Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447368--06258-2461804- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
498 hatten dies kaum erfahren, als sie sich anschickten, ihre respectiven Töchter im Kloster aufzusuchen und von ihrem Vorhaben abwendig zu machen. Da ihnen indeß der Zutritt zu den Mädchen verwehrt worden war, suchten sie sich denselben vom Bischof zu erwirken, indem sie ihm vorstellten, ihre Töchter seien noch unmündig und haben bisher den Religionsunterricht nur mangelhaft genossen, er wolle daher gestatten, daß der Ortsrabbiner dieses Versäumniß bei denselben nachhole. Se. Hochwürden ging aber auf diese unter Thränen und Bitten gemachte Vorstellung nicht ein, sondern de-, rief sich auf das im Jahre 1853 an die damalige halterei erlassene kaiserliche Patent, mittelst welchem die Vornahme der Taufe an Kindern, die das 14. Lebensjahr überschritten haben, auch ohne Einwilligung seitens der Eltern erlaubt wurde. Nun begab sich der Vater des einen Mädchens unverzüglich nach Altofen zum Oberrabbiner Hirsch und suchte in der fraglichen Affaire um dessen Verwendung an. Der Oberrabbiner setzte auch den Kultusminister von dem Falle unverzüglich in Kenntnis;, und Baron Eötvöö ließ, die Dringlichkeit der Sache ernsehcnd, an den Bischof sofort die Aufforderung ergehen, die beiden Mädchen ihren Eltern auszuliefern. Der Bischof folgte jedoch dieser Weisung nicht und gab die jungen Flüchtlinge selbst dann nickt heraus, als auch derEperieser Magistrat — gleichfalls im Aufträge des Ministeriums — in der Angelegenheit intervenirte. Es bedurfte einer nochmaligen Aufforderung des Herrn Kultusmininisters, bis der hochwürdige Herr sich fügte und die beiden soit 6i3ant Braute des Himmels ihren Eltern überantwortete. Wien, den 14. Juni. Zu dem heute stattgehabten Leichenbegängniß des Rabbiners Horowitz n"y fanden sich schon in den frühen Morgenstunden viele Hunderte von Leidtragenden vor dem Trauerhause in der Leopoldstadt, obere Donausiraße, neben der Ferdinandsbrücke ein und war der Verkehr in dieser Straße weithin gehemmt. Während nun unten auf der Straße die Menge auf den Beginn des Leichenbegängnisses harrte, wurde im Trauerhause am Sarge des Verblichenen Reden gehalten. Es hielt daselbst der zweite hiesige Rabbiner, Rabbi Sal. Spitzer, eine gediegene Rede, auch sprach ein Enkelkind des Dahingesckiedenen, Herr Brühl, Unt 9 Uhr Vormittags setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Nebst den fünfzig von der trauernden Familie bestellten Fiakern schlossen sich dem Zuge mindestens eben so viele Privatequipagen an. Draußen auf dem Friedhofe erwarteten wieder einige Hundert Menschen den Leichenzug. Hier sprach am Sarge vr. Jellinek und an der Grabesstätte der zweite Prediger der israelitischen Gemeinde vr. Güdemann. Beide Seelsorger rühmten dem Verblichenen mit beredten Worten, welche die Menge tief ergriffen, vorzüglich seine Friedensliebe nach. Während jedoch Herr j vr. Jellinek behauptete, der Dahingeschiedene habe den Frieden um jeden Preis gewollt, selbst um den der Religion, sprach sich Hr. vr. Güdemann dahin aus, daß der Betrauerte den Frieden nur für die Religion und innerhalb der Grenzen derselben gewollt habe. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Lehrer der höheren Kalligraphie in Prag, Eduard Bunzel, aus Anlaß der Ueberreichung einer von ihm verfertigten Federzeichnung bei Gelegenheit der glücklichen Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin in Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen und seiner vieljährigen belobten Lehrthätigkeit den goldenen Verdienstorden verliehen. (Ggt.) s In Szeefeny heirathetc einer der ältesten Ein- 8 wohner der Stadt rm Alter von 94 Jahren am 3. d. M. eine 70jäbrige Frau. Der alte Mann (er ist israelitischer Konfession) hat nunmehr das vierte Weib, während auch sie sich bereits zum vierten Male verheiratet. Die Nachkommenschaft des Mannes ist schon jetzt eine ganz besonders respektable. Er hat nicht weniger als 96 Enkel, und die Familie, deren Stammvater er ist, besteht aus 125 Seelen. Holland. Amsterdam. Zum Mitgliede der Prüfungs- Commiision der höheren Bürgerschulen in der Provinz Nordholland ist Herr L. van Hartog (Israelit), Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Utrecht, und als Mitglied in die Commission für Süd-Holland Herr j A. van Oven (ebenfalls Israelit), Lehrer an der höheren Bürgerschule zn Delft, ernannt worden. (N. Wcekbl.) Almedo. Auch hier wurde ein Jude, und Zwar Herr M. Wertheim Salomonson, zum Mitglied der Provinzial-Staaten für Ober-Issel gewählt. (N. Weekbl.) Als Beweis, welchen großen Einfluß die Israel. Feiertage auf die Abhaltung von Märkten ausüben, kann angeführt werden, daß der Stadtrath dahier wegen der jüdischen Pfingsten den hiesigen Markt auf einen Tag nach den Feiertagen verlegt hat. (N. Weekbl.) Frankreich. Paris. Herr Heumann wurde als Professor der deutschen Sprache am Lyeeum Napolöon zu Paris angestellt. Donaufürstenthümer. Bukarest, 12. Juni. In der heutigen Sitzung des Senates wurde von sieben Senatoren der AnmmaBoms