Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1868)
- Date
- 1868-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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472 anzugeben, von denm das erste das probateste ist. Man errichte in großen Städten, worin die Juden starb vertreten stnd, israel. Volks- und höhere Bürgerschulen, auf deren Plänen die jüdischen Fächer im rechten Verhältnisse zu den übrigen vertreten stnd und stelle für die Mathematik, Naturwissenschaften und dergl. außer Geschichte — diese muß ein Israelit durch alle Classen ertheilen — christl., schon an christl. derartigen Anstalten angestellte und renommirte Lehrer derselben Stadt an, was jedenfalls bedeutend billiger kommt, als wenn man sich Lehrer eigens dazu kommen läßt. Diese Schulen, deren Fondirung bedeutend billiger als ein Synagogenbau kömmt, sind selbstredend am na» v"'i geschlossen und beginnen am n"-i im Winter eine Stunde später und setzen am iub, beide ntpon, Nachmittags aus. j Ein anderes Mittel, um wenigstens im Sommer! den Sabbatsynagogen-Besuch der Schuljugend zu för-; dern, wäre, den Religionslehrer der Kinder, oder falls i diesem das nöthige Organ dazu fehlt, den Synagogendiener oder irgend ein anderes Gemeindemitglied unbescholtenen Rufes gegen Honorar zu veranlassen, im Sommer schon um 6 Uhr Morgens den vollständigen Sabbatmorgengottesdienst vor dem Beginne des Gemeindegottesdienstes und zwar im Gotteshause selbst ganz nach der Vorschrift a^n nJioa abzuhalten, die das 13. Lebensjahr erreicht habenden Schüler zur Thora rufen zu lassen, ja sogar tüchtigen und braven zur Aufmunterung die zu geben und jede ohne triftigen Grund eingetretene Versäumniß angemessen zu bestrafen. Hierdurch ließe sich auch erzielen, etwa sich vorfindende Seminaristen durch practische Anleitung beim Vorbeten und Vorlesen aus der Thora zu verwenden und sie dadurch für ihren spätern Beruf vorzubereiten. Auch wird es von großem Nutzen sein, erwachsene brave Schüler, welche Stimme, Lust und Talent zum Vorbeten haben, dazu zu verwenden. Für das Winterhalbjahr bleibt freilich nur der Weg der Petttion uns übrig, nämlich den Oberschulrath zu ersuchen, die Fächer für den Sabbat so legen zu lassen, daß die israel. Schüler nichts versäumen, wenn sie erst um 10 Uhr in die Schule kommen, welche Bitte gewiß erfüllt wird, wenn dieselbe vom Rabbinen ausgeht. Auch wird es von unberechenbarem Nutzen sein, die die christl. Töchterschulen besuchenden israel. Mädchen zum Besuch des oben beschriebenen Frühgottesdienstes anzuhalten. Es ist dies keine Reform, wie vielleicht die Reformjuden beim Durchlesen dieser Abhandlung ironisch ausrufen und behaupten werden. Ehemals, wo das israel. Mädchen an der Hand und unter Leitung seiner streng-jüdischen, frommen Mutter, das Haus nur selten verlassend, ganz in die Fußtapfen derselben ging, um einst, herangewachsen, im Berufskreise dasselbe zu leisten, legte man, der weiblichen Natur und Bestimmung entsprechend, einen größer« Werth auf Herzensals auf Geistesbildung; jetzt hingegen, wo das israel. Mädchen, gleich dem christl., mit dem 6. Jahre, wie der Knabe, in die öffentliche Schule geht; jetzt, wo es, wie der Knabe, öffentliche Religionsschulen besucht und darin systematischen Religionsunterricht mit dem Knaben genießt: jetzt wird es nicht überflüssig sein, auch die Mädchen zum Gottesdienstbesuch anzuhalten. Es versteht stch von selbst, daß sie in die Frauensynagoge gehen. m. Zeitungsnachrichten und Correfpou- -enzen. Deutschland. Stuttgart, 4. Juni. Der heutige „Staatsanzeiger" enthält eine von 7 Lehrern und Vorsängern Württembergs ausgehende Einladung ihrer sämmtlichen Collegen des Landes zu einer am 30. d. M. im Hotel Eisig zu Stuttgart anberaumten Versammlung, in welcher der in diesem Blatte früher erwähnte Normal-Lehrplan, wozu Herr Elsäßer eine Instruction annehmen will, und der Untestützungsverein, dessen Statuten und neuesten Erfahrungen eine Generalversammlung unumgänglich erheischen, zur ausgesprochenen Verhandlung kommen sollen. Außerdem werden noch „andere Standesangelegenheiten", insbesondere wohl auch die Frage ventilirt werden, in welcher Weise die Lehrer und Vorsänger bei der Synode betheiligt werden dürften, welcher demnächst der Entwurf einer israel. Kirchenverfassung zur Begutachtung vorgelegt werden wird. Jedenfalls sollte es kein College versäumen, an dieser seltenen und durch eine lebhafte Theilnahme um so interessanteren Lehrer- und Vorsängerversammlung thätigen und persönlichen Antheil zu nehmen. Die Einladenden bilden zugleich den Ausschuß des Vereins, und 6 davon sind in Eßlingen, Laupheim, Heilbronn, Hochberg, Oberdorf und Ludwigsburg und einer lebt in Stuttgart als Pensionär. — Mögen die Bemühungen von gutem Erfolge begleitet sein. o»pnr6 nsiD kvhst ,tdj3 bo. FlörSheim, 2. Juni. Dem „Rh. K." wird geschrieben: Es ist bekannt, daß die Israeliten am Sabbat nicht kochen dürfen; die zubereiteten Speisen werden daher durch langsame Feuerung warm erhalten. In einer hiesigen israelitischen Familie stand seit langer Zeit der hiezu benutzte alte Ofen in einem Keller, ohne ein Rohr für den abziehenden Rauch zu haben. Nachdem diese Einrichtung lange i Seit, ohne Schaden zu thun, bestand, fiel es am 1 Samstag Morgen dem Sohne des Hauses auf, daß seine in den Keller gegangene Schwester so lange auS-