Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1868)
- Date
- 1868-06-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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474 kommen zu vererben «nv die jüd. Gemeinde zu Hannover, deren Ruf als treues, frommes, ehrwürdiges Glied der großen Gefammtheit Israels feit ihrem Bestehen weithin bekannt gewesen, alö ei e wahrhaft jüdische Gemeinde auch für die Zukunft zu erhalten. So geschehen in der Gemeindeversamm^una der Synagogen gemeinde zu Hannover am 25. Mai 1868 Jsaac Hirsch. C. H. Bing Oesterreichischer Kaiserstaat. KapoSvar. (Ungarn). Herr Rabbiner Sal. Kutna hat ein Circular erlassen, in welchem er sämmtliche Rabbinen zu gemeinsamen Schritten auffordert gegen den Ausschluß vom activen und passiven Wahlrecht zur jüdischen Landesversammlung. Ernstliche Schritte in dieser Richtung müssen um so eher zum Ziele führen als die erwähnte Ausschließung in ebenso hohem Grade thöricht wie unrecht ist. Es scheint, wie wenn die durch Ausschließung so lange zurückgesetzten Juden in Ungarn sich partout revangiren müßten, aber nicht an ibren ehemaligen Unterdrückern, sondern an den Gemeinde-Angestellten. Oder fürchten sich die Herren vor ihren Rabbinen und Lehrern? Nun, das wäre so übel nicht O'QL' -pi emo! Allein, dann wäre die Ausschließung noch weniger gerechtfertigt. — Donaufürstenthürner. Jassy, 22. Mai. Welch' Geistes Kinder die neuen Mitglieder des Cabinets sind, beweist ein Rescript, das der nunmehrige Justizminifter Arion unter Nr. 5621 und dem Datum des 19. April alten Styls an den Präsidenten des Bakeuer Tribunals, Demeter Ghika, gerichtet hat und in dem der Justizminister sich tadelnd darüber ausspricht, „daß der Tribunalspräsident immer noch fortsahre, Kaufsacte von Häusern für Juden zu bestätigen, und daß er es unterlasse',' bei Judeneiden sich an die scheußliche Form more judaico zu halten, wodurch alle Vagabondagegesetze illusorisch gemacht würden, es daher für jüdische falsche Zeugen ein Leichtes wäre, zum Schutze ihrer Glaubensgenossen Meineid zu begehen." Wie diese Bemerkungen Arions zeigen, steht das „neue Ministerium genau auf demselben Standpunkte wie das alte und werden die Bestimmungen des Gesetzes der Einunddreißig ohneweiters anticipirt. Dieses Gesetz selbst wird freilich in Anbetracht des Lärms, den dasselbe allerwärtS hervorgerufen, kaum ernstlich in Berathung gezogen und jedenfalls nicht sanctionirt werden. Hingegen bemüht man sich, durch verschiedene Nebenwege und Hinterpförtchen die wichtigsten Bestimmungen, welche jenes Gesetz enthalten hat, anderweitig einzu-. schmuggeln. So hat die Linke zur Berathung des Gesetzes über die Rural-Gemeindepolizei zwei Paragraphen in Vorschlag gebracht, welche allen Fremd«* den Aufenthalt in einer Landgemeinde ohne arr-drückkiche Genehmigung der Primarie verbieten; da die Primarien von den Präfecturen vollständig abhängig sind, so ist es der Partei Bratiano ein Leichtes, mit- * telst dieser zwei Paragraphen sich für alle ferneren Judenvertrerbungen eine formell legale Schablone zurechtzustutzen. Bei der Debatte der betreffenden Bestimmungen kam es in der Deputirtenkammer zu einer für den rumänischen Parlamentarismus bezeichnenden Scene. Der Deputirte Lehonari sprach sich entschieden gegen die Amendements ans und setzte auseinander, daß wirklichen Vagabunden gegenüber die bestehenden Gesetze genügen und die Regierung ermächtigen, Taugenichtse über die Gränze zu verweisen. Boinov fragte: „Wohin verweisen?" woraus Heiden, der Redacteur des „Romanul", auf die Galaczer Noyade anspielend, rief: „In die Donau!" Es fiel weder dem Präsidenten, noch einem der Deputirten ein, ihn deßhalb zur Ordnung zu rufen. Im Districte Vaslui wurde die russische Unterthanin Mincia Popifka vom Dorfe Miresti, Gemeinde Dr^goscheni, trotz ihres ordnungsmäßigen ContracteS gewaltsam verjagt und dabei fast ausgeplündert. Das hiesige kaiserlich russische Consulat proteftirt heftig gegen diesen Gewaltact, und wir sind aus den Ausgang dieser Affaire gespannt. Unter N. 143 d. d. 8. (20.) Mai verordnet der Primas von Tutora auf Grund der Ordonanz des Subpräfecten 8ud Nr. (District Jassy) dem dortigen Insassen David Klein, das Dorf augenblicklich zu verlassen. Der Raum gestattet nicht, alle die vielen ähnlichen Daten zu verzeichnen, welche zu sehr beweisen, daß Bratiano den eingeschlagenen Weg unermüdlich fortsetzt, und baß Fürst Karl leider nicht den Muth hat, dem Treiben desselben endlich dauernde Schranken zu setzen. (N, st. Pr ) Bukarest. Im rumänischen Senat erlitt dieser Tage der ministerliche Judenhetzer Bratiano eine arge Schlappe. Jonesko verlangte die Vorlegung der über die Judenverfolgungen mit dem Auslande geführten diplomatischen Korrespondenz, welche der Minister verweigerte, worauf Jonesko nochmals das Wort ergriff. „Was," ruft er, „Sie haben noch den Muth, von einer Vertreibung von Vagabunden zu sprechen, nacbdem konstatirt ist, daß Sie 500 Juden und darunter 200 Rumänen vertrieben haben? O, mein Herr Minister, wir sind der Wunden müde, die Sie uns schlagen! Wir haben geschwiegen und geduldet, aber diese Zeit ist jetzt um. Jetzt wollen wir redm und Rechenschaft von Ihnen verlangen." Zwei Senatoren forderten den Schluß der Debatte. Allgemeine Aufregung, heftiges Lärmen, Ordnungsrufe vom Ministertische. Präsident Cofta-Foru: „Sie rufe ich znr Ordnung, Herr Minister!" Minister Brattano: „Sie haben sich für den Skandal vorbereitet! Schön, gut,