Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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504 70 kr verlauft, der Bauer dagegen sie um 60 kr. erhandelt zu haben; es kam zum Streite. Der Bauer rief einen Polizeimann hei bei, welcher den Streit beilegen wollte; dieser g-berdete sich aber, wie cs in Galizien zu geschehen pflegt, zugleich als Richter und nahm endlich den Krämer beim Kragen, um ihn auf die Polizei zu schleppen. Der Jude, der eS wahrscheinlich mit der sanktionirten persönlichen F eih it ernst nabm, protestirte gegen die rohe Behandlung; eS kam zu Tätlichkeiten, und der Poliz-tmann zog ein blankgeschliffenes Schwer»! Darob erschreckt, kommt der Nachbar Caspar Ludmer, ein Schnsitwaarenhändler herbeigehinkt (er ist ein krummbeiniges, schwaches Männlein) und wird mit Stößen tractirt; dessen Frau, Malte Ludmer, die den Gckten wegziehen will, erhalt mehrere Schwerthiebe über den Schädel und fällt besinnungslos nieder, und einem Schneider, M chel Kam, haut der Wütende zwei Finger von der Hand weg. Endlich gelang eS mehreren herbeigeru enen Polizeileuten, den Cameraden wegzubringen und auf Befehl eines israelitischen Gemeindet atheS zu arrctiren. Eine Stunde darauf verbreitete sich das Gerücht, man hatte den Polizeimann freigelafsen. Als ein i'raelit. Gemeinderath in das Gemeindeamt g'ng, um sich hierüber Gewißheit zu verschaffen, erklärte man ibm: „Man habe dem Delinquenten nur ein wen g erlaubt, nach Hause zu geben und sich an seinem Mittagsmahl, das etwa kalt werden würde, nach so v el Mühe zu delectiren " (!) Ein anderer Polizeimann kam darauf mit der Me^ge die, na'ürlich aufgeregt, sich nicht zerflreute, in Confl ct und mußte sich in die Probinations^Kanzlei flüchten. Darob kam der Polizei- Fel webel in Harnisch und requirirte ungefähr 30 bis 40 Soldaten. Als diese auf dem Marktplatz ankamen, ries der Polizei-Feldwebel: „Pflanzt das Bajmnet!" Es geschah, und mit gefälltem Bajonne» lief die Mannschaft unter „Hurrah" zum Angriff. Die Bout'q ien und Läden wurden gesperrt, und todtenble'ch vor Schreck lief Alles, was Beine hatte, als flüchte man sich vor den raubenden und mordenden So daten Tilly'S Da Niemand an einen Widerstand je gedacht, erstürmten die Soldaten die imag'nZren Barrikaden. besiegten die nickt dagewesenen Hindernisse und befreiten den nickt gefangen gewes.nen Polizeimann. Das Publikum hat bei diese'' Affaire die Entdeckung gemacht, daß die Säb l der Polizeimannschaft vor Kurzem geschliffen wurden, als ob man sich zu einem Rencontre mit den Juden vorbereitet hätte Der He r M«jer, der vor dem Gasihause saß, wußte gar nicht, daß seine Mannschaft im GH tto Schlachten schlage und „Hu rah" gegen We^rlse schreie. Der Feldwebel der Linie hat dem Polizei-Feldwebel Folge geleistet! ES hatte ja nichts auf sich, es ging gegen die Juden her! Wozu also eine höhere Ordre, die kommt ja nachträglich." Donaufür stenthümer. Bukarest. Die „Patrie" veröffentlicht eine von dem rumänischen Minister des Aeußern, Hrn. Golssco, kürzlich (das Datum ist nicht angegeben) an die Vertreter der fremden Mächte erlassene Note, welche auf die Judenfrage Bezug hat. Das ziemlich umfangreiche Actenstück ist ein wahres Muster von Zweideutigkeit und Wortmacherei. Die Judenfrage in Rumänien fei keine religiöse, sondern eine sociale. Namentlich in den Gegenden jenseits Milkow befänden sich Handel und Industrie ausschließlich in den Händen der Juden; man denke nicht daran, sie zu entfernen, aber die Mittelclaffen des Landes, welche durch die neuen I lstitutionen zu einer politischen Rolle berufen worden wären, hätten Schutz gegen ein Element verlangt, das sich bisher noch mcht mit der Nation identificirt hätte. Wenn hier und da bedauerliche Vorgänge sich zugetragen hätten, so seien dieselben doch vereinzelt geblieben. Die Schutzmächte sollten nur Vertrauen in die rumänische Regierung haben, dann werde dieselbe gewiß aller Schwierigkeiten Herr werden und insbesondere die Judenfrage zur Ehre der modernen Civilisation und ohne Verletzung der nationalen Interessen auslrazen. An Oesterreichs Adresse enthält die Rote folgende Stelle, in welcher wohl Niemand eine Genugtuung erblicken kann: „Wir haben zu viel Erkenntlichkeit für die Schutzmächte, um nur einen Augenblick an 'ihrer Teilnahme gezweifeit zu haben. Wenn die Regierung zeitweilig durch ihre Agenten irre geführt werden kann, so liegt es ebenfalls in der Natur der Sache, daß eine Nation um so mehr für ihre Würde besorgt ist, je weniger materielle Kraft ihr zu Gebote steht. Wir stehen jedoch nicht an, freiwillig zu wiederholen, daß es niemals in der Absicht der Negierung Sr. Hoheit, noch eines seiner Minister lag, durch irgend etwas die Empfindlichkeit eines Vertreters der Schutzmächte wach zu rufen." Die Note schlüßt: „Wenn die Sympathien Europas uns beistehen, so werden wir es an uns nicht fehlen lassen." Jassy, 4. Juni. Die Wiener „Presse" bringt nachstehenden Beitrag zur Leidensgeschichte der rumänischen Israeliten: „Obgleich die Regierung des Fürsten Karl l. sehr wohl die judenfeindliche Stimmung der hitsigcn Bevölkerung, so wie die Quellen kennt, durch welche dieselben genährt wird, so scheint sie doch davon keine Notiz nehmen zu wollen, da sie nicht die geringsten Maßregeln ergreift, um die Angehörigen der israelitischen Gemeinde ausreichend zn schützen. Es ist daher begreiflich, daß einzelne Mitglieder derselben unaufhörlich der Gegenstand böchst bedauerlicher Mißhandlungen sind. Einen besonder» Ruf haben in dieser Beziehung die Zöglinge des Collegiul National erlangt, und bei einer etwas längeren Tour durch die Straßen der Stadt ist es gar nichts