Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1868)
- Date
- 1868-06-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. Beilage z« Nr. 25 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, den 12. Juni. Wir haben heute wiederum 500 Thaler an das Comitv in Lyk für die Nothleidenden in Rußland und Polen, 100 Thaler an das Comite in Schippenbeil für die Nothleidendm in Ostpreußen und 20 Thaler für eine bedrängte Familie in Ostpreußen zur Besorgung an Herrn Vr. Freystadt in Königsberg gesandt. Die Summe der von uns für die Nothleidenden in Rußland, Polen und Ostpreußen übermittelten Gelder beträgt nunmehr 7831 Thaler oder 13704 fl. 15 kr. — Dftaumloch (Würtemb.). In Ihrem geschätzten Blatte, in welchem gerne Notizen über Männer unseres Glaubens, die sich durch eigenes Verdienst Anerkennung und Auszeichnung verschafft, Aufnahme finden, wolle gefälligst nachstehendem Toaste, auögebracht von dem pens. Musterlehrer Löwenstein in Pflaumlock bei einem HochzeitSmahle auf Herrn Fabrikanten Gustav Heß, Ritter des Friedricksordens in Paris, ein Raum gestattet werden, da das Wirken deS Gefeierten Vielen als Muster gelten dürfte. Der Toast lautet?, so viel uns erinnerlich, also: «Ich erlaube mir, dem ollverehrten Gaste unseres Festes, Hrn. Fabrikanten Gustav Heß aus Paris, Inhaber vieler Ehrenmedaillen, Ritter des Friedrichsordens, einen Toast auszubringen. Geboren am 27. November 1817 zu Aufhausen, einem kleinen Dörfchen diesseitigen Amtes, von wenig bemittelten, aber wahrhaft frommen Eltern, hatte derselbe nach dem Austritte auS der Schule das Tuchmacherhandwerk erlernt. Mit leerer Tasche trat er nach erstandener Lehrzeit eine Wanderreise an; aber Schätze, mehr geeignet den Weg zum Glück zu bahnen als Geld und Gold, Schätze, die kein Zufall rauben kann, nahm er mit sich. Eine gute Erziehung, ein heller strebsamer Geist, ein liebevolles Herz, ein heiterer Sinn und empfehlendes Aeußere, das waren die Reisemittel, die den Mann, dem unser Toast gilt, in die größeren Werkstätten Deutschlands und Italiens einführten, von wo er, bereichert mit Kenntn'ssen feines Faches und getrieben von Lernbegierde, nach Lyon gin", und von da trieb ihn sein Wissensdurst bald nach der Stadt, von der die Mode ausgeht für die Welt, nach Paris. Dort als Werkfübrer einer größeren Fabrik angestellt, legte er seine Ersparnisse sicher an, durch die er 1843 schon für eigene Rechnung eine Werkstätte zur Erzeugung von Modestoffen anlegte. In den Ausstellungen 1849 in Paris, 1851 in London und wieder in späteren Ausstellungen wurden seine Fabrikate mit Medaillen gekrönt. König Wilhelm von Württemberg lohnte dieses schöne Streben eines gebornen Württembergers bei der Ausstellung in Paris 1854 durch Verleihung der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft und 1861 durch Auszeichnung des Bandes des würtemb. Kronenordens. 1862 ward ihm die erste Medaille (Prize Medall) in der Ausstellung zu London zuerkannt und wieder 1867 die erste Medaille (Silberne Medaille) bei der Ausstellung zu Paris. 1867, während deS Aufenthaltes des Königs Karl von Württemberg in Paris, wurde er, in Anerkennung seiner großen Verdienste, zum Ritter des Friedrichsordens ernannt. „Bei allen diesen hohen Auszeichnungen, bei dem großen Reichthume, dessen sich unser edler Freund erfreut, richtete er stets seinen Blick dankend aufwärts zu Gott, sah nie stolz herab auf Andere. Wie er,keine größere Freude kannte als seine Eltern, so lange sie lebten, zu ehren und zu erfreuen, und wie er deren Grab mit kindlich-frommen Dankgefühle besucht, so hat er ein liebend Herz seinen Geschwistern, seinen Verwandten, seinen Jugendfreunden, seinem Geburtsorte bewahrl. Für Arme hat er stets offene Hand. Die heutige Hochzeitsfeier seiner Nichte, die meinen Nachfolger im Amte geehelicht, schmückt er mit seiner Gegenwart und zwei liebliche Blumen aus seinem Familiengarten, zwei seiner Kinder brachte er mit zur Theilnahme. „Mit gerechtem Stolze nennen Geschwister und Verwandte den Mann, der so viel geleistet und der solcher Auszeichnung sich erfreut, den ihrigen, und seine Glaubensgenossen, denen er mit warmer Liebe stets angehört, freuen sich nicht minder darob. „Sie, geehrte Anwesende, stimmen gewiß freudig darein, wenn ich Sie nun auffordere, unser« verehrten Gaste ein dreimaliges Hoch auszubringen!" — Es erfolgte ein stürmisches Hoch. Oesterreichischer Kaiser staal. Wien. Beim Magistrat sind bereits drei Gesuche von getauften Israeliten eingelangt, welche wieder zum Iudenthume konvertiren wollen, und von einem Katholiken, der zum Protestantismus übertreten will. Die Gesuche können jedoch so lange nicht erledigt werden, bis die Vollzugsvorschrift oder die Instruction in Betreff der Ausführung der interconfesstonellm Gesetze von Seilen des Ministeriums herabge-