Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447368--06265-2461811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
505 Ungewöhnliches, eines jener Bürschchen die vorübergehenden Juden mit Rippenstößen, Fußtritten oder Schimpfworten tractiren zu sehen. Wahrhaft empörend aber war ein am Pfingstsonntage Abends von mehreren Eleven der höheren Elasten dieser Anstalt im Volksgarten verübtes Bubenstück, dessen Opfer Hr. M... jun., Sohn des hiesigen Bankiers M..., und dessen Gemahlin waren. Kaum waren diese in den Garten getreten und eine Strecke in der Hauptallee desselben entlang gegangen, als einer der anwesenden Studenten auf sie zukam und Hrn. M... mit den Worten: „Jude, wie kannst Du es wagen, hierher zu kommen?" zwei Schläge ins Gesicht gab. Als jener sich gegen den elenden Angreifer vertheidigen wollte, rief dieser einige seiner Genossen herbei, mit welchen er das unglückliche Paar derart mißhandelte, daß dieses sich nur durch die Flucht und mit Hilfe seines Wagens der größten Gefahr entziehen konnte. Das übrige Publikum verhielt sich dem bedauerlichen Vorfall gegenüber sehr theilnamlos. Sonderbar ist nur das Eine, daß sich am bezeichneten Abende auch kein einziger Polizei-Agent im Garten befand, obwohl sich dort eine sehr bedeutende Menschenmenge eingefunden hatte; unerhört aber ist es, daß die an dem Scandal betheiligten Studenten wegen ihrer That noch gar nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Wenn die Regierung solchen Bestrebungen und Exccssen nicht auf das Entschiedenste entgegentritt, so kann hier über Nacht die schönste Judenhetze ausbrechen, welche für die Negierung und das Land selbst die schlimmsten Folgen haben müßte." Frankreich. Paris, 22 Mai. Herr Isidor, Oberrabbiner von Frankreich, hat im „Un. Jsr.' einen Brief veröffentlicht, in welchem derselbe über seine Sammungen zu Gunsten verschiedener w blthätiger Zwecke Rechenschaft gibt Wir entnehmen diesem Briefe folgende Daten: Das Comitä für Jerusalem hat von Ostern 5627 bis Ostern 5628 963» Frauken nach Jerusalem geschickt. In dem von diesem Com'tö in dieser Stadt gegründeten Beih-Hamidrasch werden 50 Israeliten unterrichtet; 4000 — 4500 F" nkcn werd n für dasselbe jährlich verausgabt. Das Comiiö hat bei den Pilgerwohnungen der Stadt ein HauS errichten lassen, welches den Namen deS verdorbenen U llm ann, Oberrabbinen von Frankreich, trägt und welches der Wittwe des Rabbiner Schwwz als Wohnung übergeben wurde. D'S HauS hat 2500 Fr. gekostet. DaS Comitä besitzt noch einen Reservcfond von 10000 Fr., wofür dasselbe ein geeignetes HauS für daS Beth- Hamidrasch zu kaufen gedenkt. — Zu dem von den JSiaeliten des Rrbbinstskreises Kalmar aegründeten Fond zu Gunsten der Hinte rlassenen des verstorbenen OberrabbinerS Klein zu Kolmar haben die Israeliten zu Paris 12,400 Fr. beigesteuert. — Für die armen Israeliten im Orient wurden mehr denn 25,000 Fr. gesammelt. Afrika. Tripolis, den 19. Ap il. Der „Un. JSr." veröffentli ^t folgenden auch für unsere Leser Interesse habenden Brief: Her>- Präsident! Ich habe den Brief, den Sie unter dem 18. März an mich gesichtet haben, empfangen. Ich danke Ihnen für die Glückwünsche, die Sie mir für die billige fiöfttn i des in °e;ug auf den Brand zu Zliten entstandenen Streites gebracht haben. Diese Affaire hat meine Aufmerksamk it in Anspruch geuomnen und die Schlichtung derselben liefert einen weiteren Beweis daß das Wohlwollen meines Fürsten sich auf alle seine Unterthanen ohne.Unterschied der Religion erstreckt. Ich werde bei meiner nächsten Nsise nach HomS selbst i-en Plan entwerfen und bei der Grundsieinlegung der neuen Synagoge zugegen sein. Ich danke Jh 'en, daß Sie mir freimüthig Ihre Rcclamation zu Gunsten Ihrer Glaubend ensssen zu Benghafi in Betreff der willkürlichen Wegnahme eines TheileS des dortigen jüdischen Friedhofes von Seiten eines ottomannischen Unterthanes mitgethci t haben. Ich habe bereits Instruction dorthin ergehen lassen zur Constatirung der Thal acken. Ich werde Sie vom Resultat hierüber benachrichtigen. Genehmigen Sie u. s. w. Ali-Risa, Gouverneur der Provinz Tripolis. i,?! j!.! I 1 *! A W X E ie Stelle eines Religions-LehrerS, Vorbeters und Scbächters ist vacant und alsbald zu besetzen. Außer einer jährlichen Besoldung von 300 fl. fix freier Wohnung und 33 ff. für Scbulholz, stehen dem Lehrer noch beoeutende Nebenverdienste in festgesetzten Accidenzien und durch Ertheilung von Privat-Unterricht in Aussicht. IGEN. Bewerber wollen ibre Gesuche nebsi Zeugnissen innerhalb 4 Wochen srankirt an den Unterzeichneten emsenden Aufseß, Bezirksamt Ebermannstadt, in Oöerfranken, den 18. Juni 1868. Jfaae Dittnrann, israelitischer Kultus-Vorstand. \'