Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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499 trag auf et« Mißvertrauensvotum gegen das Ministerium gestellt, weil dasselbe ohne Zustimmung des Senates und gegen die Verfassung 2 Millionen Piaster für daö Baumaterial der zerstörten Festungen Jsmael und Chilia an Rußland bewilligt hat. Der Antrag wurde mit 32 gegen 8 Stimmen angenommen; vierzehn Senatoren enthielten sich der Abstimmung. Die Majorität der Kammer bereitet für morgen ein Vertrauensvotum für die Regierung und ein Mißtrauensvotum gegen den Senat vor.! Bukarest, 13. Juni. Das Ministerium hat seine Entlassung gegeben. Der Fürst hat dieselbe angenommen und Plag in o und Kostaforu mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt. Bukarest, 16. Juni. Das Ministerium hat seine Demmission zurückgezogen, worauf eine Botschaft des Fürsten den Senat auflöste unb Neuwahlen anordnete. In vierzig Tagen werden abermals beide Kammern zusammentreten; einstweilen setzt die Kammer der Abgeordneten ihre Sitzungen bis zum 22. Juni Ifort. Bukarest. Durch Privat-Korrespondenzen aus Wien gehen dem „Memorial diplomatique" nähere Nachrichten zu über den diplomatischen Konflikt, der zwischen der österreichischen und der rumänischen Regierung sich erhoben hatte. In Folge der Circutardepesche des ehemaligen Ministers des Auswärtigen in Rumänien, welche den Nachrichten j über die Behandlung der Inden in der Moldau ein > kategorisches Dementi gab, hatte die Regierung von - Wien eine Genugthuung zu Gunsten ihres Agenten,! des Baron von Eder, verlangt. Außer dieser persön-! lichen Genugthuung drang sie noch auf die Wieder- ■! einsetzung der fortgejagten Israeliten und auf Ent- ( schädigungen für dieFamilien, die ein Opfer der Ver-; folgnng geworden waren. Dem ersten vom Wiener! Kabinet verlangten Punkt wurde sehr schnell Folge! gegeben, und Herr von Eder erhielt in einer Audienz! beim Fürsten Karl von diesem die Versicherung, die! rumänische Regierung wünsche sehr die Aufrechthaltung j! freundlicher Beziehungen zu Oesterreich, und bedauerte j die Zwischenfälle, welche einen Eingriff in das Ansehen! des österreichischen Agenten zur Folge gehabt hatten. \ Die andern Punkte, welche viel weniger von dem persöirlichen Willen des Fürsten Karl abhängen, sind j zwar noch nicht erledigt, doch ist die Frage noch keineswegs aufgegeben und man gibt sich in Wien der Hoffnung auf eine freundschaftliche Lösung hin. Feuilleton. Per kleine Jan. (Fortsetzung.) II. Unterdeß durchzogen die Kosacken raubend, plündernd und mordend das Land. Auch nach Zolkiew kamen sie, und die Väter der Stadt wagten es nicht, die Thore zu schließen. Während die Schaaren Chamils die polnischen Leibeignen und die christl. Städtebewohner verschonten, mußten die Juden und Edelleute das Schlimmste erfahren. Unser alter Bekannter Jakob, der Sohn des alten Bezalel, welcher dem jungen Jan Sobieski, ohne ihn zu kennen, Gastfreundschaft gewährt hatte, war zur Zeit der in Rede stehenden Ereignisse ein glücklicher Ehemann geworden. Rebecka, sein junges Weib, die Tochter des Rabbineu zu Zolkiew, übertraf alle ihre Altersgenossinnen an Schönheit, Tugend und Liebenswürdigkeit. Freude und Frohsinn waren in das Haus des alten Bezalel eingezogen; er und die gute Sarah liebten die Schwiegertochter wie ihr eigenes Kind. Aber mit dem allgemeinen Elend des Vaterlandes sollte die Trauer mit Macht auch über diese Familie hereinbrechen. Die Kosacken legten den Juden und Edelleuten von Zolkiew eine fast unerschwingliche Steuer auf; nichtsdestoweniger war matt froh, sich dadurch dieser schrecklichen Gäste entledigen zu können. Dem würdigen Bezalel, dem Vorsteher der Gemeinde, lag es ob, die Steuer eintreiben zu lassen, um sie dem Kosackenhettmann anszuliefern. Als der bestimmte Termin herankam, sandte Chamil einen seiner Offieiere in das Haus des Juden. Das Geld war noch nicht beisammen; es fehlten noch tausend Goldgulden. Da ergriffen die wilden Söhne der Steppe den alten Mann, um ihn als Geisel fortzuführen, bis der Rest der Kriegssteuer bereit sei. Als Jakob sah, daß die Kosacken Hand an seinen Vater legten, stürzte er auf sie zu, um den alten Mann zu befreien. Die wilden Krieger stießen ihn zurück; der Lärm zog die erschrockenen Frauen herbei. Kaum hatte der Offizier Rebecka erblickt, als er sofort überlegte, wie dankbar ihm Chamil für die Zuführung eines solchen Weibes sein würde. Er befahl, seinen Untergebenen, den Greis loszulassen und sich der jungen Frau zu bemächtigen. Entsetzen ergriff die ganze Familie, als sie die Absicht des Offiziers gewahrten. Verzweiflungsvoll warf sich Jakob ihm zu Füßen. „Nehmt mich," rief er, „als Geisel und laßt diese da!" „Hoho," entgegnete der Offizier, „was sollte unser Hettmann mit Dir anfangen? Dein Weib wird ihm eine willkommene Beute sein!"