schüler ist 3—4 Jahre, während deren Jeder mindestens an dem wöchentlich lOstündigem niy’ty participirt, oder wenn er jünger ist und die Befähigung zur Theilnahme an demselben noch nicht besitzt, durch einen mindestens 2stündigen täglichen Unterricht zur allmonatlichen Prüfung in demselben vorbereitet wird. Außerdem muß sich jeder noch einen täglichen 2—3ständigen ynp niy’tp einrichten und nach Bedürfniß an dem obligaten täglichen Unterrichte in pios und pnpn in einer der Klassen Theil nehmen. Alles dieses so wie selbstverständlich ein religiöses, sittlich moralisches Leben ist strengstens Pflicht. Da wir nicht voraussetzen können. daß jedem Leser unsre Statuten vorliegen, so ergänzen wir aus denselben, daß für die ärmeren jüngeren omro, die keinen Lehrer honoriren können, aus den Mitteln der man ein ZvsiQ -nna designirt ist, welcher täglich zwei Stunden den -nynsr, und ein anderer , der täglich zwei Stunden Nebenlehrt. Allmonatlich am EHinn w-rn wird hierüber vom Leiter der Anstalt etwa 4—5 Stunden lang eine rigorose Prüfung angestellt und nach dem Ausfälle der Censuren die Subvention für den nächsten Monat von Seiten der D'niu bestimmt.