Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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461 Aus der Provinz Preußen. In Nr. 22 d. Bl. lieferte auch der edle Synagogen-Vorstand zu Neidenburg einen Artikel über die bereits zur Genüge besprochene Nothstandsfrage. Indem gedachter Vorstand dem vielfach erwähnten Comitö zu Schippenbeil das Wort redet, wofür Ersterm gewiß die beste Anerkennung gebührt, glaubt derselbe die Ursache der selbst von ihm zugestandenen überausgroßen Noth in Polen in der frühen Verheirathung zu finden. Diese Annahme muß entschieden bestritten werden, wenn es auch zugegeben wird, daß die Verheirathung in Polen etwas früher als in Deutschland zu erfolgen pflegt. Mit Ausnahme einiger Einzelfälle findet in Polen und Rußland vor der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit keine Verheirathung statt. (Siehe y"nK Cap. 1, §2.) idrn nn aber erst nach eingetretener religiöser Pflicht. Wollte man aber annehmen, daß auch solche Eheschließungen den Nothstand bedingen, so würde dieß jener leider verbreiteten Behauptung gleichkommen, daß das Schließen des Geschäftes am Sonnabende die Existenz gefährde und den ganzen Untergang des Geschäftes nach sich ziehe. Leider hat diese irrige Ansicht so Viele schon zum roty i?iL,n verleitet, ohne dieselben vor Bankerott zu schützen. Die in Polen herrschende Noth hat vorzugsweise in dem Nnny w ihren Grund, und soll sie eine natürliche sein, so wissen wir noch ganz andere, bessere Ursa ' en, deren Aufzählung wir aber deßhalb unterlassen, weil damit dem Nothstande nicht geholfen wird. 12 nm hdi sei hier noch eine Neuigkeit ewähnt, die auch viele politische Zeitungen vor Kurzem brachten. Es hat nämlich der Syn. - Vorstand zu Bromberg der königl. Regierung eine Eingabe überreicht des Inhalts, die Schließung der jüdischen Geschäfte am Sonnabende oder wenigstens während des Gottesdienstes regierungsseits zu veranlassen. Möchte der edle Vorstand zu Neidenburg eine ähnliche Eingabe an die königl. Regierung zu Königsberg ergehen lassen! Bveslau Am 19. v. M. verschied im Alter von 171/2 Jahren nach kurzem, aber schmerzlichen Krankenlager der hier dem Talmudstudium obliegende Franz Aschkenas, Sohn des Nicolsburger Talmudlehrers Herrn S. Aschkenas. Gleich dem des R.Jsak Weinberger, des um dieselbe Zeit verstorbenen RabbinatSasiess. der Nicolsburger Gemeinde und Lehrers dieses Jünglings, eines hellglänzenden Sternes, der Jahrzehnte hindurch am Horizonte des orthodoxen Judenthums geglänzt, so war das Leben des jungen Aschkenas ein Meteor, das aufflackert, um desto schneller wieder zu erlöschen. Alle, die den Dahingeschiedenen kennen gelernt hatten, freuten sich seiner umfassenden talmudischen Kenntnisse, seines ungewöhnlichen Scharfsinnes, seiner vorzüglichen Geistes¬ und Herzensbildung, die zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft dieses Zöglings berechtigten, Möge ihm in den himmlischen Räumen die Ruhe zn Theil werden, nach der sich seine müde Seele nach so kurzer, dornenvoller Lebensbahn sehnte; möge aber auch sein würdiger Vater die Tröstungen der Religion finden, die ihm einen solch' herben Verlust erträglich machen. Gustav Karpeles. >^>ie Stelle eines Religionslehrers bei der israelitischen Gemeinde zu Treis an der Lunda, mit einem jährlichen Einkommen von fl. 400, steht offen, und ist alsbald zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten meldm. S. Kann in Mainzlar. (Am geprüfter Religions- und Elementarlehrer, auch onw, Preuße, mit guten Zeugnissen versehen, sucht zum Herbst eine Stelle. Aus frankirte Anfragen besorgt das Nähere der Lehrer Sachs in Jons bei Düsseldorf. Israelitisches Institut für junge Mädchen unter der Leitung der Frau BlocH - Pereyra. Rue de la Tour No. 24 et 26 ä Paris (Quartier de Passy). Dieses Institut, seit langer Zeit durch seine Resultate wie durch seine Erfolge bekannt, bemüht sich immer mehr, daS Vertrauen der israel. Familien zu erwerben. Gewissenhaft organisirt nach den Grundsätzen der heil. Religion, welche daselbst gelehrt und geübt werden, ist in demselben Gelegenheit geboten, alle nützlichen und angenehmen Kenntnisse, die gebildeten Mädchen, welche berufen sind, dem Hause vorzustehen und in der Gesellschaft eine angemessene Stellung einzunehmen, nöthig sind, zu erwerben. Das Institut, umgeben von einem sehr schönen Garten, liegt im gesundesten und angenehmsten Theile von Paris, in der Nähe der berühmten Spaziergänge des Roulo^ne-WaldeS und der elyfäischen Felder. Für das körperliche und geistige Wohl der Zöglinge ist auf das Beste gesorgt, und was israel. Eltern in den berühmtesten christl. Pensiouaten suchen, finden sie auf's Vollständigste in diesem iSrael. Institut. Die Bedingungen der Pension sind sehr billig.