Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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503 Haus zurückgekehrt, um eine nicht unerhebliche Summe Geldes zu retten, die in einer Cassette verschlossen war. Man fand sie mit der Cassette, vte offen war, todt unter den Trümmern, ein großer Theil des Geldes fehlte aber. Cine bei Rosenberg im Dienste stehende Amme ist in Folge von Brandwunden einige Tage später gestorben, eine Köchin liegt noch schwer danieder, an ihrem Aufkommen wird gleichfalls gezweifelt. Nach der Beerdigung der Frau Rosenberg verbreitete sich das Gerücht, das von vielen Seiten bestätigt wird, daß diese am Kopfe eine Wunde gehabt habe, die ihr anscheinend mit einem eisernen Instrumente beigebracht war. Der Umstand, daß in der Cassette eine erhebliche Summe Geldes fehlte, machte den Verdacht rege, daß hier vielleicht ein Raubmord vorliege, der an der Frau Rosenberg verübt worden sei, als sie mit dem Gelde aus dem Hofe herauskam; als der That verdächtigt bezeichnet man einen jüdischen Packträger, der sich bet dem Feuer anfangs viel zu schaffen machte, nachher aber nicht mehr gesehen wurde. Die Frau Rosenberg soll infolge dessen nochmals ausgegraben und gerichtlich obducirt werden, um festzustellen, ob sich wirklich Verwundungen, die nicht von dem Feuer herrühren, an ihr noch entdecken lassen. — .'1*7 ri’DD tf’N Oesterreichischer Kaiser staat. Wien. Von den meisten israelitischen Gemeinden werden besondere Trauerandachten und Trauerfeierlichkeiten zum Andenken an den dahingeschiedenen Mühlfeld veranstaltet. Berichte über solche Trauerfeierlichkeiten liegen bereits aus vielen Orten, namentlich aus Lemberg, Brody, Raudnitz, Brünn und Horzitz vor. im Mai. M't wahrem Schmerze übe ich diesmal Correspondentenpflicht. Ich muß nämlich Beklagenswerthcs aus unserer Gemeinde reg^striren. Zn unserer sonst so friedlichen Gemeinde haben in letzter Zeit Zank und Hader sich eingenistet. Unserer wackerer Vorstand hat --- wie bereits in den gesck. Blättern dieser Zeitschrift mitgetheilt wurde — in Übereinstimmung mit dem ehrw. Rabbinate die kleinen Bethäuser schließen lasten; diese Maßregel, von allen B'lligdenkenden als nothwendig anerkannt, fand allgemein Anklang. Nur einige unwissende Personen waren damit nicht einverstanden, hätten es aber dennoch nicht gewogt, sich dagegen aufzulehnen, wenn nicht ein Mann, besten Namen ich aus Rüüsicht vor einer ihm nahestehenden höchst achtbaren Persönlichkeit verschweige, zum offenen Widerstande angeeifert hätte. Nun wirst Du, werlher Leser, fraaen. Was veranlaßte diesen Mann, den verderblichen Samen der Zwietracht und Uneinigkeit in einer friedlichen Gemeinde auszustreuen? So höre und staune! Der gute Mann, der früher der erwähnten Verordnung des GemeindevorstardeS selbst beigestimmt hatte, gerieth einige Zeit darauf in Streit mit dem ehrenw. Hrn. Bürgermeister, mit welchem er seit lange auf gespanatom Fuße stand. Um sich nun an ihm zu rächen, beredete er die Unzufriedenen, gegen ob'ge Verordnung zu protestiren, und wußte auch einige der Besseren in der Gemeinde zu bethören, daß sie sich dem Proteste anschlossen. Auf seine Veranlaffung versammeln sie sich an Sabbat- und Feiertagen in Privathäusern und Hallen da Gottesdienst ab. — Sind nun die Theilnehmer an solchem Gottesdienste auch gering an ZaP, so ist denn doch die Einigkeit gestört. Und doch thäte diese in unserer Gemeinde besonders Roth, da letztere durch die Freizügigkeit von Tag zu Tag abnimmt, was eben die Schließung der kleinen Bethäuser nothwcndig machte. Es standen selbst am Sabbate die großen Synagogen leer, und konnte man oft die zu einem Minjan nöthigen 10 Personen nur mit Mühe zusammenbringcn. Welcher vernünftige und rechtdenkende Mensch steht da nicht ein, daß unter solchen Umständen 10 Bethäuser nicht nur überflüssig, sondern von Nachtheil sind, indem durch die gar so kleine Zahl d«r Anwesenden das Gotteshaus an Weihe verliert. Es ist ja bekannt: min oy :ro. Außerdem würde der Bestand der kleinen Behäufer de» Verfall der großen herbeigeführt haben. Es ist deshalb zu erwarten, daß die höhere Behörde das Ansuchen der Anfrührer und Unruhestifter um Wiedereröffnung der kleinen Betbäuser ebenso verwerfen wird, wie dieses bereits in erster Instanz geschehen ist. — Wir hoffen aber auch, daß die Bessergesinnten zur Einsicht gelangen und sich gerne loSsagen werde» von Leuten, die durch Eigensinn vnd Zanklust Unheil über die Gemeinde bringen. Diese jedoch werden sich alsdann fügen müssen. So gebe Gott, daß bald wieder Friede und Eintracht in unsere Gemeinde einzichen und die Gemeivdeangehörigen wieder vereint und geeinigt in gewohnter Weise streben und wirken zum Wohle der Gemeinde, zur Ehre Gottes und des Iudenthums. — Tarnopol, 9. Juni Die rumänischen Zustände scheinen ansteckend auch auf die Nachbarländer wirken und die „amtliche" Iudenhetze nicht mehr die berechtigte Eigenthümlichkeit von Galacz und Bakeu bleiben zu wollen. Unter der Rubrik „Rumänisches in Oesterreich" meldet die „Neue freie Preffe" nachstehende recht likbliche Polizeiasfaire: „Gestern hörten wir witen im tiefen Frieden Schlachtrufe, Kriegsgetümmel, scharfe Schwerter blitzten in der Sonne, es floß Blut, Finger wurden abgehauen, Sckädel eingeschlagcn und Verwundete wegaeführt. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Ein Bauer vom Lande kam zum Eisenhändler Michel Kamm, kaufte eine Sense und zahlte hiefür 60 kr.; der Kaufmann glaubte aber, sie um