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Der Israelit · 1868-06-17 · Heft 25 (17.6.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 25 (17.6.1868)
Date
1868-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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471 Entschuldigung sagen, während sie, was den GotteSdienstbefuch b^rifft, gute Israeliten zu sein glauben. „In den Mund geht auch keine Sünde, aber re." hört man sie auch zuweilen, ihren christl. Mitmenschen nachahmend und glaubend, dadurch in ihrer Meinung zu gewinnen, ausrufen. Aber keine Sünde ist es wiederum in ihren Augen, gegen die Bekenner des wahren Vaterglaubens Verdächtigungen auszustreuen, aus ihren Fehlern Laster zu machen, sie zu verunglimpfen, sie in den Augen der christl. Mitwelt auf Kosten des heiligen Glaubens herabzusetzen und somit ihre eignen Eltern, deren Sterbetag zu feiern sie für unerläßliche Pflicht halten, zu schmähen und zu beschimpfen; keine Sünde ist es auch Makel an einem Propheten zu suchen, der in den Augen der Orthodoxen und anderer Religionsbekenuer als groß, als unerreichbar dasteht. Den Reformern ist es eben recht, daß ihre Kinder am Sabbat durch den Schulbesuch am Synagogenbesuch verhindert sind, wird gerade eben dadurch vermieden, daß der Heranwachsenden Generation der Synagogenbesuch zum Bedürfniß oder, wie sie sich auszudrücken pflegen, zur Gewohnheit werde, eine Gewohnheit, die später den Kindern, nach ihrer Ansicht, nur lästig, wenn nicht gar in ihrer Cariöre schädlich werden kann, weßhalb sie auch in der Regel ihre Kinder entweder sehr spät in die Religionösckule schicken, oder ihnen zu Hause von Seminaristen re. Religionsunterricht, 2— 3 Stunden wöchentlich, ertheilen lassen, damit ihre Kinder nur nicht zu viel von einer Religion kennen lernen, die im Leben recht gut zu entbehren ist und nur dazu beiträgt, anderen nöthigen Wissenschaften die nothwendige Zeit zu rauben, Wissenschaften, wodurch die Söhne einst nur ein Jahr als Soldat zu dienen brauchen. Wenn die Kinder solcher Reformjuden dann und wann mit einer schriftlichen hebräischen Aufgabe, als: einigen Declinationen, Conjugationen oder gar einer hebräischen Uebersetzung aus der Religionsschule nach Hause kommen, hört man die Eltern, die so gern zu den Gebildeten gezählt werden wollen, in Gegenwart ihrer Kinder über den Religionslehrer herziehen und sprechen: „Ich weiß gar nicht, was der Lehrer denkt! Weiß er denn gar nicht, daß mein Kind kein m werden soll? Oder glaubt er, mein Kind hätte sonst keine Aufgaben aus dem Lyc«im, der Bürgerschule rc.? Ich schreibe dir eine Entschuldigung, mein Kind, und werde nächstens mit dem Narren sprechen, daß er wenigstens in der Folge meine Kinder mit solchem Zeug, das gar nicht mehr in dieses Jahrhundert gehört, verschone, ober ich nehme dich aus der Stunde und laß dir Privatunterricht im hebr. Lesen und geben und weiter braucht mein Kind nichts zu lernen" „Ja," setzen sie in der Regel hinzu, „mein Vater hätte auch besser gethan, mir statt Hebräisch und wie das Zeug alle heißen mag, mehr andere Kenntnisse beibringen zu lassen, Kenntnisse, mit denen ich mehr gewonnen und in den Augen menrer christl. Mitmenschen an Achtung zugenommen hätte. Ja, ich fühle und gestehe es, von manchen Ceremonien kann ich mich, trotz meiner Aufklärung und trotz der allgemeinen Bildung, die jeden Aberglauben besiegt — so pflegen sie den wahren Glauben zu nennen — aus einer "gewissen, vielleicht durch Gewohnheit erzeugten Angst, nicht losmachm, was G. s. D. bei meinen Kindern durch den Umgang mit ihren christlichen Mitschülern und den Besuch der Communalschulen wegfällt. Meine Kinder können Gott danken, daß sie in diesem Jahrhundert geboren find!" sagen sie oft, um mit dem Vater Alexanders des Großen zu reden. Den Orthodoxen hingegen flößt der Schulbesuch am Sabbat, wodurch ihre Kinder am Synagogenbesncb. verhindert sind, eine tiefe und gewiß nicht ungegründete Besorgniß ein — schon der Anblick, ihre Kinder mit Schulränzchen rc. am Sabbat über die Straßen gehen zu sehen, geht ihnen schmerzend nahe — befürchtend, daß ihre Kinder einst, wenn sie dem Elternhause entwachsen oder gar davon fern sind, und ihre eigne Lebensbahn verfolgen, den Sabbat gar entheiligen werden, den sie in den Schuljahren nur vernachlässigt haben. Die Kinder werden nämlich sehr leicht auf den Gedanken kommen, daß es nichts Großes um den Sabbat sein müsse, da ihre Eltern nichts gegen die Vernachlässigung desselben einwendeten, als es galt, sich für das bürgerliche Leben vorzubereiten. Wenn schon die Vorbereitung für's bürgerliche Leben — so werden sie sprechen — eine so wichtige und bedeutungsvolle ist, daß ihr der Sabbat Nachsicht, so ist das bürgerliche Berufsleben selbst von noch größerem Werthe und ganz gewiß so viel werth, daß ich ihm den Sabbat opfere. „Sich und die Seinigen ehrenvoll zu ernähren x. ist die erste Pflicht des Israeliten," werden sie mit einem gewissen heiligen Pathos, als ob sie ein göttliches Werk verrichteten, hinzusetzen. Mit diesen und andern schönen Reden lullen sie ihr Gewissen in den Sündenschlas, woraus sie in der Regel erst nach manchem schweren Mißgeschick erwachen und ausrufen werden ms wan “wk wn# by uru# d’dipn man wb-r ntta p -p uj/d» ujnnna upöj "ION1? THOK *6."l "lDi6 OPI» am: rui iE“ dji Dryct? wenn „Ja, wir haben uns verschuldet an dem Glauben unserer gläubigen Mitbrüder, als wir sahen die Leiden der Vorzeit und hörten, wie unsere Väter uns baten, nicht vom Väterglauben abzulassen, aber wir folgten nicht, darum ist diese Noth über uns gekommen." Dann sagt auch einer der Aeltesten, dem Glauben treu Gebliebener zu uns: „sagt ich euch nicht, versündiget euch nicht an dem zarten Pflegebefohlenen euerer Vater, dem Glauben, aber ihr hörtet nicht und nun wird die Schuld durch uns gesühnt." Um dies zu verhüten, weiß ich nun zwei Mittel

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